20.03.2014:

Dentalphobie

Wenn die Angst vor dem Zahnarzt übermächtig wird


Geht es Ihnen auf dem Behandlungsstuhl beim Zahnarzt auch so:
Die Hände werden feucht?
Das Herz rast?
Man wünscht sich, dass alles schon vorbei wäre?


Dann leiden Sie wie etwa zwölf Millionen andere Bundesbürger unter einer Dentalphobie, der Angst vor dem Zahnarzt. Viele Betroffene schaffen es erst gar nicht bis zum Behandlungsstuhl: Bei Zahnschmerzen nehmen sie Schmerzmittel, zum Zahnarzt gehen sie erst dann, wenn die Schmerzen absolut unerträglich werden. Selbst Maßnahmen zur Prophylaxe werden von den Betroffenen nicht wahrgenommen. Diese Verweigerung kann langfristig schwerwiegende Folgen für die Zahngesundheit haben. Die Furcht vor dem Zahnarzt lässt sich aber überwinden.

Chat-Protokoll

Moderator:
Herzlich willkommen beim Chat zum Thema Dentalphobie, der großen Angst vor dem Zahnarzt. Wir freuen uns auf Ihre Fragen, wir sind bereit.

Dr. André Wannemüller
Dr. André Wannemüller,
wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitseinheit für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Ruhr-Uni Bochum, Psychotherapeut in eigener Praxis im Gesundheitszentrum Bochum sowie im Rahmen des Therapiezentrums für Zahnbehandlungsangst

Frage von MORITZ:
Meine Angst vor dem Zahnarzt ist so groß, dass ich spätestens dann zittere, wenn ich bei ihm den Mund aufmachen soll und er mit irgendwelchen Instrumenten da hineingeht. Deswegen gehe ich erst gar nicht hin. Wie kann mir geholfen werden?

Antwort von Dr. André Wannemüller:
Am besten durch eine psychotherapeutische Kurzbehandlung, in der Sie sowohl körperliche als auch gedankliche Strategien erlernen und diese im Hinblick auf ihre Wirkung auf körperliche und gedankliche Furchtsymptome schrittweise im Zusammenhang mit zahnbehandlungsrelevanten Reizen ausprobieren können. Man bereitet sich sozusagen auf den Gang zur Zahnbehandlung vor, indem man sich durch sogenannte Expositionsübungen mit der Zahnbehandlungssituation konfrontiert. Dies macht in der Regel Angst. Wenn man dann merkt, dass die neu erlernten Strategien wirklich das Angsterleben lindern oder sogar komplett verhindern, fühlt man sich ermutigt, diese Strategien auch in der Zahnbehandlungssituation auszuprobieren. Positive Erfahrungen und Bewältigungserlebnisse dort führen zu einem weiteren Angstabbau. So etwas klappt oft - bei Phobikern in 80 Prozent der Fälle - schon in fünf Therapiesitzungen.

Dr. med. dent. Michael Leu
Dr. med. dent. Michael Leu,
Gründer der ersten und bisher einzigen Zahnarztpraxis ausschließlich für ZahnarztPhobiePatienten, München, Vorsitzender und Gründer der Deutschen Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie e.V.

Frage von WILU:
Mein Bruder weigert sich, zum Zahnarzt zu gehen, jetzt habe ich von Hypnose gelesen. Haben Sie damit schon Erfahrungen gemacht?

Antwort von Dr. med. dent. Michael Leu:
Die Hypnose ist eine Möglichkeit für einen Patienten, der unter Zahnarztangst leidet. Dies betrifft Patienten, die regelmäßig einen Zahnarzt aufsuchen - wenn auch mit mulmigen Gefühl oder Zittern in den Knien. Hier kann die Hypnose die Angst lindern. Ein Patient mit Zahnarztphobie hat ganz andere Symptome. Er leidet an Panikattacken, Übelkeit, Schwitzen oder Erbrechen - und dies alles zur gleichen Zeit. Ein typischen Anzeichen ist ein Vermeidungsverhalten über viele Jahre hinweg. Trotz Schmerzen und sinkender Lebensqualität gehen die Betroffenen nicht zum Zahnarzt. Für diese Patienten ist die Behandlung in Vollnarkose die einzige Alternative.

Michaela Franz
Michaela Franz,
Expertin für Zahnzusatzversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth.

Frage von HORST:
Habe gehört, dass man sich gegen Dentalphobie mit einer Zahnzusatzversicherung nicht umfassend absichern kann. Welche Leistungen sollte eine gute private Zahnzusatzversicherung dann aber ansonsten generell unbedingt enthalten?

Antwort von Michaela Franz:
Wir empfehlen eine Zahnzusatzversicherung, die Zahnersatz-Maßnahmen (Kronen, Brücken und Prothesen sowie Implantate und implantatgetragenen Zahnersatz) und Zahnerhalt-Maßnahmen (Individualprophylaxe-Maßnahmen, Einlagefüllungen, Kunststoff-Füllungen, Knirscher-Schienen, Wurzelbehandlungen und Parodontosebehandlungen) beinhaltet. Gerne beraten wir Sie beispielsweise zu unserem Zahnzusatz-Tarif "Privatpatient beim Zahnarzt".

Dr. med. dent. Michael Leu
Dr. med. dent. Michael Leu,
Gründer der ersten und bisher einzigen Zahnarztpraxis ausschließlich für ZahnarztPhobiePatienten, München, Vorsitzender und Gründer der Deutschen Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie e.V.

Frage von KARIES:
Ich habe furchtbare Angst vor Spritzen. Jetzt habe ich gehört, dass manche Zahnärzte mit Hypnose behandeln. Funktioniert so etwas zuverlässig?

Antwort von Dr. med. dent. Michael Leu:
Die Hypnose ist bei einer normalen Zahnarzt-Angst eine unterstützende Möglichkeit, um die Angst zu reduzieren. Bei meinen Phobiepatienten ist eine Behandlung in Hypnose keine Alternative. Über die Zuverlässigkeit der Hypnose kann ich daher nichts sagen.

Dr. André Wannemüller
Dr. André Wannemüller,
wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitseinheit für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Ruhr-Uni Bochum, Psychotherapeut in eigener Praxis im Gesundheitszentrum Bochum sowie im Rahmen des Therapiezentrums für Zahnbehandlungsangst

Frage von BRIGITTE+SOPHIE:
Meine Tochter ist jetzt 13 Jahre alt und weigert sich energisch, zum Zahnarzt zu gehen. Dabei wäre eine kieferorthopädische Behandlung dringend nötig. Wie kann ich ihr die Angst nehmen?

Antwort von Dr. André Wannemüller:
Hilfreich könnte zunächst sein, von Ihrer Tochter zu erfahren, wovor sie sich konkret fürchtet. Im Falle der kieferorthopädischen Behandlung muss nämlich die Angst gar nicht immer unmittelbar mit der Behandlungssituation in Verbindung stehen, sondern die Verweigerungshaltung kann auch auf Befürchtungen im Zusammenhang mit dem Tragen einer Klammer zurückgehen. Wenn Sie den Angstinhalt kennen, können Sie die Befürchtungen konkret mit ihr besprechen und eventuell auch relativieren. Wichtig ist es, auch mit Ihrer Tochter zu besprechen, ob sie selbst den Eindruck hat, mehr Angst vor der Behandlung zu haben, als es nötig wäre. Wenn ja, kann man alle weiteren Schritte - etwa das Aufsuchen spezialisierter Zahnärzte - gemeinsam als mögliche Hilfestellung planen und man verhindert dadurch, "gegeneinander" zu arbeiten. Eine kurze psychotherapeutische Angstbehandlung hat sich auch bei Kindern und Jugendlichen als sehr wirksam erwiesen.

