26.01.2012:

Burn-out

Burn-out – die neue Volkskrankheit?

Sorgen, Ärger, Stress, Überforderung: Der Frust im Job nimmt bei immer mehr deutschen Arbeitnehmern zu. Sie melden sich ab, entweder in den Krankenstand oder durch die innerliche Kündigung. Die Hektik und der Leistungsdruck der modernen Arbeitswelt haben dazu geführt, dass das Burn-out-Syndrom zur Volkskrankheit zu werden droht. Nach Expertenschätzungen könnten mehrere Millionen Menschen davon betroffen sein. Viele Symptome ähneln denen einer Depression: Lustlosigkeit, Traurigkeit, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen und somatische Beschwerden wie Kopf-, Rücken- und Gelenkschmerzen. Den Unterschied zwischen einer Depression und einem Burn-out kann oft nur der medizinische Experte durch eine genaue Diagnose feststellen.

Mobbing als häufige Ursache für das Burn-out-Syndrom
Eine der häufigsten Ursachen für ein Burn-out-Syndrom ist ein über einen längeren Zeitraum erlebtes Mobbing. Mobbing kann viele Facetten haben: Die Betroffenen werden zum Beispiel von Kollegen oder Vorgesetzten schikaniert, beleidigt, belästigt oder auch ausgegrenzt. Sie erhalten Arbeitsaufgaben, die sie entweder völlig über- oder unterfordern, in beiden Fällen bedeutet dieses Vorgehen aber eine tiefe Kränkung für den Mitarbeiter. Burn-out durch Mobbing äußert sich bei den Betroffenen durch Motivationslosigkeit am Arbeitsplatz bis hin zu schwerwiegenden Ängsten. Die Menschen kommen morgens kaum aus dem Bett, beim Gedanken an den Gang zur Arbeit möchten sie den Tag am liebsten verschlafen. Für viele ist es schwer, alleine aus diesem Tief wieder herauszukommen. Oftmals ist professionelle Hilfe durch einen Psychotherapeuten oder in einer Spezialklinik nötig.

Gefahr erkannt – Gefahr gebannt
Prinzipiell ist es wichtig, gefährlichen Stress im Job frühzeitig wahrzunehmen. Dann kann man versuchen, noch rechtzeitig gegenzusteuern. Die konkreten Ursachen für einen Burn-out können sehr unterschiedlich sein. So gibt es Arbeitnehmer, die einfach zu viel gleichzeitig tun und dadurch überfordert sind. Anderen fehlt es an Selbstorganisation. Wer Prioritäten setzt und sich bei der Arbeit auf das Wesentliche konzentriert, kann so schon Stress vermeiden. Perfektionisten wiederum sollten lernen, auch einmal Nein zu sagen. Zur Burn-out-Prävention können auch gezielte Entspannungs- und Stressbewältigungstechniken beitragen.

Burn-out als Ursache für Berufsunfähigkeit
Schlimmstenfalls haben psychische Erkrankungen wie beispielsweise ein Burn-out zur Folge, dass Arbeitnehmer ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Für diesen Fall kann man mit dem Abschluss einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung vorsorgen, die Betroffenen erhalten dank dieser Police dann eine monatliche Rente. Die Versicherung ist besonders für junge Arbeitnehmer wichtig, die noch kaum oder gar keine Ansprüche auf eine gesetzliche Rente haben, falls sie beispielsweise durch eine psychische Erkrankung berufsunfähig werden. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung sollte möglichst schon in jungen Jahren abgeschlossen werden. Zum einen steigen die Beiträge bei einem höheren Eintrittsalter an. Vor allem aber steigt die Gefahr, dass man später durch bereits bestehende gesundheitliche Beeinträchtigungen einen Versicherungsschutz nicht mehr oder nur zu erschwerten Bedingungen erhält.

Schicken Sie uns Ihre Fragen, wir werden sie nach Möglichkeit beantworten. Lesen Sie dazu auch unsere "Richtlinien".

