18.04.2013:

Wohnen im Alter

So geht altersgerechtes Wohnen

Wo hin mit Oma oder Mama? Stehen Sie auch vor dieser Frage?
Haben Sie jemand der bald pflegebedürftig wird?
Haben Sie die meisten Dinge schon geregelt?


Bis ins hohe Alter selbst über seinen Alltag entscheiden und auch als Pflegefall zuhause wohnen können – das ist ein wichtiges Ziel vieler älterer Menschen. Wenn sie gepflegt werden müssen, dann am liebsten in den eigenen vier Wänden statt im Pflegeheim. Doch auch alternative Wohn- und Pflegeformen, bei denen die Betreuten so lange wie irgend möglich selbst über ihren Alltag bestimmen können, werden immer beliebter. Ob betreutes Wohnen, Seniorenresidenzen, Wohngemeinschaften, Pflegeheim oder doch daheim: wichtig ist, dass die Wohnung altersfit und barrierefrei ist und geeignete Helfer für die Alltagsbewältigung zu finden sind. Wie funktioniert altersgerechtes Wohnen am besten? Worauf muss man dabei achten? Welche Wohnalternativen habe ich im Alter und im Pflegefall? Was ist wichtig, wenn man lange daheimbleiben will? Welche altersgerechte Umbauten sind sinnvoll und was ist möglich? Welche Leistungen gibt es bei häuslicher und stationärer Pflege und welche Kosten übernimmt die gesetzliche Pflegeversicherung? Was muss man beachten, wenn man Pflegekräfte anstellen möchte? Was tun, wenn man mit der Pflegeeinstufung unzufrieden ist? Welche privaten Absicherungen gibt es, um für Umbau- und Zusatz-Pflegekosten gewappnet zu sein? Reicht der neue Pflege-Bahr dafür?

Chat-Protokoll

Moderator:
Wir begrüßen Sie herzlich zu unserem aktuellen Chat zum Thema „Wohnen im Alter“. Bis 19 Uhr beantworten unsere Experten Ihre Fragen. Sollten wir aus Zeitgründen nicht alle Fragen beantworten können, bitten wir Sie um Ihr Verständnis. Wir werden in jedem Fall darauf achten, mit der Beantwortung allgemeiner Fragen zu beginnen. So können möglichst viele Teilnehmer von diesem Chat profitieren. Deshalb unser Tipp für Sie: Lesen Sie bitte auch die Antworten auf die Fragen anderer Teilnehmer durch. Möglicherweise werden Ihre Fragen damit ebenfalls beantwortet.

Bernhard Reindl
Bernhard Reindl,
München, Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt, Bereichsleiter Wohnen im Alter und bei Behinderung im Verein Stadtteilarbeit e.V., Experte für das Wohnen im Alter

Frage von JOHANNA:
Wie sinnvoll sind Treppenlifte? Ich überlege, einen für meine Eltern anzuschaffen, habe aber gehört, dass sie sich selbst anschnallen müssen und auch das Ein- und Aussteigen Probleme machen kann.

Antwort von Bernhard Reindl:
Bei Treppenliften muss der Bewohner auf den Sitz des Treppenlifts aufsteigen beziehungsweise vom Rollstuhl den Transfer auf den Treppensitzlift schaffen. Anschnallen muss man sich wohl eher auf älteren Modellen. Neue Modelle machen das automatisch, in dem ein Seitbügel nach vorne gezogen wird, auf dem auch die Bedienfunktion des Lifts integriert ist. Für Personen, die den Transfer nicht mehr schaffen und Rollstuhlfahrer sind: es gibt Plattformlifte, die den ganzen Rollstuhl samt Person aufnehmen. Sie funktionieren genauso wie der Treppenlift - mit Schienensystem entlang der Treppe. Wir empfehlen, immer mindestens zwei Angebote einzuholen und sich vom Verkäufer genau erklären zu lassen, wie die Einstiegs- und Ausstiegssituation gelöst ist. Ein Hinweis für weitere Informationen: http://www.eigenheimerverband.de/zeitschrift/hauswohnung/miteinemtreppenliftmobilbleiben

Annette Bubans
Annette Bubans,
Frankfurt/Main, Pflegeberaterin der Deutschen BKK, Expertin für Problemlösungen im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit

Frage von ROBBY:
Wie kann ich Pflegemissstände dokumentieren? Darf ich im Zimmer meiner pflegebedürftigen Mutter eine Kamera installieren? Ich habe die Vermutung, dass sich den ganzen Tag niemand um sie kümmert.

Antwort von Annette Bubans:
Pflegemissstände lassen sich am besten mit ausführlichen Protokollen dokumentieren. Das Anbringen einer Kamera ist nicht zulässig. Sollten anhand der Protokolle, die der Pflegedienstleitung/Heimleitung vorgelegt werden müssen, keine Änderung eintreten, besteht die Möglichkeit eine Prüfung durch die Pflegekasse zu veranlassen.

Manfred Anton
Manfred Anton,
München, Geschäftsführer der Astra Ambulante Pflege GmbH, Experte auf dem Gebiet der ambulanten Pflege und stationärer Altenhilfeeinrichtungen

Frage von SUSANNE:
Mein Vater ist demenzkrank, trotzdem würde ich ihn gerne Zuhause pflegen. Worauf muss ich besonders bei dieser Krankheit achten?

Antwort von Manfred Anton:
Sie sollten sich mit dem Krankheitsbild beschäftigen, weil das Verständnis für die Zusammenhänge Ihnen bei der Bewältigung dieser schwierigen Aufgabe helfen wird. Gerade für Angehörige ist es teilweise sehr schwer, das auszuhalten. Nehmen Sie sich unbedingt zusätzliche Unterstützung, beispielsweise durch einen Pflegedienst, der auch zusätzliche Betreuungsmöglichkeiten bietet (zum Beispiel Spazierengänge, Spiele, Unterhaltungen). Sie müssen auch Ihr eigenes Wohlbefinden im Blick behalten, sonst sind Sie Ihrem Vater auf Dauer keine Hilfe. Wenn er jenseits der Demenz auch in eine Pflegestufe eingestuft ist, nutzen Sie auch die Möglichkeiten der Verhinderungspflege, die Sie nicht nur wochenweise, sondern sogar stundenweise über einen Pflegedienst erbringen lassen können.

Peter Straßer
Peter Straßer,
Experte für Leistungen der privaten Pflegeversicherung bei der Münchener Verein Versicherungsgruppe

Frage von SIMON123:
Mein Vater erkrankt langsam an Demenz. Habe ich immer noch die Chance, für ihn eine Pflegeversicherung abzuschließen?

Antwort von Peter Straßer:
Voraussetzung für den Abschluss einer Pflegezusatzversicherung ist grundsätzlich, dass der Antragsteller kein Pflegefall im Sinne des SGB XI ist. Auch die Vorerkrankungen müssen im Einzelfall betrachtet werden. Sofern bei ihrem Herrn Vater bereits eine Demenz ärztlich diagnostiziert wurde, ist eine Versicherungsfähigkeit grundsätzlich nicht mehr gegeben.

Annette Bubans
Annette Bubans,
Frankfurt/Main, Pflegeberaterin der Deutschen BKK, Expertin für Problemlösungen im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit

Frage von WERNER:
Hallo und guten Tag, seit kurzem haben wir einen Pflegefall bei uns zu Hause. Mein Vater benötigt eine Betreuung. Ein Heim kommt für uns aus finanziellen Gründen nicht in Frage und die mobilen Hauskrankenpfleger sind gut - reichen aber nicht. Nun habe ich gehört, dass man auf polnische Helfer zur Unterstützung zurückgreifen kann. Wie geht das? Wo gibt es Anlaufstellen? Bitte nur legale Hinweise bzw. Angebote. Danke Werner

Antwort von Annette Bubans:
Für Informationen über die Möglichkeit der ausländischen Pflegekräfte können Sie sich bei der Agentur für Arbeit informieren.

Peter Straßer
Peter Straßer,
Experte für Leistungen der privaten Pflegeversicherung bei der Münchener Verein Versicherungsgruppe

Frage von CONSTANTIN F.:
Welche Pflege steht einem normal Kranken- und Rentenversicherten im Ernstfall zu? Wie kann ich mich zusätzlich absichern?

Antwort von Peter Straßer:
Die gesetzliche Pflegepflichtversicherung leistet bei Vorliegen einer Pflegebedürftigkeit im Sinne des SGB XI die gesetzlich verbindlich vorgegebenen Pflegeleistungen und stellt im Pflegefall eine Art Kaskoversicherung dar. Nachdem erfahrungsgemäß die tatsächlichen Pflegekosten die oben genannten Pflegepflichtleistungen deutlich übersteigen, ist es sinnvoll, sich für das Risiko einer Pflegebedürftigkeit durch eine private Pflegezusatzversicherung - hier insbesondere durch eine Pflegetagegeldversicherung - abzusichern. Seit dem 1.1.2013 gibt es zudem noch die Möglichkeit, den staatlich geförderten Pflege-Bahr abzuschließen.

Annette Bubans
Annette Bubans,
Frankfurt/Main, Pflegeberaterin der Deutschen BKK, Expertin für Problemlösungen im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit

Frage von FULI:
Wie sieht das Beschäftigungsverhältnis aus, wenn ich für die Pflege meiner Eltern eine Kraft aus den östlichen Staaten anwerbe?

Antwort von Annette Bubans:
Nähere Informationen über ausländische Pflegekräfte erhalten Sie über die Agentur für Arbeit.

Manfred Anton
Manfred Anton,
München, Geschäftsführer der Astra Ambulante Pflege GmbH, Experte auf dem Gebiet der ambulanten Pflege und stationärer Altenhilfeeinrichtungen

Frage von HANS:
Wie findet man am besten eine häusliche Pflegekraft für einen alzheimerkranken jüngeren Mann?

Antwort von Manfred Anton:
Diese Frage ist allgemein schwer zu beantworten. Wenden Sie sich am besten an einen örtlichen Pflegedienst wie beispielsweise Caritas oder Diakonie. Solch große Dienste haben in der Regel eine große Auswahl an potenziellen Mitarbeitern. Vereinbaren Sie einen Beratungstermin mit der Pflegedienstleitung, die den jüngeren Mann kennenlernen kann. Dem entsprechend kann sie Ihnen Vorschläge machen, wer aus dem Team vermutlich am besten passt. Gegebenenfalls kann man das dann noch einmal ändern, wenn der erste Versuch scheitert, weil die "Chemie" nicht stimmt. Es sollte aber Wert darauf gelegt werden, dass der Kreis der betreuenden Kräfte möglichst klein gehalten wird.