Dr. med. dent. Michael Leu
Dr. med. dent. Michael Leu,
Gründer der ersten und bisher einzigen Zahnarztpraxis ausschließlich für ZahnarztPhobiePatienten, München, Vorsitzender und Gründer der Deutschen Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie e.V.

Frage von SANNI:
Was ist der Unterschied zwischen einer Tiefschlaf-Narkose und Lachgas? In Tiefschlaf ging es mir super, aber wohnortnah bietet man mir nur Lachgas an und man hat von der Tiefschlafvariante, die ich immer hatte, noch nie etwas gehört. Ich war bei Ihnen sogar schon Patientin.

Antwort von Dr. med. dent. Michael Leu:
Den Begriff Tiefschlaf-Narkose gibt es nicht. Man unterscheidet Vollnarkose und andere Verfahren. Nur mit der Vollnarkose sind Schmerzen komplett ausgeschaltet und lange Eingriffe möglich. Bei anderen Verfahren kann man nur kurzzeitige einfache Eingriffe durchführen. In Vollnarkose sind komplizierte Eingriffe und Sanierungen in bis zu sieben Stunden möglich. Sie verschlafen die Behandlung komplett. Wenn Sie bei uns Patientin waren, können Sie uns gern telefonisch kontaktieren. Da unsere Patienten normalerweise nach der Behandlung normal zum Zahnarzt gehen können, würde mich Ihr Fall interessieren.

Michaela Franz
Michaela Franz,
Expertin für Zahnzusatzversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth.

Frage von WERNER:
Ich möchte meine Amalgamfüllung durch eine Keramikfüllung erneuern lassen. Seit September 2010 habe ich bei der Ergo Direkt eine Zahn-Erhalt-Premium Versicherung ZBE. Würde meine Versicherung diese Kosten übernehmen?

Antwort von Michaela Franz:
Ihr Tarif Zahn-Erhalt-Premium leistet für Kunststoff-Füllungen oder für laborgefertigte Einlagefüllungen (Inlays etwa aus Keramik). Wir empfehlen für eine individuelle Überprüfung des Leistungsanspruches eine Zusendung des Kostenvoranschlages Ihrer geplanten Behandlung.

Dr. med. dent. Michael Leu
Dr. med. dent. Michael Leu,
Gründer der ersten und bisher einzigen Zahnarztpraxis ausschließlich für ZahnarztPhobiePatienten, München, Vorsitzender und Gründer der Deutschen Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie e.V.

Frage von HAMSTER60:
Ich habe ein Zahnarztphobie! Seit über 20 Jahren war ich nicht mehr beim Zahnarzt! Mein Gebiss sieht extrem schlimm aus! Durch die Teilprothese (oben) von 1979 und deren Spangen sind die "Haltezähne" mittlerweile auch verschwunden! Brauche eigentlich eine (fast) Totalprothese oben. Unten ist auch genug zu tun! Bin Privatpatient. In welcher Größenordnung ist bei den Kosten zu rechnen? Wie viel davon bleiben bei mir hängen? Bräuchte Vollnarkose und würde möglichst gleich alles in einem Aufwasch machen lassen.

Antwort von Dr. med. dent. Michael Leu:
Patienten, die so lange nicht beim Zahnarzt waren, haben in der Regel auch bei guter Zahnpflege ein zerstörtes Gebiss und leiden unter der Scham und nachlassender Lebensqualität. Ursache ist unter anderem die bei allen Phobiepatienten anzutreffende Malokklusion. Eine Behandlung ist beispielsweise mit der sogenannten 3-Termine-Therapie möglich. Es wird in einer Vollnarkose das komplette Gebiss saniert. Konkret heißt das: 1. Termin: Beratung, Planung. 2.Termin: Sanierung in Vollnarkose. 3. Termin: Abschluss der Behandlung,Eingliederung des Zahnersatzes. Bei den Kosten können Sie steuern, da bei jedem Befund verschiedene Varianten von Zahnersatz planbar sind, von Klammerprothesen über Kronen und Brücken bis hin zu aufwändigen Implantatversorgungen. Fast alle Patienten entscheiden sich für eine Planung zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Auch wenn die Behandlung mit dem 3. Termin zunächst abgeschlossen ist, beginnt die Heilung des Kiefers erst danach. Die PKVs erstatten sehr unterschiedlich.

Dr. André Wannemüller
Dr. André Wannemüller,
wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitseinheit für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Ruhr-Uni Bochum, Psychotherapeut in eigener Praxis im Gesundheitszentrum Bochum sowie im Rahmen des Therapiezentrums für Zahnbehandlungsangst

Frage von GUHUK:
Beim Zahnarzt hat man doch nur vor dem Schmerz Angst, den man durch Anwendung von Lachgas nehmen könnte. Aber die wenigen Praxen, die mit Lachgas arbeiten, nehmen keine Patienten mehr an. Warum gibt es kaum Zahnärzte, die zusätzlich mit Kinesiologie und Bioresonanz arbeiten? Darüber ärgere ich mich. Das ist eine Marktlücke, der Bedarf ist groß. Gibt es eine Liste von Zahnärzten, die alternativ und/oder mit Lachgas arbeiten? Wer kann mir da weiterhelfen.

Antwort von Dr. André Wannemüller:
Natürlich spielt Angst vor Schmerzen in vielen Fällen eine Rolle. Aber es stimmt nicht, dass sie die einzige Ursache von Zahnbehandlungsphobie ist. Der subjektive Kontrollverlust und das Gefühl des Ausgeliefertseins sowie andere sensorische Eindrücke sind mindestens genauso häufig furchtauslösend wie der Schmerz. Über die von Ihnen angesprochenen alternativmedizinischen Verfahren habe ich leider wenig Kenntnisse. Eine Evidenzbasierung hinsichtlich Ihrer Wirkung auf Zahnbehandlungsangst liegt jedenfalls nach meiner Kenntnis nicht vor.

Dr. André Wannemüller
Dr. André Wannemüller,
wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitseinheit für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Ruhr-Uni Bochum, Psychotherapeut in eigener Praxis im Gesundheitszentrum Bochum sowie im Rahmen des Therapiezentrums für Zahnbehandlungsangst

Frage von BERTRAM:
Ich muss zum Zahnarzt und das ist für mich die Hölle. Jetzt hat mir eine Freundin geraten, kurz vor der Behandlung Valium einzunehmen. Was halten Sie davon?

Antwort von Dr. André Wannemüller:
Grundsätzlich bin ich froh darüber, dass es Mittel und Wege wie etwa Sedativa oder Vollnarkose gibt, die Menschen in einer Akut-Situation behandlungsfähig machen und das Angsterleben kurzfristig ausschalten. Man muss aber wissen, dass all diese Methoden keinen langfristigen Effekt auf die Zahnbehandlungsangst haben und auch unbedingt unter ärztlicher Kontrolle verabreicht werden müssen. Um die Angst langfristig loszuwerden, ist es besonders wichtig, eine Bewältigungserfahrung zu machen und den Eindruck zu gewinnen, man selbst habe es mal wieder geschafft, sich einer "normalen" Zahnbehandlung erfolgreich zu stellen. Daher sind unterstützende Strategien wie etwa die Valium-Einnahme dazu ungeeignet.

Dr. med. dent. Michael Leu
Dr. med. dent. Michael Leu,
Gründer der ersten und bisher einzigen Zahnarztpraxis ausschließlich für ZahnarztPhobiePatienten, München, Vorsitzender und Gründer der Deutschen Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie e.V.

Frage von ANDY07:
Mir wurden am 22. Februar in Berlin bei einem T2 alle Zähne im Oberkiefer entfernt. Am 10. März bekam ich meine Prothese. Leider habe ich beträchtliche Schmerzen im Oberkiefer. Wahrscheinlich Druckstellen. Was kann ich dagegen tun? Ist die Verwendung von Haftcreme hilfreich?