Chat-Protokoll

Moderator:
Herzlich willkommen beim Chat zum Thema „Burn-out“. Sie können jetzt Ihre Fragen stellen, wir sind bereit.

Dr. Morad Ghaemi
Dr. Morad Ghaemi,
Facharzt für Neurologie und Psychiatrie in einer Gemeinschaftspraxis in Bergheim bei Köln. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen u.a. in der Behandlung von Depressionen.

Frage von FRAGE EINS:
Wo finde ich bei einem Burn-out professionelle Hilfe? Muss ich zum Arzt - und wenn ja zu welchem - oder reicht es, wenn ich zunächst einmal im Internet recherchiere?

Antwort von Dr. Morad Ghaemi:
Entscheidend ist ihr persönlicher Leidensdruck. Wenn Sie das Gefühl haben, völlig überfordert zu sein und sich aus eigener Hilfe nicht daraus befreien zu können, sollten Sie ... [mehr]Entscheidend ist ihr persönlicher Leidensdruck. Wenn Sie das Gefühl haben, völlig überfordert zu sein und sich aus eigener Hilfe nicht daraus befreien zu können, sollten Sie sich Hilfe suchen. Als erster Ansprechpartner bietet sich Ihr Hausarzt an. Wenn dieser den Eindruck gewinnen sollte, dass eine behandlungsbedürftige Störung vorliegt, kann er Sie an einen geeigneten Spezialisten weiter überweisen. [weniger]

Carmen Jux
Carmen Jux,
Fachärztin für Arbeitsmedizin u.a. mit der Zusatzausbildung Naturheilverfahren. Betriebsärztin bei der DKV Deutsche Krankenversicherung AG, Köln. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Verhaltensprävention

Frage von JULIANA K.:
Welche Präventionsmaßnahmen gegen einen Burn-out werden von den Krankenkassen übernommen? Wie kann ich das beantragen?

Antwort von Carmen Jux:
Von den gesetzlichen Krankenversicherungen werden die unterschiedlichsten Präventionsangebote übernommen. Am einfachsten ist es, bei der eigenen Krankenkasse nachzufragen, welche Angebote gefördert werden. Meist erhält man dann ... [mehr]Von den gesetzlichen Krankenversicherungen werden die unterschiedlichsten Präventionsangebote übernommen. Am einfachsten ist es, bei der eigenen Krankenkasse nachzufragen, welche Angebote gefördert werden. Meist erhält man dann auch direkt Adressen von regionalen Anbietern. [weniger]

Christoph Andersch
Christoph Andersch,
Experte für Berufsunfähigkeitsversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth

Frage von KAI M.:
Hallo, ich habe eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Wenn ich jetzt meine Arbeitsstelle wechsle, muss ich das der Versicherung melden?

Antwort von Christoph Andersch:
Nein, das müssen Sie nicht: Ein Berufswechsel oder auch eine sonstige so genannte Gefahrerhöhung - wie beispielsweise eine risikobehaftete Freizeitaktivität - nach Vertragsabschluss sind nicht anzuzeigen.

Detlef Staadt
Detlef Staadt,
Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut, tätig in eigener Praxis mit Kassenzulassung in Offenburg. Dozent und Supervisor in der Psychotherapeutenausbildung Würzburg. Psychodiabetologe am Klinik

Frage von LUISE:
Ich fühle mich täglich gestresst und komme jeden Abend erschöpft von der Arbeit nach Hause. ist das schon ein Zeichen von Burn-out und was raten Sie mir, um mich vor dieser Dauererschöpfung zu schützen?