Annette Bubans
Annette Bubans,
Frankfurt/Main, Pflegeberaterin der Deutschen BKK, Expertin für Problemlösungen im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit

Frage von LUKAS:
Durch einen aktuellen Fall würde ich gerne wissen: Habe ich Anspruch auf Familienpflegezeit?

Antwort von Annette Bubans:
In einer akut auftretenden Pflegesituation haben Sie Anspruch auf zehn Tage Arbeitsbefreiung. Für eine Familienpflegezeit sollten folgende Voraussetzunge erfüllt sein: - Sie müssen Umfang (mindestens 15 Stunden Verringerung der Arbeitszeit) und Verteilung/Dauer (max. 24 Minate) der Pflegezeit schriftlich mit Ihrem Arbeitgeber vereinbaren - mit Angaben zur zu pflegenden Person. - Die Pflegebedürftigkeit muss nachgewiesen werden. - Sie müssen sich mit dem Arbeitgeber darüber verständigen, um wie viel Sie Ihre Arbeitszeit verringern. Dem entsprechend stockt er Ihr Gehalt hälftig auf. (Nach Ende der Familienpflegezeit muss der Arbeitnehmer entsprechend ausgleichen.)

Annette Bubans
Annette Bubans,
Frankfurt/Main, Pflegeberaterin der Deutschen BKK, Expertin für Problemlösungen im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit

Frage von HEIKE_HALLO:
Wie wirkt es sich auf meine Rente aus, wenn ich durch die Familienpflegezeit für mehrere Jahre weniger arbeite? Habe ich dann selbst weniger Rentenanspruch?

Antwort von Annette Bubans:
Wenn weniger verdient wird, reduzieren sich dadurch auch die Rentenbeiträge und somit ebenfalls der Rentenanspruch.

Peter Straßer
Peter Straßer,
Experte für Leistungen der privaten Pflegeversicherung bei der Münchener Verein Versicherungsgruppe

Frage von LIESA:
Eine Freundin von mir hat seit kurzem einen Pflegefall in der Familie. Die intensive Pflege nimmt sie sehr mit, außerdem macht sie sich Sorgen bezüglich der Kosten, wenn sie das nicht mehr leisten kann. Sollte sie einen Pflegedienst beauftragen, mit welchen Kosten muss sie da rechnen, und raten sie ihr, noch eine Pflegeversicherung abzuschließen?

Antwort von Peter Straßer:
Nachdem die gesetzliche Pflegeversicherung lediglich eine Grundversorgung bietet, empfiehlt es sich, eine zusätzliche private Pflegezusatzversicherung abzuschließen. Im vorliegenden Fall ist eine Pflegezusatzversicherung nicht mehr möglich, da bereits ein Pflegefall im Sinne des SGB XI eingetreten ist. Die Leistungen der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung bei Beauftragung eines ambulanten Pflegedienstes belaufen sich bei Pflegestufe I auf 450 €, bei Pflegestufe II auf 1.100 € und bei Pflegestufe III auf 1.550 € im Kalendermonat.

Bernhard Reindl
Bernhard Reindl,
München, Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt, Bereichsleiter Wohnen im Alter und bei Behinderung im Verein Stadtteilarbeit e.V., Experte für das Wohnen im Alter

Frage von JüRGEN:
Ich bin momentan 69 Jahre alt und fühle mich noch relativ fit. Wie kann ich meine Wohnung (2 Zimmer, ebenerdig) bereits jetzt vorbereiten, wenn ich bald vielleicht nicht mehr gut gehen kann oder ähnliches? Wo kann ich mich informieren?

Antwort von Bernhard Reindl:
Fragen Sie bei Ihrer Gemeinde an, ob es vor Ort eine Wohnberatungsstelle für Senioren gibt. Wenn nicht, dann käme die örtliche Architektenkammer in Frage. Wenn Sie Internetzugang haben, empfehle ich Ihnen folgende Seiten: www.nullbarriere.de und www.online-wohn-beratung.de sowie www.wohnungsanpassung-bag.de

Annette Bubans
Annette Bubans,
Frankfurt/Main, Pflegeberaterin der Deutschen BKK, Expertin für Problemlösungen im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit

Frage von MARIOLA-MARIA:
Als Seniorin, die ohne jeglichen Anhang (ohne Kinder oder Angehörige) lebt, stelle ich mir immer öfter die Frage: Wer vertritt meine letzten Wünsche oder wer kümmert sich um die Abwicklung/Auflösung meiner irdischen Belange, wenn mir ganz plötzlich etwas passiert? Natürlich hat man ein Testament hinterlegt und die Papiere geordnet.

Antwort von Annette Bubans:
Die von Ihnen getroffene Vorsorge ist meist ausreichend. Sollten Sie noch eine Vorsorge für den Krankheitsfall treffen wollen, empfehle ich eine Patientenverfügung.

Manfred Anton
Manfred Anton,
München, Geschäftsführer der Astra Ambulante Pflege GmbH, Experte auf dem Gebiet der ambulanten Pflege und stationärer Altenhilfeeinrichtungen

Frage von MARIE:
Was genau ist unter "Pflegenoten" zu verstehen?

Antwort von Manfred Anton:
Der Medizinische Dienst der Krankenkassen prüft einmal jährlich Pflegeeinrichtungen nach bestimmten Kriterien (Organisation, Pflegequalität, Kundenzufriedenheit usw.). Damit soll sich der Verbraucher einen Überblick über die Qualität der Einrichtung machen. Die Benotung ist jedoch umstritten, weil Qualitätsmängel über andere Faktoren (z.B. vorhandene Unterlagen) kompensiert werden können. Man sollte sich neben den Noten auch immer einen persönlichen Eindruck von der Einrichtung machen. Sie finden alle Pflegenoten im Internet z.B. unter www.pflegelotse.de

Bernhard Reindl
Bernhard Reindl,
München, Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt, Bereichsleiter Wohnen im Alter und bei Behinderung im Verein Stadtteilarbeit e.V., Experte für das Wohnen im Alter

Frage von ELSA:
Sehr geehrter Herr Reindl, für ein barrierefreies Wohnen meiner Mutter (87) möchten wir auf eigene Kosten das Bad umbauen lassen - Wanne durch Dusche ersetzen. Außerdem ist das Fenster über der Wanne nicht erreichbar. Kostenvoranschlag wurde durch Vermieter veranlasst. Seit über 2 Jahren versuchen wir nun vom Vermieter die Zustimmung zum Umbau zu erhalten - es gibt keine Möglichkeit des Kontaktes. Haben inzwischen mit dem Verein PIA - Prävention im Alter- und dem Mieterbund Kontakt aufgenommen - immer noch keine Lösung. Auch die Krankenkasse konnte uns nicht weiterhelfen, da keine Pflegestufe vorliegt. Vielen Dank Beste Grüße

Antwort von Bernhard Reindl:
Einem Badumbau muss der Vermieter zustimmen. Ohne diese Zustimmung umzubauen, bedeutet ein hohes Risiko. Wir empfehlen, mit anwaltschaftlicher Unterstützung dem Vermieter eine Frist zu setzen und nach Ablauf dieser Frist doch den Umbau zu wagen.

Annette Bubans
Annette Bubans,
Frankfurt/Main, Pflegeberaterin der Deutschen BKK, Expertin für Problemlösungen im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit

Frage von ELISA1234:
Welche Möglichkeiten gibt es für mich als Berufstätige, meine Eltern zu pflegen und trotzdem nicht ganz aus dem Beruf auszusteigen? Was genau kann ich unter "Familienpflegezeit" verstehen?

Antwort von Annette Bubans:
Zur Unterstützung der Pflege kann zum Beispiel ein Pflegedienst eingeschaltet werden. Tagespflegeeinrichtungen bieten ebenfalls die Möglichkeit, Pflegebedürftige tagsüber gut versorgt zu wissen. Die Pflegezeit beinhaltet eine teilweise oder vollständige Freistellung von der Arbeit bis zu sechs Monaten, um die Pflege im häuslichen Bereich sicherzustellen. Dies ist bei Arbeitgebern ab 16 Beschäftigten möglich. Sollten Sie aufgrund der Pflegezeit nicht mehr krankenversichert sein, kann Ihnen die zuständige Pflegekasse auf Antrag die Beiträge für eine freiwillige Mitgliedschaft erstatten.

Manfred Anton
Manfred Anton,
München, Geschäftsführer der Astra Ambulante Pflege GmbH, Experte auf dem Gebiet der ambulanten Pflege und stationärer Altenhilfeeinrichtungen

Frage von SOFIA:
Ich bin alleinstehend und ohne Kinder, werde also im Alter in ein Pflegeheim ziehen. Wie früh muss ich mich um einen Platz kümmern? Ab wann ist ein Umzug sinnvoll? Wer kümmert sich im Zweifelsfall um meine alte Wohnung?

Antwort von Manfred Anton:
Zunächst ist es vernünftig, sich frühzeitig mit dem Thema zu befassen. Insbesondere macht es Sinn, zu einem Zeitpunkt in eine Pflegeeinrichtung zu ziehen, wo man noch die Möglichkeit hat, sich zu orientieren und noch Kontakte aufzubauen. Es ist aber nicht sinnvoll, sich Jahre vor dem Umzug eine Einrichtung auszusuchen, weil sich in der Zwischenzeit noch viel ändern kann, wenn beispielsweise die Heimleitung wechselt. Ein gangbarer Weg wäre der Umzug in eine betreute Wohnanlage, wo Sie Mieter eines Appartements sind - mit Wahlleistungen, wie Sie sie konkret benötigen und woran ein Pflegeheim angeschlossen ist, wohin Sie dann später ohne weiteren Ortswechsel komplikationslos übersiedeln können. Wer sich um Ihre Wohnung kümmert, hängt davon ab, ob Sie zur Miete oder im Eigentum wohnen. Im ersten Fall regeln Sie das mit Ihrem Vermieter, im zweiten Fall sollten Sie eine Ihnen vertraute Person mit einbeziehen, die im Zweifelsfall Ihre Angelegenheiten regeln kann (Vorsorgevollmacht).

Manfred Anton
Manfred Anton,
München, Geschäftsführer der Astra Ambulante Pflege GmbH, Experte auf dem Gebiet der ambulanten Pflege und stationärer Altenhilfeeinrichtungen

Frage von SIMONE:
Welche finanziellen Belastungen kommen auf einen Pflegefall zu? Ist eine zusätzliche Versicherung sinnvoll?