Antwort von Dr. med. dent. Michael Leu:
Am besten telefonieren Sie mit unseren Mitarbeitern im Patienten-Beratungs-Büro. So kann man Ihnen am besten weiterhelfen. Haftcreme polstert ein wenig auf und kann nicht schaden.

Dr. med. dent. Michael Leu
Dr. med. dent. Michael Leu,
Gründer der ersten und bisher einzigen Zahnarztpraxis ausschließlich für ZahnarztPhobiePatienten, München, Vorsitzender und Gründer der Deutschen Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie e.V.

Frage von PESCHULZ2:
Ich war seit Jahren nicht beim Zahnarzt, muss jetzt aber gehen. Wie verhält sich meine Krankenversicherung, hab halt keine Vorsorge-Behandlungen, und muss ich die Kosten jetzt selbst tragen?

Antwort von Dr. med. dent. Michael Leu:
Obwohl zwölf Prozent der erwachsenen Bevölkerung an Zahnarztphobie leiden, sind diese Patienten bei den Krankenkassen und auch in der Öffentlichkeit fast unbekannt. Bei den Krankenkassen werden die Patienten nicht in erster Linie als Zahnarztpatient betrachtet, sondern eher als psychisch kranke Patienten. Bei der Beschreibung der Ängste eines Phobiepatienten hören wir leider immer wieder Aussagen wie "Wie krank ist das denn?" Daher wird oft eine Psychotherapie empfohlen, die nach unseren Erfahrungen die meisten Patienten nicht wünschen, da sie dringende zahnmedizinische Versorgung benötigen. Welche Leistungen von Ihrer Krankenkasse übernommen werden, erfahren Sie besser von den zuständigen Sachbearbeitern.

Michaela Franz
Michaela Franz,
Expertin für Zahnzusatzversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth.

Frage von GRüN-WEISS:
Habe meine Zahnarztangst endlich überwunden und bin in die Praxis gegangen. Der Zahnarzt hat dann gleich einen Heil- und Kostenplan aufgestellt. Kann ich jetzt noch eine Zahnzusatzversicherung abschließen für diese Maßnahmen?

Antwort von Michaela Franz:
Wir empfehlen Ihnen unseren Tarif ZEZ (Zahn-Ersatz-Sofort). Er sieht Leistungen in gleicher Höhe wie den von der gesetzlichen Krankenversicherung gewährten Festzuschüssen für Kronen, Brücken, Prothesen sowie deren Reparaturen beziehungsweise für implantatgetragenen Zahnersatz vor. Voraussetzung ist, dass die medizinisch notwendige Zahnersatz-Maßnahme innerhalb des Zeitraums von maximal sechs Monaten vor dem Versicherungsbeginn begonnen wurde (Heil- und Kostenplan wurde ausgestellt) und nach dem Versicherungsbeginn eingegliedert wird.

Dr. André Wannemüller
Dr. André Wannemüller,
wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitseinheit für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Ruhr-Uni Bochum, Psychotherapeut in eigener Praxis im Gesundheitszentrum Bochum sowie im Rahmen des Therapiezentrums für Zahnbehandlungsangst

Frage von BRIGITTE:
Ich habe gehört, dass Lachgas bei einer Zahnarztphobie helfen soll. Ist das richtig?

Antwort von Dr. André Wannemüller:
Nein. Eine langfristige Wirkung von Lachgas auf Zahnbehandlungsangst ist nicht erwiesen. Der Vorteil im Einsatz von Lachgasbehandlungen besteht darin, dass Menschen in der Akutsituation behandlungsfähig gemacht werden können, die es ansonsten, etwa aufgrund einer heftigen Furchtreaktion, nicht wären. Dies hat die Lachgasbehandlung mit anderen primär sedierend wirkenden Strategien und der Vollnarkosebehandlung gemein. Wenn Menschen dann erfolgreich behandelt wurden, sind sie natürlich zunächst erleichtert. Es kommt dadurch aber nicht zu einem Zuwachs an subjektiver Kompetenzeinschätzung im Umgang mit der Zahnbehandlungssituation oder der eigenen Furcht in dieser Situation. Im Gegenteil: Eine häufige und verständliche Reaktion ist, dass Leute dann denken, nun einen Weg gefunden zu haben, der ihnen den Gang zum Zahnarzt erlaubt. Manchmal wünschen sie sich dann sogar bei kleinsten Eingriffen den Einsatz der jeweils als hilfreich erlebten Strategie.

Dr. André Wannemüller
Dr. André Wannemüller,
wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitseinheit für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Ruhr-Uni Bochum, Psychotherapeut in eigener Praxis im Gesundheitszentrum Bochum sowie im Rahmen des Therapiezentrums für Zahnbehandlungsangst

Frage von GERHARD63:
Ich versuche, regelmäßig zum Zahnarzt zu gehen. Im Wartezimmer ist noch alles ok, aber sobald ich im Behandlungsraum die Instrumente sehe, bekomme ich Panik, und der Zahnarzt kann mich kaum noch behandeln. Was soll ich tun? Meine Zähne sind mir wichtig, aber ich hab Angst vor den Schmerzen...

Antwort von Dr. André Wannemüller:
Ihre Angst ist absolut nachvollziehbar. Aber Schmerzen während und nach einer Zahnbehandlung sind die Ausnahme, nicht die Regel. Zu einer professionellen Zahnbehandlung gehört eine erfolgreiche Schmerzausschaltung durch eine wirksame Lokalanästhesie während und eine wirksame Schmerzmedikation nach einer Behandlung. Informieren Sie sich bei Ihrem Zahnarzt vor der Behandlung darüber, welche Möglichkeiten es gibt, Ihnen Schmerzen zu nehmen und wie Sie gemeinsam damit umgehen können, wenn Sie während der Behandlung doch unangenehme Empfindungen oder Schmerzen haben.

Dr. med. dent. Michael Leu
Dr. med. dent. Michael Leu,
Gründer der ersten und bisher einzigen Zahnarztpraxis ausschließlich für ZahnarztPhobiePatienten, München, Vorsitzender und Gründer der Deutschen Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie e.V.

Frage von UNDEFINED:
Mir kommt es oft so vor, als würde man als Kassenpatient mit durchschnittlichem Einkommen von einer optimalen Versorgung im Bereich Zahnarztphobie regelrecht ausgeschlossen und allein gelassen werden. Was sagen Sie dazu, dass wir anscheinend besonders in diesem Bereich eine ausgeprägte Zweiklassenmedizin haben?

Antwort von Dr. med. dent. Michael Leu:
Zahnmedizin orientiert sich an den Leistungen, die notwendig sind. Die angebotenen Leistungen müssen sich an der gewünschten Qualität orientieren. Die gewünschte Qualität kann nicht immer von jedem erbracht werden. Ein besser ausgebildeter oder spezialisierter Zahnarzt erfordert über Jahre hinweg einen erheblich höheren Ausbildungs- und Zeitaufwand. Dieses hohe Niveau schlägt sich zwangsläufig in der Honorarfindung nieder. In der Regel ist die Qualität höherer Leistung nicht mit der Kassenmedizin möglich.Dies ist aber kein alleiniges Problem deutscher Patienten - allerdings ist das Anspruchsdenken in unserem Land sehr ausgeprägt und Patienten glauben oft, man bekommt als Kassenpatient alles, obwohl man sich ausrechnen kann, dass dies nicht funktionieren kann. Ein gerade erlebtes Beispiel aus der Schweiz: Mein Taxifahrer erzählte mir, dass seine dreigliedrige Brücke beim Schweizer Zahnarzt 4.500 Franken kosten sollte. Er ließ sich in Deutschland behandeln - und zahlte 2.000 Euro.

Michaela Franz
Michaela Franz,
Expertin für Zahnzusatzversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth.

Frage von MERKER-MAIER:
Es gibt Krankenkassen, die bei einer anerkannten Dentalphobie die Kosten für eine Vollnarkose übernehmen. Wie ist das bei Ihnen?