Antwort von Detlef Staadt:
Meistens entsteht ein Burn-out sehr langsam und schleichend. In Ihrem Fall könnte die Dauererschöpfung allerdings tatsächlich schon ein deutliches Anzeichen für ein Burn-Out-Syndrom sein. Versuchen Sie ... [mehr]Meistens entsteht ein Burn-out sehr langsam und schleichend. In Ihrem Fall könnte die Dauererschöpfung allerdings tatsächlich schon ein deutliches Anzeichen für ein Burn-Out-Syndrom sein. Versuchen Sie in der Freizeit sehr aktiv und bewusst "abzuschalten". Beginnen Sie Freizeitaktivitäten, die Ihnen Spaß machen und bei denen Sie sich ohne Leistungsdruck wohl fühlen können - wie beispielsweise Sport, andere Hobbys oder das Knüpfen neuer Sozialkontakte. Geben Sie diesen Freizeitaktivitäten die gleiche Wichtigkeit, die Sie Ihrem Beruf geben! [weniger]

Christoph Andersch
Christoph Andersch,
Experte für Berufsunfähigkeitsversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth

Frage von MARTINA W.:
Hallo, ich bin freiberuflich tätig und somit nicht gesetzlich versichert. Welche Rolle spielt hier der Schutz gegen Berufsunfähigkeit? Worauf muss ich bei der Versicherungssuche achten?

Antwort von Christoph Andersch:
Dadurch, dass Sie keine gesetzliche Berufsunfähigkeitsabsicherung haben, kann der Eintritt einer Berufsunfähigkeit für Sie existentielle Folgen haben. Eine private Absicherung ist daher unbedingt zu empfehlen. Vor ... [mehr]Dadurch, dass Sie keine gesetzliche Berufsunfähigkeitsabsicherung haben, kann der Eintritt einer Berufsunfähigkeit für Sie existentielle Folgen haben. Eine private Absicherung ist daher unbedingt zu empfehlen. Vor Abschluss eines Vertrages ist es ratsam, sich über den geplanten Anbieter über unabhängige Recherchen und Veröffentlichungen - beispielsweise in "Finanztest" - zu informieren. Hierbei sollten Sie auf sehr gute Testergebnisse achten. [weniger]

PD Dr. Christine Rummel-Kluge
PD Dr. Christine Rummel-Kluge,
Geschäftsführerin der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Leipzig, und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie

Frage von HEIKO L.:
Ich habe meinen Beruf immer sehr gerne ausgeübt und war absolut motiviert. Jetzt habe ich einen neuen Vorgesetzten und nun ist das Ganze ins Gegenteil umgeschlagen: ich bin vollkommen lustlos und deprimiert. Welche Tipps haben Sie, damit ich mein Gleichgewicht und den Spaß am Job wieder finde?

Antwort von PD Dr. Christine Rummel-Kluge:
Hier ist es wichtig, professionelle Hilfe etwa durch den Hausarzt in Anspruch zu nehmen und zu schauen, ob vielleicht auch andere Lebensbereiche von dieser Lustlosigkeit und ... [mehr]Hier ist es wichtig, professionelle Hilfe etwa durch den Hausarzt in Anspruch zu nehmen und zu schauen, ob vielleicht auch andere Lebensbereiche von dieser Lustlosigkeit und Niedergeschlagenheit betroffen sind. Ein Burn-out ist "kontextbezogen", eine Depression dagegen betrifft alle Lebensbereiche. [weniger]

Dr. Morad Ghaemi
Dr. Morad Ghaemi,
Facharzt für Neurologie und Psychiatrie in einer Gemeinschaftspraxis in Bergheim bei Köln. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen u.a. in der Behandlung von Depressionen.

Frage von HEINZ:
Ist bei burnout ein klinikaufenthalt besser als eine berufsbegleitende Therapie ?