Antwort von Manfred Anton:
Die finanzielle Belastung hängt vom Schweregrad der Pflegebedürftigkeit ab und davon, ob eine häusliche Versorgung (zum Beispiel durch einen Pflegedienst) ausreichend ist oder ob eine Unterbringung im Pflegeheim erforderlich ist. Je nach Pflegestufe variiert der Zuschuss durch die Kasse. Die Pflegeversicherung deckt aber in der Regel nicht die gesamten Kosten ab. Sehr häufig sind für eine adäquate Versorgung private Zuzahlungen erforderlich. Hier kann der Sozialhilfeträger einspringen, aber natürlich nur dann, wenn kein Vermögen vorhanden ist (ggf. das der Kinder). Insofern ist es sinnvoll, zusätzlich privat eine Pflegeversicherung abzuschließen, um hier auf der sicheren Seite zu sein - sofern man es sich leisten kann. Seit diesem Jahr gibt es die Möglichkeit der Unterstützung durch den Staat, Interessant ist hierbei vor allem, dass eine Gesundheitsprüfung unterbleibt.

Peter Straßer
Peter Straßer,
Experte für Leistungen der privaten Pflegeversicherung bei der Münchener Verein Versicherungsgruppe

Frage von MARLENE:
Meine alte Mutter muss ihr Bad behindertengerecht umbauen lassen - gibt es da Unterstützung von der Pflegeversicherung oder wo kann ich sonst finanzielle Unterstützung bekommen?

Antwort von Peter Straßer:
Das Pflegeversicherungsgestz (SGB XI) sieht Leistungen für die individuelle Verbesserung des Wohnumfeldes vor; sofern der medizinische Dienst im Rahmen seiner gutachterlichen Untersuchung die pflegerische Notwendigkeit für das behindertengerechte Bad feststellt, beträgt der Zuschuss für diese Maßnahme maximal 2.557 Euro.

Annette Bubans
Annette Bubans,
Frankfurt/Main, Pflegeberaterin der Deutschen BKK, Expertin für Problemlösungen im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit

Frage von BERLINKIND:
Welche Ansprüche (Hilfsmittel, Pflegematerialien, o.Ä.) hat eine Patientin ab Pflegestufe 2. Und gilt hier auch die Apotheken-Gebührenbefreiung?

Antwort von Annette Bubans:
EIn Anspruch auf bestimmte Hilfsmittel ist nicht abhängig von der Pflegestufe. Vielmehr steht die medizinische Notwendigkeit im Vordergrund. Viele der Hilfsmittel sind dabei über ein Rezept vom behandelnden Arzt zu verordnen. Liegt eine Befreiung von den Zuzahlungen vor, gilt dies selbstverständlich für alle verordneten Hilfsmittel. Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel (zum Beispiel Einmalhandschuhe, saugende Bettschutzeinlagen zum Einmalgebrauch, Desinfektionsmittel) sind bei der Pflegekasse zu beantragen. Die Notwendigkeit wird dann durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung geprüft. Nach der Genehmigung stehen dann monatlich bis zu 31 Euro zur Verfügung.

Bernhard Reindl
Bernhard Reindl,
München, Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt, Bereichsleiter Wohnen im Alter und bei Behinderung im Verein Stadtteilarbeit e.V., Experte für das Wohnen im Alter

Frage von LUKULUS:
Mit meinem Opa geht es in letzter Zeit mit der Gesundheit ziemlich bergab. Meine Oma muss viel leisten, um ihn zu Hause zu pflegen. An sich ist Oma noch fit, aber für eine derart intensive Pflege doch auch schon zu alt. Gibt es grundsätzlich Einrichtungen, in denen beide zusammen unterkommen können? Bei der mein Opa eine Intensivpflege (Pflegestufe II) bekommt und meine Oma trotzdem die letzten Jahre noch genießen kann, ohne pausenlos meinen Opa zu pflegen. Für betreutes Wohnen ist mein Opa zu pflegebedürftig und für ein Pflegeheim ist meine Oma noch zu fit.

Antwort von Bernhard Reindl:
Eine Möglichkeit ist, sich zu Hause bei der Pflege Unterstützung zu holen, durch einen ambulanten Pflegedienst oder durch Nachbarschaftshilfen, die teilweise Aufgaben wie zum Beispiel Einkaufen, Begleitung zum Arzt oder Vorlesen übernehmen. Die weitestgehende Möglichkeit für die Pflege und Betreuung zu Hause wäre ein 24-Stunden-Betreuungsdienst durch zum Beispiel osteuropäische Haushaltshilfen, die auch pflegerisch unterstützen. Das kostet ca. 1.800 Euro im Monat, bei freier Kost und Logis für die Betreuungsperson. Eine vergleichbare Leistung durch einen deutschen Pflegedienst kostet das Mehrfache - circa 6.000 bis 8.000 Euro. Eine stationäre Unterbringung für nur eine pflegebedürftige Person und die andere Person wohnt nur mit - da müssten Sie vor Ort schauen, was an Angeboten von stationären Einrichtungen vorhanden ist.

Manfred Anton
Manfred Anton,
München, Geschäftsführer der Astra Ambulante Pflege GmbH, Experte auf dem Gebiet der ambulanten Pflege und stationärer Altenhilfeeinrichtungen

Frage von KAKTUS44:
Welche Vorraussetzungen müssen erfüllt sein, um eine Familienpflegezeit zu nutzen? Was muss ich mitbringen?

Antwort von Manfred Anton:
Folgende Voraussetzungen sollten erfüllt sein: - Sie müssen Umfang (mindestens 15 Stunden Verringerung der Arbeitszeit) und Verteilung/Dauer (max. 24 Minate) der Pflegezeit schriftlich mit Ihrem Arbeitgeber vereinbaren - mit Angaben zur zu pflegenden Person. - Die Pflegebedürftigkeit muss nachgewiesen werden. - Sie müssen sich mit dem Arbeitgeber darüber verständigen, um wie viel Sie Ihre Arbeitszeit verringern. Dem entsprechend stockt er Ihr Gehalt hälftig auf. (Nach Ende der Familienpflegezeit muss der Arbeitnehmer entsprechend ausgleichen.)

Annette Bubans
Annette Bubans,
Frankfurt/Main, Pflegeberaterin der Deutschen BKK, Expertin für Problemlösungen im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit

Frage von MARY:
Was ist zu beachten, wenn ich Nachbarschaftshilfe in Anspruch nehme? Wie sieht es mit der Sozialversicherung aus? Muss die Nachbarschaftshilfe gemeldet werden? Oder reicht es, die Entlohnung bei der Steuererklärung einzutragen? An wenn muss ich mich wenden, um die zusätzliche Hilfeleistung in Anspruch zu nehmen? ich habe gehört, dass es einen Pauschal-Betrag gibt, um jemanden zu bitten, die Angehörigen mal für paar Stunden entlasten? An wenn stelle ich den Antrag für den Umbau in meinem Haus?

Antwort von Annette Bubans:
Sollten Sie regelmäßig bezahlte fremde Hilfe annehmen, können Sie diese Person als Minijobber anmelden. Wenden Sie sich für Fragen dazu an die Minijob-Zentrale. Sollten Sie Pflegeleistungen erhalten, haben Sie grundsätzlich Anspruch auf Verhinderungspflege. Voraussetzung ist, dass die Pflege mindestens schon 6 Monate durchgeführt wurde. Grundsätzlich stehen im Rahmen der Verhinderungspflege 28 Tage und 1.550 Euro pro Kalenderjahr zur Verfügung. Sollten Sie die Verhinderungspflege nur stundenweise (also unter acht Stunden täglich) in Anspruch nehmen wollen, dann stehen für das ganze Jahr 1.550 EUR zur Verfügung. Lassen Sie sich einen entsprechenden Antrag von Ihrer Pflegekasse senden.

Annette Bubans
Annette Bubans,
Frankfurt/Main, Pflegeberaterin der Deutschen BKK, Expertin für Problemlösungen im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit

Frage von JOACHIM:
Welchen Belastungen bin ich als Berufstätiger ausgesetzt, wenn ich meine Angehörigen pflege? Ich kann mir leider kein umfassendes Bild machen, wie das genau ablaufen könnte ...

Antwort von Annette Bubans:
Pflege bedeutet in den meisten Fällen einen nicht unerheblichen Zeitaufwand. Wie die Pflege bei Ihren Angehörigen im einzelnen aussehen könnte und welche Zeit Sie dafür benötigen, lässt sich jedoch vorher nicht sagen. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Hilfsmöglichkeiten, die Sie dann unterstützen können. Sollte der Pflegefall eintreten, steht dem Pflegebedürftigen unter anderem eine ausführliche Pflegeberatung der Pflegekasse auch in den eigenen vier Wänden zu. Dort lassen sich dann alle notwendigen Fragen beantworten.

Peter Straßer
Peter Straßer,
Experte für Leistungen der privaten Pflegeversicherung bei der Münchener Verein Versicherungsgruppe

Frage von LOTTA:
Kann ich im Falle, dass mein Vater künftig ein Pflegefall sein wird, ihn von Italien nach Deutschland holen? Er könnte dann aber nicht bei mir wohnen. Ich müsste ein Pflegeheim suchen, was ich aber auch in Italien suchen müsste, nur, dass er dort ohne Angehörige ist. Und er hat ja keine deutsche Pflege-Versicherung, nur eine staatliche italienische KV, an wen muss man sich da wenden, um Informationen über die Leistungen, die in D bezahlt würden, zu erhalten?

Antwort von Peter Straßer:
Voraussetzung für Leistungsansprüche aus dem deutschen Pflegeversicherungsgesetz (SGB11) ist, dass der Pflegebedürftige eine deutsche Pflegepflichtversicherung abgeschlossen hat. Im vorliegenden Fall bedeutet dies, dass Ihr Herr Vater nach dem SGB XI keine Pflegeleistungen erhalten kann. Bitte wenden Sie sich bezüglich eventueller Pflegeansprüche an die zuständige italienische Versicherung ihres Herrn Vaters.

Bernhard Reindl
Bernhard Reindl,
München, Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt, Bereichsleiter Wohnen im Alter und bei Behinderung im Verein Stadtteilarbeit e.V., Experte für das Wohnen im Alter

Frage von SANDY 0509:
Werden Umbaumaßnahmen für ein behindertengerechtes Wohnen bezuschusst? Und wenn ja wo?