Antwort von Michaela Franz:
Leider können wir als Zahnzusatzversicherung für Behandlungen unter Vollnarkose keinen Versicherungsschutz anbieten. Für Rückfragen zu der gesetzlichen Krankenkasse wenden Sie sich bitte an diese.

Dr. André Wannemüller
Dr. André Wannemüller,
wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitseinheit für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Ruhr-Uni Bochum, Psychotherapeut in eigener Praxis im Gesundheitszentrum Bochum sowie im Rahmen des Therapiezentrums für Zahnbehandlungsangst

Frage von 3 T. BEHANDLUNG:
Ich habe schon viel gelesen von der sogenannten Drei-Behandlungstermin-Therapie. Ich habe sehr große Probleme mit meinem Gebiss und das größte Problem ist die extreme Zahnarztangst. Aber diese Therapie kann ich mir leider nicht leisten. Muss ich mit meinem Leiden jetzt weiterleben oder was raten Sie mir?

Antwort von Dr. André Wannemüller:
Nicht jede Kurztherapie ist für den Patienten kostenpflichtig. Im Therapiezentrum für Zahnbehandlungsangst der Zahnklinik Bochum etwa bieten wir ein psychotherapeutisches Fünf-Sitzungs-Programm gegen Zahnbehandlungsangst an, dass sich in verschiedenen Wirksamkeitsstudien als hochwirksam erwiesen hat. Ungefähr acht von zehn Patienten, die zuvor den Gang zur Zahnbehandlung komplett vermieden haben, gehen anschließend und auch langfristig zur Zahnbehandlung. Durch eine Forschungskooperation mit der Arbeitseinheit für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Ruhr-Universität können wir die Behandlung als Kassenleistung anbieten. Sie selbst zahlen nichts dazu.

Dr. med. dent. Michael Leu
Dr. med. dent. Michael Leu,
Gründer der ersten und bisher einzigen Zahnarztpraxis ausschließlich für ZahnarztPhobiePatienten, München, Vorsitzender und Gründer der Deutschen Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie e.V.

Frage von RAS:
Mir wurde 1985 als "politischer Häftling" während meiner Inhaftierung ein Zahn unter Eiter und ohne Narkose gezogen. Das war Vergeltung für die Mobilmachung des zuständigen OvD und des Zahnarztes aus der näheren Umgebung. Ich leide seit dieser Zeit an einer extremen Phobie. Habe kurz nach Haftentlassung versucht, eine Zahnarztpraxis zu besuchen. Ich schaffe es aber nicht. Bin auf dem Weg zur Praxis auch schon einmal vom hinteren Sitz des Mopeds gefallen. Wie schaffe ich diesen Weg?

Antwort von Dr. med. dent. Michael Leu:
Auf der Internetseite www.zahnarztangst.de beispielsweise finden Sie viele Informationen über Zahnarztphobie, Berichte von Patienten mit dem gleichen Problem und Aufklärung über Behandlungsmöglichkeiten. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass unseren Phobiepatienten insbesondere die Möglichkeit der telefonischen Beratung hilft. Das Wissen, dass unsere Patienten nichts befürchten müssen, ermöglicht vielen Patienten die Kontaktaufnahme zu uns und den Gang zum Zahnarzt seit vielen Jahren.

Dr. med. dent. Michael Leu
Dr. med. dent. Michael Leu,
Gründer der ersten und bisher einzigen Zahnarztpraxis ausschließlich für ZahnarztPhobiePatienten, München, Vorsitzender und Gründer der Deutschen Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie e.V.

Frage von ROLAND M.:
Ich habe auch immer ein ungutes Gefühl beim Zahnarzt, vor allem, wenn ich nicht weiß, was auf mich zukommt und er mir nicht sagt, was er tut. Ich schwitze, bin nervös uns kann kaum still sitzen bleiben. Er merkt das doch bestimmt, oder? Er geht aber einfach darüber weg, statt mich zu beruhigen. Vielleicht sollte ich den Zahnarzt wechseln, es gibt doch bestimmt auch in meiner Nähe einen Zahnarzt, der auch speziell Angstpatienten behandelt, oder? Ich wohne im Raum Ulm...

Antwort von Dr. med. dent. Michael Leu:
Sie beschreiben mit Ihrer Frage ein grundsätzliches Problem. Zahnärzte genießen keinerlei Ausbildung in Psychosomatik. Nicht einmal ein Grundkurs wird durchgeführt - wie es vom Dachverband Psychosomatik gefordert wird. Psychosomatische Kenntnisse bedeuten, dass der Zahnarzt die von Ihnen beschriebenen Probleme professionell handhabt und bei seinen Patienten die Patienten mit Zahnarztangst von denen mit extremer Zahnarztphobie unterscheiden kann. Dies scheint bei Ihnen offensichtlich nicht zu geschehen. Sie werden eher nach dem Motto behandelt "Friss Vogel oder stirb". Ein Wechsel des Zahnarztes ist sicher angeraten. Leider gibt es die von Ihnen gewünschten Listen nicht.

Michaela Franz
Michaela Franz,
Expertin für Zahnzusatzversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth.

Frage von MARBURGER:
Mit einer Zahnzusatzversicherung will ich mir immer die bestmögliche Behandlung sichern, dann muss ich auch keine Angst vor dem Zahnarzt haben. Muss ich bei einer Zahnzusatzversicherung bei Ihnen mit Altersbeschränkungen, Wartezeiten oder Gesundheitsfragen rechnen, wie etwa bei einer Lebensversicherung?

Antwort von Michaela Franz:
Bei unseren Tarifen der Zahnzusatzversicherung bestehen in den ersten vier Versicherungsjahren Jahreshöchstsätze. Es gibt keine Wartezeiten. Die Leistungen sind, je Tarif, in den ersten vier Versicherungsjahren pro Versicherungsjahr mit je 250 Euro begrenzt. Nach Ablauf der ersten vier Versicherungsjahre bestehen keine summenmäßigen Begrenzungen mehr. Wir verzichten auf Gesundheitsfragen und haben keine Altersbeschränkungen.

Dr. André Wannemüller
Dr. André Wannemüller,
wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitseinheit für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Ruhr-Uni Bochum, Psychotherapeut in eigener Praxis im Gesundheitszentrum Bochum sowie im Rahmen des Therapiezentrums für Zahnbehandlungsangst

Frage von KREUZBERGER:
Ich wohne in Berlin-Keuzberg und bin auf der Suche nach einem Zahnarzt, der Phobiker behandelt. Können Sie mir helfen?

Antwort von Dr. André Wannemüller:
Leider kann ich Ihnen keine konkrete Adresse nennen. Aber eins ist sicher: Nicht jeder vermeintliche "Experte" bietet auch wirklich wirksame und hilfreiche Behandlungsmethoden an. Das gilt leider sowohl für den zahnmedizinischen als auch für den psychotherapeutischen Bereich, dem ich angehöre. Ein Zahnarzt muss jedoch bis heute keinerlei besondere Qualifikation nachweisen, um sich "Spezialist für Zahnbehandlungsangst" nennen zu dürfen. Mein Tipp: Achten Sie darauf, ob Ihnen als Patient, vielleicht schon auf der Internetpräsenz einer Zahnarztpraxis, ein spezielles Angebot gemacht und Ihnen Therapiekonzepte vorgestellt werden, die speziell auf Angstpatienten abgestimmt sind. Wenn Sie dann neugierig geworden sind, machen Sie einen Besprechungstermin aus und lassen sich beraten. Achten Sie bitte darauf, ob Sie diese Erfahrung dann als für Sie "passend" empfinden. Wenn ja, bestehen gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Behandlung.

Michaela Franz
Michaela Franz,
Expertin für Zahnzusatzversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth.