Antwort von Dr. Morad Ghaemi:
Wenn es möglich ist, sollte man eine ambulante Therapie einer stationären vorziehen. Diese Entscheidung hängt aber vor allem davon ab, wie ausgeprägt die Beschwerden sind. Bei ... [mehr]Wenn es möglich ist, sollte man eine ambulante Therapie einer stationären vorziehen. Diese Entscheidung hängt aber vor allem davon ab, wie ausgeprägt die Beschwerden sind. Bei schweren depressiven Beschwerden und einer erfolglosen ambulanten Therapie käme eine stationäre Behandlung in Betracht. [weniger]

Carmen Jux
Carmen Jux,
Fachärztin für Arbeitsmedizin u.a. mit der Zusatzausbildung Naturheilverfahren. Betriebsärztin bei der DKV Deutsche Krankenversicherung AG, Köln. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Verhaltensprävention

Frage von FSWU:
Bin ich verpflichtet, meinen Arbeitgeber zu informieren, wenn ein Arzt bei mir einen Burn-out festgestellt habe? Und wie mache ich das am besten?

Antwort von Carmen Jux:
Sie müssen Ihren Arbeitgeber immer über das Vorliegen einer Arbeitsunfähigkeit informieren. Sie sind jedoch nicht verpflichtet, ihn über die Diagnose zu unterrichten.

Christoph Andersch
Christoph Andersch,
Experte für Berufsunfähigkeitsversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth

Frage von MONA:
Ich bin 25 Jahre und Single. Ist es ratsam, jetzt schon eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen? Wenn ja, welche Höhe empfehlen Sie?

Antwort von Christoph Andersch:
Besonders in Ihrem Alter ist es - unabhängig von der familiären Situation - sinnvoll, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Gerade in jungen Jahren ist die gesundheitliche Situation meist ... [mehr]Besonders in Ihrem Alter ist es - unabhängig von der familiären Situation - sinnvoll, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Gerade in jungen Jahren ist die gesundheitliche Situation meist gut und damit problemlos versicherbar. Des Weiteren ist die Absicherung in Ihrem Alter im Allgemeinen zu äußerst günstigen Beiträgen zu bekommen. Die Höhe der Berufsunfähigkeitsrente sollte in etwa 70 bis 80 Prozent Ihres Nettoeinkommens abdecken. [weniger]

Dr. Morad Ghaemi
Dr. Morad Ghaemi,
Facharzt für Neurologie und Psychiatrie in einer Gemeinschaftspraxis in Bergheim bei Köln. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen u.a. in der Behandlung von Depressionen.

Frage von MARSIMOTO:
Werden zur Behandlung eines Burn-out im Regelfall auch Medikamente eingesetzt? Und zählen dazu auch Psychopharmaka oder ähnliches?

Antwort von Dr. Morad Ghaemi:
Psychopharmaka werden in der Regel dann eingesetzt, wenn depressive Beschwerden ausgeprägt vorhanden sind. Vor allem Schlafstörungen, starke innere Unruhe und Ängste müssen oft medikamentös behandelt werden, ... [mehr]Psychopharmaka werden in der Regel dann eingesetzt, wenn depressive Beschwerden ausgeprägt vorhanden sind. Vor allem Schlafstörungen, starke innere Unruhe und Ängste müssen oft medikamentös behandelt werden, da eine Gesprächstherapie allein meist nicht ausreicht und eine rasche Linderung der Beschwerden erforderlich ist. [weniger]

Carmen Jux
Carmen Jux,
Fachärztin für Arbeitsmedizin u.a. mit der Zusatzausbildung Naturheilverfahren. Betriebsärztin bei der DKV Deutsche Krankenversicherung AG, Köln. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Verhaltensprävention

Frage von SI:
Hallo, wie kann ich meinem Chef klarmachen, dass ich Burn-Out-gefährdet bin, ohne als Schwächling dazustehen?