Antwort von Bernhard Reindl:
Es ist zu unterscheiden, ob die betroffene Person, für die umgebaut werden soll, bereits pflegebedürftig und/oder schwerbehindert ist. Wenn ja, dann käme die Pflegekasse mit bis zu 2.557 Euro als Kostenträger in Frage, desweiteren gibt es in den einzelnen Bundesländern Programme für die Umbau von Wohnungen für schwer behinderte Menschen. Die Bedingungen und Voraussetzungen hierfür sind je nach Bundesland sehr unterschiedlich. Wenn es um einen rein präventiven Umbau geht, dann käme die Förderung der KfW Bank in Frage, etwa ein Kredit für Umbaumaßnahmen bis 50.000 Euro, bei derzeit 1 % Zins (subventioniert).

Bernhard Reindl
Bernhard Reindl,
München, Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt, Bereichsleiter Wohnen im Alter und bei Behinderung im Verein Stadtteilarbeit e.V., Experte für das Wohnen im Alter

Frage von JAN:
Was muss/darf ein Treppenlift kosten?

Antwort von Bernhard Reindl:
Das hängt davon ab, wie lang die Treppenlänge ist und wie viele Kurven dabei zu bewältigen sind. Eine gerade laufende Treppe über ein Stockwerk beginnt bei circa 5.000 Euro. Über zwei Kurven kostet es ab 9. 000 Euro. Wir empfehlen sich mindestens zwei Angebote einzuholen und gegebenenfalls nach Förderung durch Kostenträger bei ihrer Gemeinde zu fragen.

Manfred Anton
Manfred Anton,
München, Geschäftsführer der Astra Ambulante Pflege GmbH, Experte auf dem Gebiet der ambulanten Pflege und stationärer Altenhilfeeinrichtungen

Frage von HEIKE:
Wie finde ich das passende Pflegeheim? Worauf muss ich bei der Auswahl achten?

Antwort von Manfred Anton:
Es gibt mehrere Aspekte, die Sie beachten sollten. Zunächst sollten Sie sich fragen, ob es in einer annehmbaren Entfernung sein soll, wo Sie noch regelmäßig besucht werden können. Erste Anhaltspunkte zur Qualität der Einrichtung kann die Benotung durch den Medizinischen Dienst sein (zu finden zum Beispiel unter www.pflegelotse.de). Die Noten sind jedoch teilweise umstritten, weil Qualitätsmängel nicht unbedingt offenbar werden. Besser ist es, sich einen persönlichen Eindruck zu verschaffen. Machen Sie für die vor-ausgewählten Heime einen Termin mit der Heimleitung und gehen Sie offenen Auges/Ohres durch das Haus. Sie werden einen Eindruck von der Atmosphäre bekommen, der Ihnen am Ende wichtiger sein wird als die Benotung. Es geht darum, dass Sie sich (oder Ihr Angehöriger) dort zuhause fühlen können. Und gehen Sie ruhig zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal unangemeldet dorthin.

Peter Straßer
Peter Straßer,
Experte für Leistungen der privaten Pflegeversicherung bei der Münchener Verein Versicherungsgruppe

Frage von ELLEN67:
Mein Sohn ist leicht körperbehindert. Kann ich für ihn auch eine Pflegeversicherung abschließen?

Antwort von Peter Straßer:
Ihre Frage lässt sich leider ohne genaue Kenntnis der zugrunde liegenden Erkrankung/Behinderung nicht beantworten. Lassen Sie sich doch bitte von diversen privaten Pflegeversicherungen individuelle Angebote einer Pflegezusatzversicherung für ihren Sohn erstellen und prüfen Sie dann, ob die zugrunde liegende Behinderung eine Versicherungsfähigkeit ermöglicht.

Bernhard Reindl
Bernhard Reindl,
München, Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt, Bereichsleiter Wohnen im Alter und bei Behinderung im Verein Stadtteilarbeit e.V., Experte für das Wohnen im Alter

Frage von VöGELCHEN200:
Ich pflege meine Eltern und bin mir bei vielen Dingen unsicher. Gibt es Schulungen und Lehrgänge für Angehörige, in denen ich bestimmte Hilfestellungen und Aspekte lernen kann? Werden diese von der Krankenkasse übernommen?

Antwort von Bernhard Reindl:
Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach Kursangeboten für pflegende Angehörige. Die gibt es mit Sicherheit auch bei Ihnen vor Ort. Zum Beispiel bei den örtlichen Wohlfahrtsverbänden. In der Regel ist ein Eigenanteil zu bezahlen.

Annette Bubans
Annette Bubans,
Frankfurt/Main, Pflegeberaterin der Deutschen BKK, Expertin für Problemlösungen im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit

Frage von HAJUBI:
An wen wende ich mich, wenn sich ein Mensch aus meinem Bekanntenkreis nicht mehr um sich selbst kümmern kann im Alter? Er wäscht sich nicht, räumt nicht auf und wäscht auch seine Wäsche nicht. Er würde alles Geld ausgeben, was er hat, wenn man sich nicht darum kümmern würde. Ich will unbedingt helfen!

Antwort von Annette Bubans:
Es besteht die Möglichkeit, eine gesetzliche Betreuung über das zuständige Amtsgericht zu beantragen. Dies kann jeder tun. Dort wird geprüft, ob der Betroffene sich tatsächlich nicht mehr selbst helfen kann und ihm ein Betreuer zur Seite gestellt werden sollte. Dieser kann dann alles Notwendige beantragen und auch regeln.

Peter Straßer
Peter Straßer,
Experte für Leistungen der privaten Pflegeversicherung bei der Münchener Verein Versicherungsgruppe

Frage von SUBA:
Mal angenommen, man hat in der eigenen Familie einen Pflegefall: Wer ist denn verpflichtet, sämtliche Konten und Vermögenswerte offenzulegen? Kinder und Ehepartner oder auch Enkelkinder?

Antwort von Peter Straßer:
Grundsätzlich ist der Pflegebedürftige primär verpflichtet, die anfallenden Pflegekosten zu tragen. Sollte dies im Einzelfall finanziell nicht möglich sein, so sind die direkten Nachkommen des Pflegebedürftigen - Kinder - eintrittspflichtig. Diese Eintrittspflicht unterliegt bestimmten gesetzlichen Vorgaben, die von Bundesland zu Bundesland verschieden sind. Bitte klären Sie daher die für Ihr Bundesland gültigen Kriterien bei Ihrem zuständigen Sozialamt ab. Das Sozialamt kann eine Offenlegung der finanziellen Situation fordern, da nur so eine abschließende Leistungsprüfung der Prüfkriterien möglich ist.

Moderator:
Dieser Chat zum Thema „Wohnen im Alter“ wird moderiert. Unser Moderator stellt die Fragen je nach Teilnehmerzahl frei. Werden viele Fragen gestellt, legt der Moderator den Experten zunächst die Fragen vor, die von allgemeinem Interesse sind.

Bernhard Reindl
Bernhard Reindl,
München, Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt, Bereichsleiter Wohnen im Alter und bei Behinderung im Verein Stadtteilarbeit e.V., Experte für das Wohnen im Alter

Frage von JüRGEN:
Ich bin angestellter Altenpfleger und würde mich gerne selbstständig machen, um Menschen direkt bei ihnen zu Hause und auch ganztägig zu betreuen. Dieser Schritt fällt mir sehr schwer, haben Sie einen Tipp, wie ich beginnen kann?

Antwort von Bernhard Reindl:
Ich empfehle Ihnen, sich bei einem Anbieter der ambulanten Altenpflege die Umstände dieses Tätigkeitsfeldes genau anzuschauen. Ihre örtliche Arbeitsagentur oder Ihr Berufsverband kann Ihnen sicher auch Beratung hinsichtlich der Selbstständigkeit bieten.

Manfred Anton
Manfred Anton,
München, Geschäftsführer der Astra Ambulante Pflege GmbH, Experte auf dem Gebiet der ambulanten Pflege und stationärer Altenhilfeeinrichtungen

Frage von WOLFGANG77:
Was genau muss man unter Kurzzeitpflege verstehen?

Antwort von Manfred Anton:
Unter Kurzzeitpflege versteht man einen vorübergehenden Aufenthalt in einer stationären Einrichtung zum Beispiel unmittelbar nach einem stationären Aufenthalt, wenn die häusliche Versorgung noch nicht möglich ist oder in sonstigen Krisensituationen (wenn etwa der pflegende Angehörige plötzlich verhindert ist). Der Anspruch ist auf vier Wochen pro Jahr beschränkt, die Kasse übernimmt bis zu 1.550 Euro/Jahr.

Bernhard Reindl
Bernhard Reindl,
München, Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt, Bereichsleiter Wohnen im Alter und bei Behinderung im Verein Stadtteilarbeit e.V., Experte für das Wohnen im Alter

Frage von MARIANNE:
Ich interessiere mich für Wohngemeinschaften im Alter - wie kann man sich das in der Praxis vorstellen? Welche - auch persönliche - Eignungen muss ich mitbringen?

Antwort von Bernhard Reindl:
Der Unterschied zu sonstigen Wohngemeinschaften ist, dass ältere WG-Bewohner mehr Eigenheiten und Besonderheiten haben als jüngere (Gewohnheiten, Aktivitätsrhythmus, Wohnungshygiene). Persönliche Eignung: Toleranz, Kommunikationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit

Manfred Anton
Manfred Anton,
München, Geschäftsführer der Astra Ambulante Pflege GmbH, Experte auf dem Gebiet der ambulanten Pflege und stationärer Altenhilfeeinrichtungen

Frage von TIMM:
Ich würde gerne als Rentner auswandern und in einem Land mit angenehmeren Klima alt werden. Ich habe dafür gespart - können Sie das generell empfehlen? Habe ich im (europäischen) Ausland auch irgendwelche finanziellen Ansprüche, was die Pflege angeht?

Antwort von Manfred Anton:
Ob das zu empfehlen ist, hängt natürlich von Ihren eigenen Vorlieben ab. Finanzielle Ansprüche gegenüber der Pflegekasse haben Sie dann, wenn es sich um ein EU-Land handelt, allerdings nur in Höhe des "Pflegegelds". Das ist der niedrigere Betrag, der gezahlt wird, wenn Angehörige die Pflege übernehmen. Einen Anspruch auf Pflegesachleistung (das, was Ihnen für einen Pflegedienst zur Verfügung stünde) haben Sie nicht nach deutschem Recht, sondern nur nach dem Recht des Gastlands, in dem Sie dann wohnen. Und das natürlich auch nur dann, wenn es in dem Land ein vergleichbares System gibt.

Moderator:
Stellen Sie gern noch Ihre Fragen. Unsere Experten arbeiten intensiv daran, möglichst viele Fragen zu beantworten.