Frage von BäRBEL:
Würde eine Zahnzusatzversicherung aus Ihrem Hause eine Vollnarkose oder eine Hypnose erstatten?

Antwort von Michaela Franz:
Leider können wir als Zahnzusatzversicherung für Behandlungen unter Hypnose oder Vollnarkose keinen Versicherungsschutz anbieten. Für Rückfragen zu der gesetzlichen Krankenkasse wenden Sie sich bitte an diese.

Dr. med. dent. Michael Leu
Dr. med. dent. Michael Leu,
Gründer der ersten und bisher einzigen Zahnarztpraxis ausschließlich für ZahnarztPhobiePatienten, München, Vorsitzender und Gründer der Deutschen Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie e.V.

Frage von ANGSTBEULE:
Mein Zahnarzt empfahl mir eine Zahnwurzelresektion. Da ich unter einer Zahnarztphobie leide, interessiert es mich, ob das überhaupt nötig ist. Jeder Gang zum Zahnarzt ist für mich die Hölle.

Antwort von Dr. med. dent. Michael Leu:
Wurzelbehandlungen sind ein typisches Merkmal von Zahnarztphobikern. Dahinter steckt ein Problem, womit sich viele Zahnärzte leider nicht befassen, denn deren Augenmerk liegt in der Regel nicht auf der Problematik Fehlbiss. Zahnarztphobie-Patienten haben meist ein erhebliches Fehlbiss-Problem. Daher ist es entscheidend, dass bei der Befundaufnahme mehr aufgenommen wird als "zerstörter Zahn", "kariöser Zahn" oder "Zahn fehlt". Basis bei der Befundung eines Zahnarztphobiepatienten sollten deshalb unter anderem Unterkieferzahnbogen, Oberkieferzahnbogen, Relation der Zahnbögen untereinander und gelenkbezügliche Ausrichtung der Zahnbögen sein. Die Missachtung dieser Befunde kann häufige Wurzelbehandlungen notwendig machen. Man kann also davon ausgehen, dass hinter Ihrer Zahnwurzelresektion wesentlich mehr an Problemen steckt.

Dr. med. dent. Michael Leu
Dr. med. dent. Michael Leu,
Gründer der ersten und bisher einzigen Zahnarztpraxis ausschließlich für ZahnarztPhobiePatienten, München, Vorsitzender und Gründer der Deutschen Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie e.V.

Frage von MARTINMARTIN:
Der Zustand meiner Zähne verschlechtert sich immer mehr. Immer wieder mache ich einen Termin beim Zahnarzt, sage ihn aber meistens wieder ab, weil ich mich nicht traue, hinzugehen, weil wahrscheinlich schon recht viel gemacht werden muss. Kann ich nicht eine Behandlung unter Vollnarkose machen lassen? Werden die Kosten dafür von der Krankenkasse übernommen?

Antwort von Dr. med. dent. Michael Leu:
Mit unserer 3-Termine-Therapie beispielsweise können Sie tatsächlich in Vollnarkose behandelt werden. Dabei wird in einer bis zu siebenstündigen Vollnarkose das Gebiss komplett grundsaniert. Selbst Zahnsteinentfernung, Zähne beschleifen, Füllungen oder Abdrücke für den Zahnersatz werden in Narkose gemacht. Beim dritten Termin wird Zahnersatz eingegliedert. Danach können Sie zur Dentalhygiene zum Zahnarzt in Ihrer Nähe gehen. Außerdem werden Sie ständig telefonisch von unseren kompetenten Mitarbeitern betreut, die bei allen Fragen für Sie zur Verfügung stehen. Die Richtlinien der gesetzlichen Krankenkassen erfordern eine Sanierung in vielen einzelnen Terminen. Bei einer Sanierung in Vollnarkose zahlt die gesetzliche Krankenkasse leider nichts. Sie haben aber die Möglichkeit, die Kosten zu steuern, da bei jedem Befund ganz verschiedene Varianten von Zahnersatz planbar sind. Von einfachen Klammerprothesen über Kronen und Brücken bis hin zu umfangreichen Implantatversorgungen.

Michaela Franz
Michaela Franz,
Expertin für Zahnzusatzversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth.

Frage von NORDLICHT:
Ich habe eine leichte Zahnarztphobie, weiß aber, dass ich mit einer guten Pflege und moderner Zahnmedizin gar keine Panik vor dem Zahnarzt haben muss. Ich weiß aber auch, dass moderne Zahnmedizin oft teuer ist. Was raten Sie mir bzw. welche Art von Zusatzversicherung empfehlen Sie mir?

Antwort von Michaela Franz:
Wir empfehlen Ihnen beispielsweise den Zahnzusatz-Tarif "Privatpatient beim Zahnarzt". Hier ist man für Zahnersatz-Maßnahmen (etwa Kronen, Brücken, Prothesen sowie Implantate und implantatgetragener Zahnersatz) und zahnerhaltende Maßnahmen wie Individualprophylaxe-Maßnahmen, Kunststoff-Füllungen, Einlage-Füllungen, Knirscher-Schienen, Wurzelbehandlungen und Parodontosebehandlungen versichert. So kann man mit regelmäßiger Vorsorge wie etwa der Individualprophylaxe die Zahngesundheit erhalten.

Dr. André Wannemüller
Dr. André Wannemüller,
wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitseinheit für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Ruhr-Uni Bochum, Psychotherapeut in eigener Praxis im Gesundheitszentrum Bochum sowie im Rahmen des Therapiezentrums für Zahnbehandlungsangst

Frage von MELINA:
Mein Zahnarzt ist sehr nett und rücksichtsvoll. Ich habe noch nie Schmerzen bei ihm gehabt. Trotzdem bekomme ich Panik vor jedem Zahnarztbesuch, weil ich als Jugendlicher Qualen erleiden musste und ich nicht weiß, was da wieder auf mich zukommt und es vielleicht doch wehtut. Wie bekomme ich meine Angst in den Griff, es ist doch eigentlich nur eine "Kopfsache" oder?

Antwort von Dr. André Wannemüller:
Sie haben den Vorteil, bereits wieder positive Erfahrungen mit Ihrem neuen Zahnarzt gesammelt zu haben. Es könnte deshalb hilfreich sein, sich nochmal genau die Punkte aufzuschreiben, die sie als positiv empfinden und die zeigen, dass Ihren Erwartungen und Bedürfnissen an eine professionelle Zahnbehandlung jetzt - anders als früher - entsprochen wird. Sie könnten etwa schreiben: "Ich habe mich für diese Praxis entschieden, weil..." Diese Liste könnte dann einen zentralen Platz in Ihrer Wohnung finden, so dass Sie automatisch einige Male am Tag auf die Liste schauen und sich mit diesen hilfreichen, bewältigungsorientierten Gedanken konfrontieren. Dadurch erhöhen Sie bei Ihrem nächsten Zahnarztbesuch deutlich die Chance, dass Sie diese neuen, hilfreichen Gedanken anstelle der alten, Angst machenden auch im Wartezimmer und bei der Behandlung im Kopf haben.

Moderator:
Liebe Leser, dieser Chat zum Thema Dentalphobie ist moderiert. Alle Fragen werden zunächst an einen Moderator geschickt, der je nach Teilnehmerzahl alle oder die interessantesten Fragen zur Beantwortung frei stellt. Bitte haben Sie Verständnis, dass bei großem Andrang zunächst Fragen beantwortet werden, die für die Mehrzahl der Teilnehmer relevant sind.

Dr. med. dent. Michael Leu
Dr. med. dent. Michael Leu,
Gründer der ersten und bisher einzigen Zahnarztpraxis ausschließlich für ZahnarztPhobiePatienten, München, Vorsitzender und Gründer der Deutschen Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie e.V.

Frage von MILKE:
Beim Eis essen habe ich Schmerzen an den Vorderzähnen? Warum ist das so? Der Gedanke, dass ich zum Zahnarzt muss, lässt mich erstarren...