Antwort von Carmen Jux:
Sie sollten mit Ihrem Chef im Mitarbeitergespräch auf sachlicher Ebene klären, wo Sie Schwierigkeiten in der Ausübung Ihres Berufes sehen. Sie sollten ihm klar machen, was ... [mehr]Sie sollten mit Ihrem Chef im Mitarbeitergespräch auf sachlicher Ebene klären, wo Sie Schwierigkeiten in der Ausübung Ihres Berufes sehen. Sie sollten ihm klar machen, was Sie benötigen, um in Ihrem Job gesund zu bleiben. Hier müssen sie nicht unbedingt den Burn-out erwähnen. Bei gesundheitlichen Problemen, die zu Leistungseinschränkungen führen, macht es Sinn, dem Vorgesetzten dies ohne Nennung der Diagnose zu erläutern. So stößt man auf mehr Verständnis. [weniger]

Detlef Staadt
Detlef Staadt,
Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut, tätig in eigener Praxis mit Kassenzulassung in Offenburg. Dozent und Supervisor in der Psychotherapeutenausbildung Würzburg. Psychodiabetologe am Klinik

Frage von SUSANNE:
Wie kann ich meinen Partner unterstützen, bei dem wir einen Burn-out vermuten? Mein Partner hat Angst, zum Arzt zu gehen.

Antwort von Detlef Staadt:
Zunächst wäre es sinnvoll, dass Sie sich vergewissern, ob tatsächlich ein Burn-Out-Syndrom vorliegen könnte. Bevor dies nicht sicher ist, hat Ihr Partner natürlich auch nicht die ... [mehr]Zunächst wäre es sinnvoll, dass Sie sich vergewissern, ob tatsächlich ein Burn-Out-Syndrom vorliegen könnte. Bevor dies nicht sicher ist, hat Ihr Partner natürlich auch nicht die Motivation, sich Hilfe zu suchen. Eventuell hat er dabei auch noch eine gewisse Scham. Informieren könnten sie sich beispielsweise im Internet, indem Sie die Begriffe "Burn-Out-Syndrom" oder "Maslach-Burnout-Inventar" bei einer Suchmaschine wie Google eingeben. Das "Maslach-Burnout-Inventar" ist ein Fragebogen zum Selbsttest. Empfehlenswert ist auch folgendes kleine Büchlein: Prof. Wolfgang Seidel: "Burnout", erschienen im Humboldt-Verlag. [weniger]

Christoph Andersch
Christoph Andersch,
Experte für Berufsunfähigkeitsversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth

Frage von LIEBLING68:
Gilt ein Burn-out im Hinblick auf die Berufsunfähigkeitsversicherung als Krankheit?

Antwort von Christoph Andersch:
Ja, ein Burn-out-Syndrom fällt unter den Oberbegriff der psychischen Erkrankungen.

Carmen Jux
Carmen Jux,
Fachärztin für Arbeitsmedizin u.a. mit der Zusatzausbildung Naturheilverfahren. Betriebsärztin bei der DKV Deutsche Krankenversicherung AG, Köln. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Verhaltensprävention

Frage von B.-MARIE L:
Guten Tag, ich bin Leiterin der Personalabteilung in einem mittelständischen Unternehmen. Welche möglichen Maßnahmen schlagen Sie vor, wenn ich erste Anzeichen eines Burn-outs bei Mitarbeitern erkenne?

Antwort von Carmen Jux:
Sie sollten in einem persönlichen Gespräch mit dem Mitarbeiter die Auffälligkeiten sachlich ansprechen. Im Anschluss daran sollten Sie ihm die möglichen Hilfestellen Ihres Hauses nennen, das ... [mehr]Sie sollten in einem persönlichen Gespräch mit dem Mitarbeiter die Auffälligkeiten sachlich ansprechen. Im Anschluss daran sollten Sie ihm die möglichen Hilfestellen Ihres Hauses nennen, das können der Betriebsarzt und/oder die Sozialberatung sein. Fragen Sie auch, was Sie als Vorgesetzte beziehungsweise Personalleiterin unterstützend tun können. Prüfen Sie, ob eventuell arbeitsorganisatorische Veränderungen zur Besserung beitragen können. [weniger]

PD Dr. Christine Rummel-Kluge
PD Dr. Christine Rummel-Kluge,
Geschäftsführerin der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Leipzig, und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie

Frage von TOM:
Wir sind in Würzburg bezüglich qualifizierter Psychologen Notstandsgebiet und klassisch unterbesetzt. Wer einen Termin will, muss mindestens drei, vier Wochen warten. Das hilft dem Patienten, der jetzt die Hilfe braucht, gar nichts! Gibt es "psychologische" Tricks, wie ich einen Psychologen von der Dringlichkeit überzeugen kann? Oder sollte ich einfach mit Suizid drohen...?