Bernhard Reindl
Bernhard Reindl,
München, Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt, Bereichsleiter Wohnen im Alter und bei Behinderung im Verein Stadtteilarbeit e.V., Experte für das Wohnen im Alter

Frage von INGRID211:
Ich bin Rentnerin und gehe davon aus, dass ich eines Tages ein Pflegefall bin. Ich möchte meiner Familie und vor allem meinen Kindern jedoch nicht zur Last fallen. Wie kann ich selbst vorsorgen? Was kann ich selbst organisieren?

Antwort von Bernhard Reindl:
Es ist möglich, für das Wohnen zu Hause eine Reihe von Dienstleistungen zu organisieren. Zum Beispiel ambulante Pflege, Hausmeisterdienste, Essensversorgung, Wohnungsreinigung. In einzelnen Gemeinden gibt es Angebote des "betreuten Wohnens zu Hause", die hierzu beraten und diese Dienste vermitteln. Erkundigen Sie sich bei ihrer örtlichen Seniorenberatungsstelle.

Annette Bubans
Annette Bubans,
Frankfurt/Main, Pflegeberaterin der Deutschen BKK, Expertin für Problemlösungen im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit

Frage von SALA:
Ich pflege meine Schwiegermutter seit vielen Jahren, obwohl ich noch nie richtig grün mit ihr war. Nun wird sie immer böser zu mir, dass ich es nicht mehr aushalte, und wirft mir vor, ich würde sie bestehlen. Leider können wir uns ein Altersheim nicht leisten, was raten sie mir?

Antwort von Annette Bubans:
In schwierigen Situationen gibt es die Möglichkeit eine ausführliche Pflegeberatung durch die zuständige Pflegekasse zu beantragen. Diese kann auch zu Hause stattfinden, um die passende Lösung für Sie zu finden.

Bernhard Reindl
Bernhard Reindl,
München, Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt, Bereichsleiter Wohnen im Alter und bei Behinderung im Verein Stadtteilarbeit e.V., Experte für das Wohnen im Alter

Frage von KLAUS WERNER:
Meine Eltern wollen ihr Haus barierefrei und altersgerecht umbauen. Wissen sie, ob uns die kfW Förderbank durch Zuschüsse das altersgerechte Umbauen ermöglicht oder ist sie nur für Modernisierungen zuständig?

Antwort von Bernhard Reindl:
Das KfW-Zuschussprogramm wurde leider zum Jahresende 2011 beendet. Es gibt eine Kreditförderung bis 50.000 Euro, bei derzeit circa 1 % Zins für den altersgerechten Umbau. Sie müssen technische Mindestvoraussetzungen einhalten, die Infos dazu bekommen Sie von der KfW Bank.

Manfred Anton
Manfred Anton,
München, Geschäftsführer der Astra Ambulante Pflege GmbH, Experte auf dem Gebiet der ambulanten Pflege und stationärer Altenhilfeeinrichtungen

Frage von BLOSE:
Die Rente von meinem Vater reicht nicht für einen altersgerechten Platz. Wie funktioniert die Pflege in Thailand?

Antwort von Manfred Anton:
Dass die Rente Ihres Vaters nicht ausreicht, bedeutet nicht, dass er außerhalb Deutschlands gepflegt werden muss. Reichen Rente und das private Vermögen nicht aus, tritt grundsätzlich der Sozialhilfeträger für die Deckung der Kosten ein. Die Frage, ob jemand in Thailand gepflegt werden sollte, hängt sicher auch vom Willen des Betroffenen ab. Sollte das gewünscht sein, gibt es einzelne lokale Träger, die das anbieten (dazu müsste ich Sie jedoch auf das Internet verweisen). Berücksichtigen Sie jedoch, dass die Kosten dort sicher niedriger sind, Ihnen dafür aber bestimmte Ansprüche (zum Beispiel aus der Pflegeversicherung) nicht zustehen.

Peter Straßer
Peter Straßer,
Experte für Leistungen der privaten Pflegeversicherung bei der Münchener Verein Versicherungsgruppe

Frage von SCHALL-UND-RAUCH:
Meine größte Angst im Leben ist, dass ich pflegebedürftig werde und mir nicht mehr selber helfen kann. Gibt es eine Versicherung, mit der ich für diesen Fall vorsorge, und von der ich, falls dieser Fall nicht eintritt, trotzdem profitiere? Also so etwas wie eine Pflegeversicherung, die mir auch dann etwas zahlt, wenn ich kein Pflegefall werden?

Antwort von Peter Straßer:
Eine Pflegezusatzversicherung leistet grundsätzlich nur bei Vorliegen einer Pflegebedürftigkeit im Sinne des SGB XI. Eine Pflegezusatzversicherung dient wie zum Beispiel auch die Krankenversicherung der Absicherung einer eventuell eintretenden Pflegebedürftigkeit. Eine Leistung ohne Eintritt einer Pflegebedürftigkeit ist hier nicht vorgesehen.

Bernhard Reindl
Bernhard Reindl,
München, Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt, Bereichsleiter Wohnen im Alter und bei Behinderung im Verein Stadtteilarbeit e.V., Experte für das Wohnen im Alter

Frage von HANNEKAFFEEKANNE:
Wie finde ich eine kompetente und verlässliche Pflegekraft für den Alltag? Ich habe schon von den Polinnen gehört, will mich aber nicht strafbar machen. Kann ich als Normalverdiener überhaupt eine Vollzeitkraft bezahlen?

Antwort von Bernhard Reindl:
Es gibt Agenturen, die osteuropäische Pflegekräfte legal vermitteln. Die Kosten betragen monatlich circa 1.800 Euro bei freier Kost und Logis. Adressen erhalten Sie zum Beispiel bei Ihrer örtlichen Arbeitsagentur oder bei Ihrer örtlichen Seniorenberatungsstelle. Ein deutscher Pflegedienst kostet dazu im Vergleich circa 6.000 bis 8.000 Euro pro Monat.

Manfred Anton
Manfred Anton,
München, Geschäftsführer der Astra Ambulante Pflege GmbH, Experte auf dem Gebiet der ambulanten Pflege und stationärer Altenhilfeeinrichtungen

Frage von SONNENSCHEIN23:
Warum haben Alten- und Pflegeheime so einen schlechten Ruf? Gibt es mittlerweile nicht auch Heime, in denen es sich gut leben lässt (auch ohne großes Privatvermögen)?

Antwort von Manfred Anton:
Durch (zum Teil berechtigte) Kritik in den Medien zu einzelnen Pflegeeinrichtungen entsteht der Eindruck, Pflegeeinrichtungen hätten einen schlechten Ruf. Damit tut man den meisten Einrichtungen jedoch Unrecht. In den Heimen wird von engagierten Mitarbeitern gute Pflege geleistet. Dabei spielt das Privatvermögen übrigens eine untergeordnete Rolle, wenn man von einigen privaten Residenzen absieht. Reicht das eigene Vermögen nicht mehr aus, tritt der Sozialhilfeträger für die Differenz ein.

Annette Bubans
Annette Bubans,
Frankfurt/Main, Pflegeberaterin der Deutschen BKK, Expertin für Problemlösungen im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit

Frage von SULA:
Ich habe von meinem Vater einen größeren Betrag geschenkt bekommen. Kann dieser ggf. bei Geldmangel in Form von Pflegekosten zurückgefordert werden?

Antwort von Annette Bubans:
Um festzustellen, ob Sie als Kind zur Deckung der Pflegekosten herangezogen werden, kann die Sachlage nur unter Berücksichtigung der anfallenden Pflegekosten und des vorhandenen Vermögens Ihres Vaters geprüft werden.

Moderator:
Das Interesse an diesem Thema ist groß und wir freuen uns sehr über die rege Beteiligung – vielen Dank!

Manfred Anton
Manfred Anton,
München, Geschäftsführer der Astra Ambulante Pflege GmbH, Experte auf dem Gebiet der ambulanten Pflege und stationärer Altenhilfeeinrichtungen

Frage von KONNI:
Meine Mutter wohnt mehrere Autostunden entfernt von mir und baut bereits stark ab. Ich gehe davon aus, dass sie bald pflegebedürftig sein wird. Ein Pflegeheim kommt nicht in Frage. Woher bekomme ich eine bezahlbare und nette Betreuung? Von den „polnischen Frauen“ habe ich schon gehört ...

Antwort von Manfred Anton:
Zunächst sollten Sie sich um eine Pflegeeinstufung kümmern (sofern noch nicht geschehen). Dazu wenden Sie sich an die Pflegekasse Ihrer Mutter. Sollte sie eingestuft werden, steht Ihnen ein Budget zur Verfügung (Höhe in Abhängigkeit von der Pflegestufe), das Ihnen hilft, die Pflege zu Hause zu finanzieren. Hinsichtlich der osteuropäischen Kräfte ist Vorsicht geboten. Hier gibt es viele illegale Angebote, die Sie letztlich sogar in Schwierigkeiten bringen können. Sollte das tatsächlich als Lösung erforderlich werden, wenden Sie sich an einen ortsansässigen Wohlfahrtsverband. Die haben oft Kontakte oder gar Kooperationen mit solchen Agenturen, bei denen Sie dann eher davon ausgehen können, dass alles in Ordnung ist. Oft ist ein solches Arrangement aber nicht nötig. Ambulante Pflegedienste können sehr viel abdecken. Möglicherweise wünscht Ihre Mutter auch nur so viel Unterstützung, wie sie eben braucht. Und ambulante Dienste sind hier sehr flexibel für den Fall, dass mehr nötig wird.

Bernhard Reindl
Bernhard Reindl,
München, Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt, Bereichsleiter Wohnen im Alter und bei Behinderung im Verein Stadtteilarbeit e.V., Experte für das Wohnen im Alter

Frage von HEIDE50:
Wie kann ich meine Wohnung altersgerecht einrichten? Was ist besonders wichtig?

Antwort von Bernhard Reindl:
Ihre Wohnung sollte möglichst barrierefrei sein (ebenerdig zugänglich beziehungsweise mit Aufzug, genügend große Durchgangsbreiten an allen Türen ohne Schwellen, eine bodengleiche Dusche im Bad). Die DIN-Norm für Barrierefreiheit lautet 18040.

Bernhard Reindl
Bernhard Reindl,
München, Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt, Bereichsleiter Wohnen im Alter und bei Behinderung im Verein Stadtteilarbeit e.V., Experte für das Wohnen im Alter

Frage von HANSJöRG:
Sind Panik-Knöpfe in Wohnungen sinnvoll oder raten sie davon ab?