Antwort von Dr. med. dent. Michael Leu:
Die Schmerzen können verschiedene Gründe haben. Zum einen überempfindliche Zähne wegen langer Zahnhälse, oder aber Frakturen in der Zahnsubstanz, oder tiefe, möglicherweise versteckte Karies und schließlich kann der Zahn auch überlastet sein. Der Hintergrund Ihres Erstarrens beim Gedanken an den Zahnarzt ist wahrscheinlich eine Zahnarztphobie. Diese ist wiederum immer verbunden mit einem Fehlbiss (Malokklusion). Der Fehlbiss hat wiederum lange Zahnhälse, Frakturen in der Zahnsubstanz oder abradierte Zähne zur Folge. Ihre Angst und der Zustand ihrer Zähne hängen also ganz eng zusammen.

Michaela Franz
Michaela Franz,
Expertin für Zahnzusatzversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth.

Frage von MARTIN S.:
Ich habe Höllenangst vor dem Zahnarzt. Wenn ich regelmäßig die professionelle Zahnreinigung machen lasse, hoffe ich aber, dass ich gar nicht oft zum Zahnarzt muss. Meine Frage also: übernehmen private Zahnzusatzversicherungen auch die Kosten für die regelmäßige professionelle Zahnreinigung?

Antwort von Michaela Franz:
Wir bieten unseren Kunden eine Zahnzusatz-Versicherung für zahnerhaltende Maßnahmen wie die Individualprophylaxe-Maßnahmen, Einlagefüllungen, Kunststoff-Füllungen, Knirscher-Schienen, Wurzelbehandlungen und Parodontosebehandlungen an. So kann man mit regelmäßiger Vorsorge die Zahngesundheit erhalten.

Dr. André Wannemüller
Dr. André Wannemüller,
wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitseinheit für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Ruhr-Uni Bochum, Psychotherapeut in eigener Praxis im Gesundheitszentrum Bochum sowie im Rahmen des Therapiezentrums für Zahnbehandlungsangst

Frage von STEFFI76:
Ich habe auch große Angst vor dem Zahnarzt, reiße mich aber immer zusammen und lasse es über mich ergehen. Ich bin während der Behandlung und auch schon in den Tagen vorher so angespannt, dass ich es kaum aushalte. Wahrscheinlich wäre es besser, ich würde mit meinem Zahnarzt offen darüber sprechen, oder was meinen Sie?

Antwort von Dr. André Wannemüller:
Ich denke, ein offenes Gespräch mit Ihrem Zahnarzt über Ihre Sorgen und Befürchtungen wäre in jedem Fall hilfreich. Das fällt vielen Patienten aber etwa aufgrund von Scham- und Peinlichkeitsgedanken, manchmal auch aufgrund der Angst vor negativen Reaktionen durch den Zahnarzt schwer. Sie machen durch das offene Gespräch aber für sich und für Ihren Zahnarzt die Situation einfacher. Denn ihr Zahnarzt kann, wenn er über Ihre Situation Bescheid weiß, durch eine verständnisvolle Reaktion während der Behandlung sehr zum Rückgang Ihrer Furcht beitragen und individuell auf Sie eingehen. Außerdem ist dies auch ein guter Beziehungstest: Sollten Sie von seiner Reaktion auf ein solches Gespräch enttäuscht sein, sind Sie wahrscheinlich nicht bei einem für Sie passenden Zahnarzt.

Dr. med. dent. Michael Leu
Dr. med. dent. Michael Leu,
Gründer der ersten und bisher einzigen Zahnarztpraxis ausschließlich für ZahnarztPhobiePatienten, München, Vorsitzender und Gründer der Deutschen Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie e.V.

Frage von CHRISTY:
Können Sie mir einen oder mehrere Endodontologen im Raum Neumünster und Umgebung (Großraum Hamburg) nennen, die rücksichtsvoll arbeiten? Bin sehr empfindlich...

Antwort von Dr. med. dent. Michael Leu:
Leider gibt es dazu keine Listen.

Dr. André Wannemüller
Dr. André Wannemüller,
wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitseinheit für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Ruhr-Uni Bochum, Psychotherapeut in eigener Praxis im Gesundheitszentrum Bochum sowie im Rahmen des Therapiezentrums für Zahnbehandlungsangst

Frage von CLAUDIA ANNA:
Mein Sohn im Alter von 7 Jahren bekommt schlimme Panikattacken, wenn er nur schon hört, dass er zum Zahnarzt muss. Er schreit und schlägt um sich, wie kann ich ihm nur helfen, die Angst zu überwinden. Ich will, dass er später schöne Zähne hat.

Antwort von Dr. André Wannemüller:
Wenn es Ihnen gelingt, die konkreten Befürchtungen Ihres Sohnes zu erfahren, können Sie versuchen, diese gemeinsam mit ihm zu entkräften. Wie stellt er sich beispielsweise eine Zahnbehandlung vor? Was könnte ihm passieren? Was hat er zuvor Schlimmes erlebt? Wenn es ihm etwa um die Angst vor Schmerzen in der Zahnbehandlung geht, dann könnten Sie die zunächst normalisieren, denn die meisten Menschen (bestimmt auch Sie selbst) haben Angst vor Schmerzen. Wenn Sie selbst nicht phobisch sind, könnten Sie verabreden, dass er Sie zu einer Ihrer Zahnbehandlungen begleitet und ihm dabei von ihren eigenen, positiven Erfahrungen berichten. Wichtig ist, dass Sie ihm jederzeit die Möglichkeit geben, seine Eindrücke mit Ihnen zu besprechen und ihn zu nichts überreden wollen, was Sie zuvor nicht vereinbart haben. Ein auf die Behandlung von Kindern spezialisierter Zahnarzt oder eine Behandlung durch einen auf Kinder und Jugendliche spezialisierten Psychotherapeuten bleiben als Auswege.

Michaela Franz
Michaela Franz,
Expertin für Zahnzusatzversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth.

Frage von MELANCHOLIA:
Ich habe gehört, dass sich eine Zahnzusatzversicherung nur dann lohnt, wenn man die letzten 20 Jahre ein lückenloses Bonusheft nachweisen kann, sonst gäbe es kein Geld. Stimmt das?

Antwort von Michaela Franz:
Für unsere Tarife der Zahnzusatzversicherung ist das Bonusheft nicht relevant. Der Festzuschuss der gesetzlichen Krankenkasse erhöht sich jedoch, sofern in den letzten Jahren regelmäßig Zahnvorsorge betrieben und das Bonusheft lückenlos geführt wurde. Gerne beraten wir Sie individuell zu unseren Zahnzusatz-Tarifen.

Dr. med. dent. Michael Leu
Dr. med. dent. Michael Leu,
Gründer der ersten und bisher einzigen Zahnarztpraxis ausschließlich für ZahnarztPhobiePatienten, München, Vorsitzender und Gründer der Deutschen Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie e.V.

Frage von TOPLITZ:
Ist es nicht so, dass sich nur Besserverdiener eine Behandlung unter Vollnarkose bei Ihnen leisten können? Leider habe ich riesengroße Angst vor Zahnärzten, schon vieles durchgemacht, aber auch nicht 10.000 Euro auf der "hohen Kante", um mir Ihre Behandlung leisten zu können. Was raten sie denn solchen Patienten? Die Meinung, die ich von einigen Ihrer Patienten gelesen habe, dass es das wert sei, hilft mir da auch nicht weiter.

Antwort von Dr. med. dent. Michael Leu:
Die überwiegende Mehrheit unserer Patienten sind ganz normale Patienten wie Sie. Das Problem der beeinträchtigten Lebensqualität ist aber so hoch, dass die Patienten einen Weg finden, um wenigstens die gröbsten Probleme beseitigen zu können.