Antwort von PD Dr. Christine Rummel-Kluge:
Im Notfall können Sie sich in einer psychiatrischen Klinik vorstellen, dort ist immer ein Arzt erreichbar. Als Anlaufstelle geeignet ist auch der sozialpsychiatrische Dienst, den es ... [mehr]Im Notfall können Sie sich in einer psychiatrischen Klinik vorstellen, dort ist immer ein Arzt erreichbar. Als Anlaufstelle geeignet ist auch der sozialpsychiatrische Dienst, den es in allen Städten gibt. [weniger]

Christoph Andersch
Christoph Andersch,
Experte für Berufsunfähigkeitsversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth

Frage von ULLI:
Wenn ich wegen eines Burn-outs berufsunfähig werde, ist dann die gesetzliche Versorgung nicht ausreichend?

Antwort von Christoph Andersch:
Unabhängig davon, wegen welcher Erkrankung eine Berufsunfähigkeit eintritt, ist die gesetzliche Absicherung nur unzureichend und stellt lediglich eine Grundversorgung dar. Um bei einer eintretenden Berufsunfähigkeit den ... [mehr]Unabhängig davon, wegen welcher Erkrankung eine Berufsunfähigkeit eintritt, ist die gesetzliche Absicherung nur unzureichend und stellt lediglich eine Grundversorgung dar. Um bei einer eintretenden Berufsunfähigkeit den erreichten Lebensstandard halten zu können, genügt es demzufolge keineswegs, sich auf die gesetzliche Absicherung zu verlassen. [weniger]

Dr. Morad Ghaemi
Dr. Morad Ghaemi,
Facharzt für Neurologie und Psychiatrie in einer Gemeinschaftspraxis in Bergheim bei Köln. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen u.a. in der Behandlung von Depressionen.

Frage von LILI:
Die Symptome, die im Zusammenhang mit Burn-out oft genannt werden, kennen doch - zumindest im Ansatz - wohl alle, die viel arbeiten. Wo muss man die Grenze zum Burn-out ziehen?

Antwort von Dr. Morad Ghaemi:
Das ist eine sehr gute Frage! Die Grenze ist eher eine quantitative als eine qualitative. Wenn der Ärger über die Arbeit, das Gefühl der Erschöpfung, des ... [mehr]Das ist eine sehr gute Frage! Die Grenze ist eher eine quantitative als eine qualitative. Wenn der Ärger über die Arbeit, das Gefühl der Erschöpfung, des Ausgebranntseins, die Schlaflosigkeit dauerhaft über viele Wochen bestehen und man kaum über etwas anderes mehr nachdenken kann, ist diese Grenze sicher überschritten und man sollte sich Hilfe holen. Ein gelegentliches Gefühl von Überforderung, Schlafprobleme vor wichtigen Terminen und ähnliche Phänomene, welche von selbst wieder abklingen, sind dagegen meist kein Grund zur Sorge. Aber vor allem hängt dies natürlich von der persönlichen Disposition ab. Im Zweifel ist es immer sinnvoll, zumindest dem Hausarzt von den Beschwerden zu berichten, der dann eine erste Einschätzung abgeben kann. [weniger]

PD Dr. Christine Rummel-Kluge
PD Dr. Christine Rummel-Kluge,
Geschäftsführerin der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Leipzig, und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie

Frage von STUDI1:
Einige meiner studentischen Freunde leiden in meinen Augen sehr unter ihrem Studium - sie erzählen von Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und Pfüfungsängsten. Wie kann ich herausfinden, ob es sich dabei um "normale" Gefühle handelt oder schon um eine belastende Krankheit beziehungsweise Störung? Wie kann ich Ihnen helfen?