Antwort von Bernhard Reindl:
Sie meinen wohl einen Notfallknopf in der Wohnung. Bei Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen, die alleine leben, ist dies eine sinnvolle Ausstattung. Wichtig ist, wie die Notfallkette des Notrufanbieters gestaltet ist und welche Kosten hierfür verlangt werden. Üblich sind hierfür 17 bis 35 Euro im Monat.

Annette Bubans
Annette Bubans,
Frankfurt/Main, Pflegeberaterin der Deutschen BKK, Expertin für Problemlösungen im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit

Frage von TINE_65:
Was ist wichtig, wenn ich meine Eltern zuhause pflege? Was muss ich beachten?

Antwort von Annette Bubans:
Für die Pflege zu Hause stehen vielfältige Möglichkeiten zur Verfügung. Zum einen zum Beispiel verschiedene Hilfsmittel um die Pflege zu erleichtern, Umbaumaßnahmen etwa des Bads und Pflegekurse für Sie als Angehörige. Zum anderen gibt es natürlich auch die Leistungen der Pflegekasse. Pflegegeld, wenn sie die Pflege selbst bewerkstelligen, oder eine Kombinationsleistung, wenn ein Pflegedienst hilft usw. Um für Ihre Situation die passenden Leistungen auszuwählen kann Ihnen die Pflegekasse Ihrer Eltern mit einer ausführlichen Beratung helfen.

Manfred Anton
Manfred Anton,
München, Geschäftsführer der Astra Ambulante Pflege GmbH, Experte auf dem Gebiet der ambulanten Pflege und stationärer Altenhilfeeinrichtungen

Frage von MEIER:
Wissen Sie, ob ich als Arzthelferin einfach zur Kranken- oder Altenpflegerin umsatteln kann? Und wenn ja, was muss ich tun?

Antwort von Manfred Anton:
Leider ist es nicht so einfach. Es handelt sich um eine komplett neue Ausbildung, auch wenn Sie natürlich viele Inhalte dort wieder erkennen werden. Das heißt aber nicht, dass Sie nicht als Arzthelferin in einem Pflegedienst oder Pflegeheim arbeiten können. Die meisten Dienste haben einen Mix aus Pflegefachkräften und sonstigen Mitarbeitern, wobei Sie mit Ihrer Ausbildung durchaus interessant sein könnten. Geht es Ihnen jedoch tatsächlich um die Berufsbezeichnung, müssten Sie sich noch einmal neu auf den Weg machen.

Bernhard Reindl
Bernhard Reindl,
München, Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt, Bereichsleiter Wohnen im Alter und bei Behinderung im Verein Stadtteilarbeit e.V., Experte für das Wohnen im Alter

Frage von HERMANN:
Wir wohnen seit mehr als 12 Jahren zur Miete im Haus mit zwei Parteien. Der Vermieter unten, wir oben. Bis vor einiger Zeit war unser Verhältnis recht gut. Doch als mein Frau einen Schlaganfall hatte, änderte sich dies! Nun muss die Dusche umgebaut werden, da meine Frau in der Dusche einen Hocker zum Sitzen benötigt. Ein Gutachter von der Pflegeversicherung war da und hat die finanziellen Mittel für den Umbau bewilligt. Mein Vermieter möchte den Umbau in diesem Rahmen nicht finanzieren, obwohl das Bad schon 50 Jahre alt ist. Die hierbei entstehenden Mehrkosten sollen wir alleine tragen. Welche Pflichten hat er bezüglich des Badezimmers? Welche Rechte habe ich? Wir können nicht umziehen.

Antwort von Bernhard Reindl:
Ihr Vermieter muss lediglich notwendige Instandsetzungsarbeiten am Bad übernehmen. Modernisierungskosten kann er auf den Mietpreis umlegen. Wenn Sie einen behindertengerechten, barrierefreien Badumbau benötigen, müssen Sie die Zustimmung ihres Vermieters erhalten. Falls diese nicht erteilt wird, können Sie die Zustimmung gerichtlich einklagen. Die Umbaukosten gehen zu ihren Lasten. Es gibt Zuschuss-Möglichkeiten über die Pflegekasse und die Wohnungsbauförderung für Schwerbehinderte.

Manfred Anton
Manfred Anton,
München, Geschäftsführer der Astra Ambulante Pflege GmbH, Experte auf dem Gebiet der ambulanten Pflege und stationärer Altenhilfeeinrichtungen

Frage von CLAUDI:
Wird eine heutige Pflegeeinrichtigung nicht nur noch als ein reines Businesscenter betrachtet, in dem der Ertrag im Vordergrund steht?

Antwort von Manfred Anton:
Leider gibt es immer wieder Berichte von Pflegeeinrichtungen, wo die Profitmaximierung im Vordergrund zu stehen scheint. Damit würde man dem Gros der Einrichtungen aber Unrecht tun. Bei den allermeisten wird der Wunsch vorherrschen, den pflegebedürftigen Menschen möglichst viel an Lebensqualität zu verschaffen. Und die meisten Pflegeeinrichtungen machen nicht einmal Profit. Wenn man in die Situation kommt, dass Pflege notwendig wird (zum Beispiel für einen Angehörigen), sollte man sich persönlich einen Eindruck verschaffen über die Qualität der Einrichtung und auch den Kontakt halten, um die Verhältnisse im Blick zu halten. Sie werden dann hoffentlich erleben, dass für das Geld auch Angemessenes geboten wird.

Annette Bubans
Annette Bubans,
Frankfurt/Main, Pflegeberaterin der Deutschen BKK, Expertin für Problemlösungen im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit

Frage von MELANIE:
Meine Eltern sind beide in einem Pflegeheim und ich merke, dass es Ihnen dort nicht gut geht. Deswegen würde ich sie gerne in meine Familie holen (Ehemann und 2 Kinder). Platz haben wir genug, ich befürchte nur, dass mein Familienleben unter der doppelten Belastung leiden könnte. Wie kann ich dem entgegensteuern? Ich bin mir nicht sicher, ob ich beidem gewachsen bin.

Antwort von Annette Bubans:
Pflegen Sie Ihre Eltern zu Hause, können Sie sich zum einen von einem Pflegedienst unterstützen lassen oder auch eine Tagespflege (nur tageweise Aufenthalt in einem Pflegeheim) in Betracht ziehen. Eine Pflegeberatung der zuständigen Pflegekasse auch bei Ihnen zu Hause kann eventuell mit Adressen, Informationen zu Hilfsmitteln und Wohnumbaumaßnahmen sowie Adressen weiterhelfen. Die Entscheidung, ob Sie der Belastung gewachsen sind, ist schwierig und sollte mit Ihrer Familie abgestimmt werden, da dies einen starken Einfluss auf Ihrer ganze Familie haben wird.

Peter Straßer
Peter Straßer,
Experte für Leistungen der privaten Pflegeversicherung bei der Münchener Verein Versicherungsgruppe

Frage von SUSANNE BL.:
Ich lese immer wieder von einer Pflegetagegeldversicherung und einer Pflegekostenversicherung. Was ist der Unterschied?

Antwort von Peter Straßer:
Eine Pflegetagegeldversicherung leistet im Pflegefall das vertraglich vereinbarte Tagegeld - zur freien Verfügung des Bedürftigen. Eine Pflegekostenversicherung dient der Abdeckung der Pflegekosten bei Beauftragung eines ambulanten Pflegedienstes und wird daher nur gegen Kostennachweis zur Verfügung gestellt. Empfehlenswert ist daher der Abschluss einer Pflegetagegeldversicherung, da diese vom Bedürftigen individuell verwendet werden kann. (Zum Beispiel zur Bezahlung einer privaten Pflegeperson, von Hilfsmitteln, des Einbaus eines behindertengerechten Bades)

Bernhard Reindl
Bernhard Reindl,
München, Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt, Bereichsleiter Wohnen im Alter und bei Behinderung im Verein Stadtteilarbeit e.V., Experte für das Wohnen im Alter

Frage von EMMA:
Was sind die Vor- und Nachteile von einem betreuten Wohnen?

Antwort von Bernhard Reindl:
Betreutes Wohnen bietet normalerweise barrierefreien Wohnraum sowie verschiedene Serviceleistungen, die von Anbieter zu Anbieter sehr unterschiedlich sein können. Serviceleistungen sind zum Beispiel: Notrufknopf in der Wohnung, Beratungs- und Behördenhilfe durch die Betreuungskraft, haushaltsnahe Dienstleistungen, wie Reinigung, Hausmeisterdienst, Essensversorgung sowie Freizeit und Kulturprogramm. Nachteil: Nicht alle Einrichtungen des betreuten Wohnens garantieren die Versorgung bei fortschreitender Pflegebedürftigkeit. Beim Anbieter genau nachfragen, am besten Probewohnen.

Annette Bubans
Annette Bubans,
Frankfurt/Main, Pflegeberaterin der Deutschen BKK, Expertin für Problemlösungen im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit

Frage von BIENE123:
Können meine Kinder, die im Ausland leben, auch herangezogen werden, um die Kosten zu übernehmen, sollte ich ein Pflegefall werden?

Antwort von Annette Bubans:
Grundsätzlich sind die Kinder im Bedarfsfall auch zur Zahlung von Unterhalt an die Eltern verpflichtet. Ob und wie viel im Einzelfall zu zahlen ist, können Sie durch eine Rechtsberatung klären lassen.

Bernhard Reindl
Bernhard Reindl,
München, Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt, Bereichsleiter Wohnen im Alter und bei Behinderung im Verein Stadtteilarbeit e.V., Experte für das Wohnen im Alter

Frage von SIBILLE0708:
Meine Eltern bewerben sich zur Zeit bei einer Caritas-Einrichtung für betreutes Wohnen. Wissen Sie, ob man eine finanzielle Unterstützung beim Amt beantragen kann, um die monatliche Miete oder anfallende Kosten zum Teil finanziert zu bekommen? Meine Eltern verfügen beide über einen Behindertenausweis und sind auf diese Einrichtung angewiesen.

Antwort von Bernhard Reindl:
Die Wohnform betreutes Wohnen wird nicht bezuschusst. Im Falle der Pflege gelten die üblichen Leistungen der Pflegeversicherung (ambulant oder stationär). Dazu kann im vorliegenden Fall die Caritas selber beraten.

Manfred Anton
Manfred Anton,
München, Geschäftsführer der Astra Ambulante Pflege GmbH, Experte auf dem Gebiet der ambulanten Pflege und stationärer Altenhilfeeinrichtungen

Frage von HIMMELBLAU:
Ist man bei der Wahl des ambulanten Pflegedienstes oder eines Heims völlig frei oder muss ich mich mit der Pflegekasse in Verbindung setzen?