Dr. André Wannemüller
Dr. André Wannemüller,
wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitseinheit für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Ruhr-Uni Bochum, Psychotherapeut in eigener Praxis im Gesundheitszentrum Bochum sowie im Rahmen des Therapiezentrums für Zahnbehandlungsangst

Frage von MERLIN:
Ich weiß, dass ich in Sachen Zähne etwas machen muss, kann mich aber nicht dazu überwinden. Mittlerweile ist es schon ziemlich peinlich, dass ich nicht mehr so lachen kann wie früher. Die sozialen Kontakte werden auch immer weniger. Wie kann ich meine große Angst überwinden?

Antwort von Dr. André Wannemüller:
Eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Veränderung bringen Sie ja bereits mit, nämlich die Änderungsbereitschaft. Was Sie nun tun könnten ist, sich nach geeigneten Praxen zum Beispiel im Internet umzusehen und dort vielleicht, wenn Ihr Bauchgefühl passt, einen Besprechungstermin zu vereinbaren, bei dem zunächst klar ist, dass keine Behandlung stattfindet. Spezialisierte Praxen bieten so etwas zumeist an. Der erste Gang gemeinsam mit einem positiven Eindruck und einem schrittweisen Angebot reichen oft schon aus, um mit einer Behandlung beginnen zu können. Wenn das nicht klappt, wenden Sie sich bitte an einen kognitiv-verhaltenstherapeutischen Psychotherapeuten, der Ihnen sehr gut helfen kann, um Ihr Vermeidungsverhalten zu überwinden.

Dr. med. dent. Michael Leu
Dr. med. dent. Michael Leu,
Gründer der ersten und bisher einzigen Zahnarztpraxis ausschließlich für ZahnarztPhobiePatienten, München, Vorsitzender und Gründer der Deutschen Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie e.V.

Frage von PAUL SIL:
Ich habe wirklich eine große Angst vor dem Zahnarzt und nun wackelt einer meiner vorderen Schneidezähne. Meine Frau ist der Meinung, weil er nicht mehr hält, brauche ich ein Implantat. Der Gedanke alleine bringt mich in Angstzustände, wie kann ich diese vielen Sitzungen überstehen?

Antwort von Dr. med. dent. Michael Leu:
Wenn Sie Panikattacken bekommen, dann benötigen Sie eine Behandlung bei einem psychosomatisch geschulten Zahnarzt. Darüber, wo man diese findet, gibt es leider keine Listen. Fachlichen Rat in solchen Situationen finden Sie beispielsweise auf der Seite www.zahnarztangst.de.

Dr. med. dent. Michael Leu
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Gründer der ersten und bisher einzigen Zahnarztpraxis ausschließlich für ZahnarztPhobiePatienten, München, Vorsitzender und Gründer der Deutschen Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie e.V.

Frage von WERNER:
Meine Frau behauptet, ich würde nachts knirschen und drängt mich, zum Zahnarzt zu gehen. Das kommt für mich nicht in Frage, nur wegen so einer Lappalie, denn ich leide stark unter einer Zahnarztangst. Es soll fertige Knirscher-Schienen im Internet geben, ist das richtig und wenn ja, helfen die?

Antwort von Dr. med. dent. Michael Leu:
Wenn jemand mit den Zähnen knirscht, werden enorme Kräfte auf das Gebiss übertragen. Dies führt langfristig zu einem ruinierten Gebiss. Selbst Patienten mit hervorragender Zahnpflege haben nach jahrelangem Knirschen zerstörte Zähne. Jede Art von zahnärztlicher Therapie sollte von einem Zahnarzt vorgenommen werden, weil er besser in der Lage ist, Schäden zu vermeiden, als es bei jeder Selbsttherapie möglich ist. Gerade im Hinblick auf CMD (Cranio Mandibular Disease) ist eine hohe zahnärztliche Fachkompetenz erforderlich.

Michaela Franz
Michaela Franz,
Expertin für Zahnzusatzversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth.

Frage von BETTINA12:
Ich muss mir demnächst die Weisheitszähne rausmachen lassen und mir ist jetzt schon schlecht vor lauter Angst und Panik, weil ich von meinen Eltern und Bekannten nur unschöne Dinge über die OP gehört habe. Mir wurde aber auch gesagt, dass man sich die Zähne unter Vollnarkose entfernen lassen kann. Jetzt frage ich mich, ob man die Kosten selbst tragen muss oder ob die Krankenkasse das eventuell übernimmt.

Antwort von Michaela Franz:
Leider können wir als Zahnzusatzversicherung für Behandlungen unter Vollnarkose keinen Tarif anbieten. Für Rückfragen zu der gesetzlichen Krankenkasse wenden Sie sich bitte an diese.

Dr. André Wannemüller
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wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitseinheit für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Ruhr-Uni Bochum, Psychotherapeut in eigener Praxis im Gesundheitszentrum Bochum sowie im Rahmen des Therapiezentrums für Zahnbehandlungsangst

Frage von ROLAND :
Ist es richtig, dass jede Uni-Zahnklinik Phobiker unter einer Vollnarkose behandelt?

Antwort von Dr. André Wannemüller:
Zu Ihrer Frage kann ich Ihnen leider keine kompetente Antwort geben. Das weiß ich nicht.

Dr. med. dent. Michael Leu
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Frage von LEONI:
Unsere Enkelin lässt sich nicht mehr vom Zahnarzt behandeln, da sie nicht kindgemäß, sondern gewaltsam behandelt wurde. Selbst mit Zureden und mehrfachen Versuchen reagiert sie inzwischen hysterisch. Wie kann man den Zahn behandeln?

Antwort von Dr. med. dent. Michael Leu:
Sie sollten mit Ihrer Enkelin auf jeden Fall einen Spezialisten - also einen Kinder- und Jugendzahnarzt - aufsuchen. Kinderzahnärzte haben verschiedene Möglichkeiten der Behandlung und gehen kindgerecht auf die Ängste der kleinen Patienten ein.

Dr. André Wannemüller
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wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitseinheit für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Ruhr-Uni Bochum, Psychotherapeut in eigener Praxis im Gesundheitszentrum Bochum sowie im Rahmen des Therapiezentrums für Zahnbehandlungsangst

Frage von B.MüLER:
Ich habe nicht nur eine Zahnarztphobie, sondern auch andere Phobien. Aber unter der Zahnarztphobie leide ich am meisten, weil ich seit vielen Jahren nicht zum Zahnarzt gehe. Wie schaffe ich es trotzdem?

Antwort von Dr. André Wannemüller:
Indem Sie Strategien erlernen, die Ihnen erlauben, Ihre Furchtreaktion zu kontrollieren. Diese Strategien können Sie ermutigen, wieder Bewältigungserfahrungen in für Sie kritischen Situationen zu machen. Eine Möglichkeit bietet eine psychotherapeutische Kurzbehandlung, in der Sie sowohl körperliche als auch gedankliche Strategien erlernen und hinsichtlich ihrer Wirkung auf körperliche und gedankliche Furchtsymptome schrittweise ausprobieren können. Ein Vorteil dieser Strategien ist, dass sie prinzipiell in jeder möglichen Furchtsituation eingesetzt werden können und dadurch auch in anderen Situationen, die phobische Furcht auslösen, wirksam sind.

Dr. med. dent. Michael Leu
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Gründer der ersten und bisher einzigen Zahnarztpraxis ausschließlich für ZahnarztPhobiePatienten, München, Vorsitzender und Gründer der Deutschen Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie e.V.

Frage von B.W.:
Trotz meiner fast 60 Jahre habe ich immer noch panische Angst vor oder bei jedem Zahnarztbesuch. Nachdem mein Zahnarzt nun in den Ruhestand gegangen ist, bin ich auf der Suche nach einer neuen Praxis in Berlin. Ich wünsche mir, dass meine Ängste ernst genommen und nicht mit Plattheiten abgetan werden. Ich bin normale Kassenpatientin mit Zusatzversicherung, kann mir aber keine Mehraufwendung leisten. Können Sie mir helfen?