Antwort von PD Dr. Christine Rummel-Kluge:
Die beschriebenen Symptome können beispielsweise im Rahmen einer depressiven Erkrankung auftreten. Um das herauszufinden, ist es wichtig, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, etwa beim Hausarzt. ... [mehr]Die beschriebenen Symptome können beispielsweise im Rahmen einer depressiven Erkrankung auftreten. Um das herauszufinden, ist es wichtig, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, etwa beim Hausarzt. Wichtig ist es zu sehen, ob die Betroffenen deshalb einen Leidensdruck haben. Jeder schläft gelegentlich schlecht oder ist aufgeregt vor einer Prüfung, aber wenn diese Symptome über längere Zeit - also mindestens zwei Wochen - anhalten, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. [weniger]

Moderator:
Liebe Leser, dieser Chat ist moderiert: Alle Fragen werden zunächst an einen Moderator geschickt, der je nach Teilnehmerzahl alle oder die interessantesten Fragen zur Beantwortung frei stellt. Bitte haben Sie Verständnis, dass bei dem heutigen großen Andrang zunächst Fragen beantwortet werden, die für die Mehrzahl der Teilnehmer relevant sind.

Christoph Andersch
Christoph Andersch,
Experte für Berufsunfähigkeitsversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth

Frage von KATE B.:
Ich war schon wegen Überlastung und Stress in psychologischer Behandlung. Kann ich trotzdem eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen oder werde ich wegen zu hohem Risiko nicht angenommen?

Antwort von Christoph Andersch:
Sicherlich ist es schwierig, bei einer schon einmal vorhandenen psychischen Erkrankung einen vollumfänglichen Versicherungsschutz zu erhalten. Eine generelle Ablehnung eines Antrags ist damit jedoch nicht verbunden. ... [mehr]Sicherlich ist es schwierig, bei einer schon einmal vorhandenen psychischen Erkrankung einen vollumfänglichen Versicherungsschutz zu erhalten. Eine generelle Ablehnung eines Antrags ist damit jedoch nicht verbunden. Jeder Einzelfall wird dahingehend geprüft, in welcher Form Versicherungsschutz geboten werden kann. So besteht etwa die Möglichkeit, psychische Erkrankungen vom Versicherungsschutz auszuschließen, so dass zumindest für alle weiteren Risiken wie etwa Herz-Kreislauferkrankungen, Krankheiten des Bewegungsapparates, Krebserkrankungen, Unfälle und viele mehr Versicherungsschutz bestehen würde. Es ist daher durchaus ratsam, auch mit den geschilderten gesundheitlichen Vorbelastungen eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu beantragen. [weniger]

Carmen Jux
Carmen Jux,
Fachärztin für Arbeitsmedizin u.a. mit der Zusatzausbildung Naturheilverfahren. Betriebsärztin bei der DKV Deutsche Krankenversicherung AG, Köln. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Verhaltensprävention

Frage von TANJA:
Wie stehen die Heilungschancen bei einem Burn-out und wie lange dauert üblicherweise eine Behandlung?

Antwort von Carmen Jux:
Die Heilungschancen bei einem Burn-out sind grundsätzlich gut. Es ist wichtig, dass man sich in adäquate Behandlung begibt, etwa bei einem Facharzt für Psychiatrie oder einem ... [mehr]Die Heilungschancen bei einem Burn-out sind grundsätzlich gut. Es ist wichtig, dass man sich in adäquate Behandlung begibt, etwa bei einem Facharzt für Psychiatrie oder einem Psychotherapeuten. Je nach Schwere kann ambulant oder auch stationär behandelt werden. Entsprechend variiert auch die Behandlungsdauer sehr stark. [weniger]

Christoph Andersch
Christoph Andersch,
Experte für Berufsunfähigkeitsversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth

Frage von VIVALDI:
Nach welchen Kriterien entscheidet denn eine Versicherung konkret, ob ein bei ihr Versicherter tatsächlich Anspruch auf eine Rentenzahlung zum Beispiel wegen einer Depression oder eines Burn-out hat? Und wie lange dauert so ein Prüfungsverfahren?