Antwort von Manfred Anton:
Grundsätzlich sind Sie völlig frei in Ihrer Wahl. Der Dienst beziehungsweise das Heim sollte jedoch einen Vertrag mit der entsprechenden Kranken-/Pflegekasse sowie dem Sozialhilfeträger haben, damit Sie Ansprüche gegenüber diesen Stellen haben. Das ist aber bei den allermeisten Einrichtungen der Fall, außer bei rein für Privatzahler gedachten Residenzen.

Moderator:
Ihre Frage wurde noch nicht beantwortet? Dann bitten wir Sie um Geduld. Wir versuchen, so viele Fragen wie möglich zu beantworten.

Bernhard Reindl
Bernhard Reindl,
München, Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt, Bereichsleiter Wohnen im Alter und bei Behinderung im Verein Stadtteilarbeit e.V., Experte für das Wohnen im Alter

Frage von LUBA:
Der Mann meiner Freundin leidet an MS und sitzt im Rollstuhl. Die Familie wohnt im eigenen Haus und muss den Patienten über 10 Stufen tragen bis hin zum Auto. Ich bin der Meinung, das Haus muss dringend umgebaut werden, leider fehlt es aber an Geld. Wissen Sie, ob Fördergelder zu beantragen sind und wenn ja, wo?

Antwort von Bernhard Reindl:
Es wäre technisch zu prüfen, ob der Einbau eines Treppenliftes oder Hubliftes möglich ist. Ansonsten gibt es ein Hilfsmittel wie Treppensteighilfen (Scalamobil oder Treppenraupe), die allerdings immer eine Bedienperson benötigen. Bei der Krankenkasse anfragen, ob Kostenübernahme möglich ist. Bei Vorliegen einer Pflegestufe zahlt die Pflegekasse 2.557 Euro für den Einbau des Treppenlifts. Über die kommunale Wohnungsbauförderung wäre anzufragen, ob auch diese Stelle eine Förderung ermöglicht. Unterstützung leisten Wohnberatungsstellen, Adressen unter www.wohnungsanpassung-bag.de.

Bernhard Reindl
Bernhard Reindl,
München, Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt, Bereichsleiter Wohnen im Alter und bei Behinderung im Verein Stadtteilarbeit e.V., Experte für das Wohnen im Alter

Frage von 0713MAUS:
Ich möchte mein Geld anlegen und ein Haus mit zwei Wohnungen bauen, die barierefrei sind. Was muss ich alles beachten?

Antwort von Bernhard Reindl:
Maßgeblich hierfür ist die DIN Norm 18040 mit umfassenden Vorschriften zur Barrierefreiheit.

Annette Bubans
Annette Bubans,
Frankfurt/Main, Pflegeberaterin der Deutschen BKK, Expertin für Problemlösungen im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit

Frage von FRIEDRICH:
Gibt es für Demenzkranke eine Alternative zum Pflegeheim?

Antwort von Annette Bubans:
Eine Pflege zu Hause ist möglich, wenn entsprechende Pflegepersonen (zum Beispiel Angehörige) vorhanden sind. Unterstützung kann man dann durch ambulante Pflegedienste im Rahmen der Grundpflege oder auch der Betreuung bekommen. Desweiteren gibt es Angebote wie etwa Demenznachmittage oder auch die Tagespflege (Betreuung tagsüber in einer Pflegeeinrichtung, kann an einem oder mehren Wochentagen in Anspruch genommen werden).

Manfred Anton
Manfred Anton,
München, Geschäftsführer der Astra Ambulante Pflege GmbH, Experte auf dem Gebiet der ambulanten Pflege und stationärer Altenhilfeeinrichtungen

Frage von BAU500:
Was versteht man unter einer Kurzzeitpflege?

Antwort von Manfred Anton:
Unter Kurzzeitpflege versteht man einen vorübergehenden Aufenthalt in einer stationären Einrichtung zum Beispiel unmittelbar nach einem stationären Aufenthalt, wenn die häusliche Versorgung noch nicht möglich ist oder in sonstigen Krisensituationen (wenn etwa der pflegende Angehörige plötzlich verhindert ist). Der Anspruch ist auf vier Wochen pro Jahr beschränkt, die Kasse übernimmt bis zu 1.550 Euro/Jahr.

Peter Straßer
Peter Straßer,
Experte für Leistungen der privaten Pflegeversicherung bei der Münchener Verein Versicherungsgruppe

Frage von MARLON:
So, ich muss jetzt mal wissen, ob ich für meinen Vater eine Pflegeversicherung abschließen darf, ohne dass er es merkt? Er ist jetzt 68 und hat nur eine Mini-Rente. Selber kann er sich keine Versicherung leisten. Aber für mich wäre es doch einfacher, jetzt für seine Versicherung aufzukommen, als später für seine Pflege zu zahlen – oder?

Antwort von Peter Straßer:
Ihre Idee, für ihren Herrn Vater eine Pflegezusatzversicherung abzuschließen, ist durchaus sinnvoll und erstrebenswert, da die zu erwartenden Pflegekosten durch die Pflegepflichtversicherung bei weitem nicht abgedeckt sind. Da der Abschluss einer Pflegezusatzversicherung individuelle und personenbezogene Antragsfragen beinhaltet, ist der Abschluss leider nur durch die betreffende Person möglich. Die betreffende Person muss die getroffenen Antragsfragen nämlich unterschriftlich und somit verbindlich bestätigen. Sprechen Sie bitte mit Ihrem Herrn Vater, um die angedachte Pflegezusatzversicherung gemeinsam zu beantragen.

Manfred Anton
Manfred Anton,
München, Geschäftsführer der Astra Ambulante Pflege GmbH, Experte auf dem Gebiet der ambulanten Pflege und stationärer Altenhilfeeinrichtungen

Frage von GRETA:
Worauf muss ich achten, wenn ich einen Vertrag mit einem Pflegedienst mache? Ich habe schon mehrere verglichen und fühle mich teilweise sehr uninformiert.

Antwort von Manfred Anton:
Die Verträge zwischen Pflegediensten und Kunden dürften ungefähr identisch sein, unterliegen sie doch strengen gesetzlichen Vorgaben. Oft ist das Kleingedruckte auch schwer zu verstehen. Fragen Sie ruhig nach, wenn Ihnen einzelne Punkte unklar sind. Wichtig ist für Sie, dass Sie vor Beginn der Pflege einen Kostenvoranschlag erhalten, aus dem Sie konkret entnehmen können, was monatlich an Kosten auf Sie zu kommt. Handelt es sich nicht um unvorhersehbar akut notwendig gewordene Zusatzleistungen, kann der Pflegedienst Ihnen darüber hinaus gehende Beträge nicht berechnen, wenn Sie sich vorab nicht einverstanden erklärt haben. Sie haben - egal was im Pflegevertrag steht - immer auch das Recht, den Vertrag ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist zu beenden.

Annette Bubans
Annette Bubans,
Frankfurt/Main, Pflegeberaterin der Deutschen BKK, Expertin für Problemlösungen im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit

Frage von KARL:
Ich will später auf keinen Fall in ein Pflegeheim, weiß aber leider nicht, in wie weit ich mich auf mein Umfeld verlassen kann. Gibt es irgendeine Verfügung etc., die das regelt, wenn ich beispielsweise geistig "eingeschränkt" sein werde?

Antwort von Annette Bubans:
Sie haben die Möglichkeit, eine Vollmacht beziehungsweise Betreuungsverfügung einer Ihr vertrauten Person auszustellen, die dann in Ihrem Sinne entscheiden soll. Eine absolute Gewissheit gibt es jedoch nicht.

Peter Straßer
Peter Straßer,
Experte für Leistungen der privaten Pflegeversicherung bei der Münchener Verein Versicherungsgruppe

Frage von SILVIE:
Ich möchte mit meiner pflegebedürftigen Mutter ins Ausland ziehen. Was ich aber nicht weiß, ist, ob die private Pflegezusatzversicherung, die wir haben, dann auch noch zahlt.

Antwort von Peter Straßer:
Bitte nehmen Sie zur Abklärung dieser Frage mit Ihrer zuständigen Pflegeversicherung Kontakt auf, um abklären zu lassen, ob Ihre Pflegezusatzversicherung zum Beispiel weltweiten Versicherungsschutz hat oder ob der Geltungsbereich auf das EWR-Ausland (Europäischer Wirtschaftsraum) begrenzt ist.

Annette Bubans
Annette Bubans,
Frankfurt/Main, Pflegeberaterin der Deutschen BKK, Expertin für Problemlösungen im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit

Frage von SAUER:
Ich Pflege meine Frau mit Plegestufe 3 und würde gerne mit ihr zur Kur fahren, da das Pflegen sehr kräftezehrend ist. Ist das möglich?

Antwort von Annette Bubans:
Wurde für Sie eine Kurmaßnahme genehmigt, besteht die Möglichkeit, dass Sie Ihre Frau in die Kurklinik mitnehmen. Voraussetzung ist, dass die Kurklinik der Aufnahme zustimmt. Dabei können die pflegebedingten Kosten über die Kurzzeitpflege (max. 28 Tage, bis zu 1.550,- Euro) abgerechnet werden. Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sind dabei selbst von Ihnen zu zahlen.

Manfred Anton
Manfred Anton,
München, Geschäftsführer der Astra Ambulante Pflege GmbH, Experte auf dem Gebiet der ambulanten Pflege und stationärer Altenhilfeeinrichtungen

Frage von SUMA:
Wieviel Zeit würden Sie sich täglich für meinen bettlägrigen Vater nehmen, wenn ich sie damit beauftragen würde, ihn zu pflegen. Und mit welchen Kosten müsste ich rechnen?

Antwort von Manfred Anton:
Diese Frage ist pauschal sehr schwer zu beantworten, weil es auf den individuellen Gesundheitszustand Ihres Vaters ankäme. Hier ist es sinnvoll, einen Pflegedienst zu bitten, persönlich vor Ort zu schauen und unverbindlich ein Angebot zu machen. Was es Sie letztlich kostet, hängt auch davon ab, ob Ihr Vater in eine Pflegestufe eingestuft ist, denn je nach Pflegebedürftigkeit wird ein Teil der Kosten von der Pflegekasse übernommen. Ganz grob müssen Sie mit ungefähr 30 Euro für eine morgendliche Pflege rechnen - das kann aber nur ein ganz grober Anhaltspunkt sein.