Antwort von Dr. med. dent. Michael Leu:
Solche Listen von Zahnärzten gibt es nicht. Sie können aber beispielsweise auf der Internetseite www.zahnarztangst.de nachlesen, ob Sie sich mit Ihrem Problem bei uns wiederfinden. Dann können wir Ihnen gern ausführliches Informationsmaterial zuschicken oder Ihnen eine telefonische Beratung anbieten.

Dr. André Wannemüller
Dr. André Wannemüller,
wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitseinheit für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Ruhr-Uni Bochum, Psychotherapeut in eigener Praxis im Gesundheitszentrum Bochum sowie im Rahmen des Therapiezentrums für Zahnbehandlungsangst

Frage von GABIHUFI:
Ich leider unter Depressionen und in diesem Zusammenhang anscheinend auch an Zahnarzt-Phobie. Seit 2010/11 traue ich mich nicht mehr so richtig zum Zahnarzt. Und jetzt ist mir ein Zahn so gut wie abgebrochen. Kann ich mich jetzt irgendwo in Berlin beraten lassen und wird diese Beratung von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen? Kann man mir die Angst nehmen, ich habe z.B. auch Angst vor einem Blutdruckanstieg.

Antwort von Dr. André Wannemüller:
Eine psychotherapeutische Phobiebehandlung wird von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, da es sich um eine Störung mit Krankheitswert handelt. Prinzipiell kann ich Ihnen jeden kognitiv-verhaltenstherapeutisch arbeitenden, niedergelassenen Kollegen empfehlen, weil er sich in der Behandlung spezifischer Phobien, zu denen auch die Zahnbehandlungsphobie gehört, gut auskennt. Das gleiche gilt übrigens auch für die Depressionsbehandlung, solange die Schwere der Erkrankung keinen stationären Aufenthalt erforderlich macht. Eine auf die Behandlung von Zahnbehandlungsphobie speziell ausgerichtete psychotherapeutische Einrichtung in Berlin kenne ich leider nicht.

Dr. med. dent. Michael Leu
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Gründer der ersten und bisher einzigen Zahnarztpraxis ausschließlich für ZahnarztPhobiePatienten, München, Vorsitzender und Gründer der Deutschen Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie e.V.

Frage von CHIARARENA:
2009 habe ich mich einem Zahnarzt anvertraut, der meine Zähne unter Vollnarkose sanierte. Nachdem alles vermeintlich in Ordnung war, brach mir der gesunde Schneidezahn weg, es gab Zysten am Zahnfleisch. Mir wurde schmerzvoll ein Stiftzahn ersetzt, hab seitdem noch mehr Angst. Stiftzahn fällt raus, Zahnfleischbluten. Ich brauche dringend Hilfe in Berlin, habe Angst. Wem kann ich vertrauen?

Antwort von Dr. med. dent. Michael Leu:
Sie finden auf der Internetseite www.zahnarztangst.de Kontaktformulare und Telefonnummern, um sich beraten zu lassen. Die Mitarbeiter des Patientenberatungsbüros sind täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr für Sie da. Außerdem finden Sie umfangreiche Informationen auf der Internetseite. Vertrauen lässt sich immer nur gemeinsam Schritt für Schritt aufbauen.

Dr. André Wannemüller
Dr. André Wannemüller,
wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitseinheit für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Ruhr-Uni Bochum, Psychotherapeut in eigener Praxis im Gesundheitszentrum Bochum sowie im Rahmen des Therapiezentrums für Zahnbehandlungsangst

Frage von MAYER-BRAU:
Gibt es Beruhigungsmittel, die bei einer Zahnarztangst wirklich helfen?

Antwort von Dr. André Wannemüller:
Nein. Einige Beruhigungsmittel können die Furchtreaktion für die Zeit ihrer Wirkdauer ausschalten und dadurch kurzfristig eine Hilfe sein. Sie lösen aber nicht das Problem. Spätestens beim nächsten Behandlungstermin stehen die Betroffenen dann wieder vor ihrem Angstproblem. Nur wenn der Behandlungserfolg auf die eigene Person attribuiert wird, kommt es auch langfristig zu einem Angstabbau. Man muss die Angst vor der Situation - etwa dem Bohrgeräusch - und den befürchteten Konsequenzen der Angst - etwa ohnmächtig werden zu können - verlieren. Das geht nur, wenn man die Situation und auch die eigene Angstbewältigung bewusst erlebt und Strategien gegen körperliche und gedankliche Angstsymptome selbst anwendet. Das können bei den körperlichen Angstsymptomen beispielsweise hochwirksame Entspannungs- und Atemtechniken und bei den gedanklichen Symptomen bewältigungsorientierte Gedanken sein.

Dr. med. dent. Michael Leu
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Gründer der ersten und bisher einzigen Zahnarztpraxis ausschließlich für ZahnarztPhobiePatienten, München, Vorsitzender und Gründer der Deutschen Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie e.V.

Frage von HEULSUSE:
Habe in ein paar Tagen eine Weisheitszahn-OP und benötige ein Beruhigungsmittel, da ich höllische Angst davor habe. Diazepam oder Midazolam? Welches ist besser geeignet? Mein Hausarzt empfiehlt das eine, mein Kieferchirurg das andere...

Antwort von Dr. med. dent. Michael Leu:
Solche Entscheidungen können wir leider nicht per "Telemedizin" treffen. Bitte lassen Sie sich von Ihren Ärzten erklären, wo die Gründe für die Verschreibung des jeweiligen Mittels liegen.

Dr. André Wannemüller
Dr. André Wannemüller,
wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitseinheit für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Ruhr-Uni Bochum, Psychotherapeut in eigener Praxis im Gesundheitszentrum Bochum sowie im Rahmen des Therapiezentrums für Zahnbehandlungsangst

Frage von SANDY123:
Ich bin 57 Jahre alt und wurde als Kind und Jugendliche in einer ländlichen Gegend mit den "altbekannten" Methoden und unter großen Schmerzen behandelt. Seitdem habe ich Angst, wieder zum Zahnarzt zu gehen. Ich geh zwar schon regelmäßig, aber doch recht selten. Haben Sie einen Tipp für mich?

Antwort von Dr. André Wannemüller:
Schön, dass Sie sich so regelmäßig überwinden können. Wenn die Abstände zwischen den einzelnen Behandlungen aber sehr groß sind, kommt es häufig zu einem Phänomen, das unter dem Begriff "Return of Fear" in die wissenschaftliche Literatur eingegangen ist und mit dem Sie wahrscheinlich regelmäßig kämpfen. Dabei konkurrieren dann die neueren, positiven Erinnerungen mit den alten, negativen. Wenn dann doch wieder die alten, negativen Erinnerungen hochkommen, ist Angst die Folge. Mein Tipp: Machen Sie eine Zeit lang nur sehr kurze Behandlungspausen. Es sollten nicht mehr als vier Wochen zwischen den Terminen vergehen. Dadurch haben die jungen, noch frischen Bewältigungserinnerungen eine höhere Relevanz und werden bei ihrem nächsten Termin mit einer höheren Wahrscheinlichkeit abgerufen. Wenn Sie diese Erfahrung häufig wiederholen, werden Ihre Bewältigungserfahrungen so mächtig, dass die "alte" Angst kaum noch eine Chance hat.

Moderator:
Liebe Leser, wir bedanken uns für die Teilnahme an unserem Chat zum Thema Dentalphobie. Leider konnten wir heute nicht alle Fragen beantworten, wir hoffen aber, dass Sie Ihre Frage oder zumindest eine ähnliche beantwortet vorgefunden haben. Für heute verabschieden wir uns von Ihnen und wünschen einen schönen Abend. Bis zum nächsten Mal.