Bernhard Reindl
Bernhard Reindl,
München, Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt, Bereichsleiter Wohnen im Alter und bei Behinderung im Verein Stadtteilarbeit e.V., Experte für das Wohnen im Alter

Frage von HAMBURGER PFLANZE:
Hallöchen - können Sie mir sagen, wann die Krankenkasse ein Pflegebett übernehmen muss, denn meiner Oma haben sie es jetzt schon 3 x abgelehnt obwohl sie pflegebedürftig ist, Pflegestufe 2 hat und nicht mehr alleine aufstehen oder laufen kann.

Antwort von Bernhard Reindl:
Bei Pflegestufe II und dem dafür nötigen Pflegeumfang ist ein Pflegebett mit Sicherheit eine angemessene Hilfsmittelausstattung. Sie sollten Widerspruch gegen den Bescheid einlegen, sofern er nicht älter als vier Wochen ist, ansonsten sollten Sie neu beantragen - mit einer Hilfsmittelverordnung ihres behandelnden Arztes.

Manfred Anton
Manfred Anton,
München, Geschäftsführer der Astra Ambulante Pflege GmbH, Experte auf dem Gebiet der ambulanten Pflege und stationärer Altenhilfeeinrichtungen

Frage von HEIDI:
Guten Tag Herr Anton, meine Mutter befindet sich im 90. Lebensjahr. Durch einen grippalen Infekt ist sie sehr geschwächt, sodass sie viel mehr Unterstützung benötig wie seither. Allein bin ich nicht mehr in der Lage, diese Situation zu bewältigen, meine beiden Geschwister wohnen viel zu weit weg. Ein Alten/Pflegeheim kommt für uns nicht in Frage. Welche Möglichkeiten gibt es in unserem Fall?

Antwort von Manfred Anton:
Hier kommt vermutlich ein ambulanter Pflegedienst infrage. Aus Ihrer Mail ergibt sich nicht, ob Ihre Mutter bereits eingestuft ist. Der grippale Infekt reicht dafür natürlich nicht aus, aber wenn Sie auch sonst pflegerische Unterstützung braucht, sollten Sie einen Antrag auf Einstufung stellen. Wird sie eingestuft, steht Ihnen - je nach Pflegestufe - ein bestimmtes Budget zur Verfügung, mit dem Sie einen Pflegedienst beauftragen können. Ambulante Pflegedienste können sehr flexibel auf den momentanen Bedarf reagieren und Ihnen die Unterstützung bieten, die Sie brauchen.

Annette Bubans
Annette Bubans,
Frankfurt/Main, Pflegeberaterin der Deutschen BKK, Expertin für Problemlösungen im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit

Frage von SISSI:
Wo kann ich eine kostenlose Pflegeberatung bestellen?

Antwort von Annette Bubans:
Eine kostenlose Pflegeberatung bietet jede Pflegekasse an. Wenden Sie sich einfach an die für Sie zuständige Pflegekasse.

Peter Straßer
Peter Straßer,
Experte für Leistungen der privaten Pflegeversicherung bei der Münchener Verein Versicherungsgruppe

Frage von MAIK1975:
Ich bin jetzt schon eine Weile arbeitslos und muss sparen. Kann ich meine Pflegeversicherung jetzt genauso stilllegen wie eine Lebensversicherung?

Antwort von Peter Straßer:
Die gesetzliche Pflegepflichtversicherung im Sinne des SGB XI sieht kein Ruhen bei Arbeitslosigkeit oder sonstigen finanziellen Engpässen vor.

Bernhard Reindl
Bernhard Reindl,
München, Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt, Bereichsleiter Wohnen im Alter und bei Behinderung im Verein Stadtteilarbeit e.V., Experte für das Wohnen im Alter

Frage von MARIA:
Ich lebe mit meinem alten Vater seit fünf Jahren in einer Mietwohnung und nun wurde uns gekündigt, da mein Vater fast nicht mehr die Treppen steigen kann und einen Treppenlift auf seine Kosten einbauen will. Darf der Vermieter das, er will den Treppenlift nämlich nicht?

Antwort von Bernhard Reindl:
Kündigen geht gar nicht, das ist kein Grund für eine Kündigung! Sie brauchen die Zustimmung Ihres Vermieters für den Einbau, dieser muss zustimmen, wenn Sie ein berechtigtes Interesse haben. Und das haben Sie nach Lage der Dinge, wenn Sie die Kosten übernehmen. Ihr Vermieter kann eine Sicherheitsleistung verlangen, dass der Lift später wieder demontiert wird (Rückbaukaution). Wichtige Fragen, die natürlich auch zu klären sind: Wie breit ist die Treppe, es muss ein Durchgang von mindestens 1 Meter nach Einbau des Lifts vorhanden sein, aus feuerpolizeilichen Gründen. Beziehen Sie eine örtliche Wohnberatungsstelle ein, die Sie unterstützt. Adressen finden Sie im Internet unter www.wohnungsanpassung-bag.de. Oder fragen Sie bei sich vor Ort nach: Seniorenberatungsstelle, Gemeinde ...

Peter Straßer
Peter Straßer,
Experte für Leistungen der privaten Pflegeversicherung bei der Münchener Verein Versicherungsgruppe

Frage von LANDVOGT:
Können Sie mir mal die Pflege-Bahr-Versicherung erklären? Was soll ich denn mit fünf Euro im Monat? Dafür kann man doch keinen pflegen!

Antwort von Peter Straßer:
Der staatlich geförderte Pflege-Bahr sieht einen monatlichen Beitragszuschuss von 5 € vor. Der Pflege-Bahr hat einen Kontrahierungszwang, das heißt, jeder Interessent muss - auch bei vorliegenden schweren Erkrankungen - vom Versicherer angenommen werden. Der gesetzliche Pflege-Bahr leistet zum Beispiel bei Pflegestufe III ein monatliches Pflegegeld von maximal 600 Euro. Abhängig ist der monatliche Versicherungsbeitrag vom Eintrittsalter des Interessenten.

Bernhard Reindl
Bernhard Reindl,
München, Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt, Bereichsleiter Wohnen im Alter und bei Behinderung im Verein Stadtteilarbeit e.V., Experte für das Wohnen im Alter

Frage von HEIDI:
Guten Tag, sehr geehrter Herr Reindl, meine Mutter ist im 90. Lebensjahr, sie ist in der Bewegung sehr eingeschränkt. Leider befindet sich ihre Wohnung im 2. Stock ohne Aufzug. In ihrem derzeitigen Zustand kann sie die Wohnung nicht verlassen. Ein grippaler Infekt hat sie an den Rand ihrer Kräfte gebracht, somit kann sie die Wohnung für evtl. Arztgänge nicht mehr verlassen, denn die Treppen schafft sie zur Zeit nicht. Wir benötigen professionellen Rat, wie kann es weiter gehen. Auf jeden Fall sollte sie in kein Alten/Pflegeheim. Was können Sie mir raten?

Antwort von Bernhard Reindl:
Ich vermute, Sie wohnen zur Miete. Es ist zu prüfen, ob ein Treppenlift eingebaut werden könnte, dazu brauchen Sie die Zustimmung des Vermieters. Eine vorübergehende schnellere Lösung wäre eine sogenannte Treppensteighilfe, sie erfordert immer eine Bedienperson, die Ihre Mutter über die Treppe transportiert. Produkte hierfür wären: Scala Mobil der Firma Alber oder eine Treppenraupe. Entweder über Internet googeln oder vor Ort bei Ihrem Sanitätshaus anfragen. Gegebenenfalls ist die Treppensteighilfe ein Hilfsmittel, das Ihre Krankenkasse als Leistung übernimmt. Ihr Arzt muss dieses Hilfsmittel verordnen, damit dann zur Krankenkasse und deren Genehmigung einfordern.

Annette Bubans
Annette Bubans,
Frankfurt/Main, Pflegeberaterin der Deutschen BKK, Expertin für Problemlösungen im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit

Frage von TIMM17:
Meine Oma wohnt bei uns Zuhause, sie hat Alzheimer, und ich habe das Gefühl, dass ihr oft langweilig ist - sie sitzt dann nur in ihrem Stuhl und macht nichts. Wie kann ich sie beschäftigen? Haben Sie Tipps für Spiele oder andere Dinge, die Demenzkranke gut machen können?

Antwort von Annette Bubans:
Im Rahmen der zusätzlichen Betreuungsleistungen gibt es für Demenzerkrankte verschiedenen Angebote. Zum einen gibt es die Möglichkeit, zum Beispiel Demenzgruppen aufzusuchen oder dass ausgebildete Personen von Pflegediensten nach Hause kommen und sich mit Ihrer Oma beschäftigen. Dort erhalten Sie auch ohne Weiteres Tipps und Informationen zum Umgang mit Demenz.

Manfred Anton
Manfred Anton,
München, Geschäftsführer der Astra Ambulante Pflege GmbH, Experte auf dem Gebiet der ambulanten Pflege und stationärer Altenhilfeeinrichtungen

Frage von SCHNAUWI:
Ich überlege mir seit einiger Zeit, ob ich mir eine Pflegefrau aus dem Ostblock kommen lasse, denn ich bin völlig isoliert von der Umwelt wegen der Pflege meiner Mutter. Wo wende ich mich da hin?

Antwort von Manfred Anton:
Es gibt ein sehr breites Angebot von 24-Stunden-Versorgung aus osteuropäischen Ländern. Hier gibt es aber auch sehr illegale Angebote. Sie können sich dadurch selbst in große Schwierigkeiten bringen. Mittlerweile gibt es aber auch Konstellationen, die sicher sind - das sind natürlich i.d.R. nicht die am unteren Ende der Preisspanne. Wenden Sie sich an einen ortsansässigen Wohlfahrtsverband. Die haben in der Regel Kontakte zu seriösen Unternehmen, mit denen sie z. T. sogar kooperieren. Dann können Sie eher davon ausgehen, dass es sich um ein seriöses Angebot handelt. Stellen Sie sich aber abgesehen davon einmal die Frage, ob eine stundenweise Unterstützung durch Betreuungskräfte vom Pflegedienst nicht auch eine Lösung wäre. So haben Sie mehr Freiräume für sich selbst. Ich gehe davon aus, dass Ihre Mutter eingestuft ist, dann können Sie auch die Verhinderungspflege (1550 € / Jahr) dafür nutzen. Für weitere Auskünfte dazu wird Ihnen sicher ein ortsansässiger Pflegedienst helfen.

Moderator:
Vielen Dank für Ihr Interesse und Ihre Fragen. Wir konnten leider aufgrund der regen Beteiligung nicht jede einzelne Frage beantworten, hoffen aber, dass die vielen beantworteten Fragen nicht nur den Fragestellern, sondern allen Teilnehmern helfen. Vielen Dank für Ihre Teilnahme - wir freuen uns auf das nächste Mal mit Ihnen!