Antwort von Christoph Andersch:
Unabhängig von der Art der Erkrankung, die zu einer eventuellen Berufsunfähigkeit führt, werden zunächst direkt vom Versicherten Auskünfte zur vorliegenden Krankheit und zur beruflichen Situation eingeholt. ... [mehr]Unabhängig von der Art der Erkrankung, die zu einer eventuellen Berufsunfähigkeit führt, werden zunächst direkt vom Versicherten Auskünfte zur vorliegenden Krankheit und zur beruflichen Situation eingeholt. Dies geschieht in der Regel mittels eines Fragebogens. Nach dessen Auswertung durch den Leistungsprüfer werden im Regelfall die den Versicherten behandelnden Fachärzte befragt und um eine prozentuale Einschätzung der beruflichen Leistungsfähigkeit gebeten. Sollte diesen eine hinreichende Beurteilung nicht möglich sein, wird im Normalfall durch den Versicherer eine fachärztliche Begutachtung bei unabhängigen Instituten oder Kliniken veranlasst. Wie lange ein Prüfungsverfahren im einzelnen dauert, lässt sich nicht pauschal beantworten, da jeder Einzelfall sehr individuell geprüft werden muss. [weniger]

PD Dr. Christine Rummel-Kluge
PD Dr. Christine Rummel-Kluge,
Geschäftsführerin der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Leipzig, und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie

Frage von SABINE L.:
Kann Burn-out immer wieder kommen oder ist man nach Abschluss einer Behandlung "geheilt"?

Antwort von PD Dr. Christine Rummel-Kluge:
Oft steckt hinter einem Burn-out eine depressive Erkrankung - und die kann wiederkommen. Aber auch bei einem Burn-out ist es oft wichtig, grundsätzliche Veränderungen in der ... [mehr]Oft steckt hinter einem Burn-out eine depressive Erkrankung - und die kann wiederkommen. Aber auch bei einem Burn-out ist es oft wichtig, grundsätzliche Veränderungen in der Lebensweise vorzunehmen und sich beispielsweise von ständigen, chronischen Stressfaktoren zu entlasten und für mehr Erholungs- und Entspannungsmöglichkeiten zu sorgen. [weniger]

PD Dr. Christine Rummel-Kluge
PD Dr. Christine Rummel-Kluge,
Geschäftsführerin der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Leipzig, und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie

Frage von MANIE:
Ich bin seit einem Jahr aus eigener Entscheidung nicht mehr berufstätig - wegen eines Burn-out und wegen der Trennung von meinem Lebenspartner. Hatte deshalb starke gesundheitliche Problem inklusive Depressionen. Wie kann ich erkennen, ob ich wieder für eine neue Tätigkeit bereit bin? Ich habe immer noch viele Momente der Traurigkeit, Ängste, teilweise Verzweiflung, wie mein Leben weitergeht. Einen Therapieplatz zu bekommen ist allerdings sehr schwer bei Ärzten, die über die Kasse abrechnen. Was kann ich sonst noch tun?

Antwort von PD Dr. Christine Rummel-Kluge:
Ob Sie wieder bereit sind für eine neue Tätigkeit, lässt sich aus der Ferne nicht gut einschätzen, das sollten Sie unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen! ... [mehr]Ob Sie wieder bereit sind für eine neue Tätigkeit, lässt sich aus der Ferne nicht gut einschätzen, das sollten Sie unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen! Eine Psychotherapie kann bei den geschilderten Umständen sehr hilfreich sein, gerade auch begleitend bei einem Wiedereinstieg in das Berufsleben. Hier sollten Sie sich nicht von Wartezeiten entmutigen lassen. Der sozialpsychiatrische Dienst in Ihrem Wohnort beispielsweise ist als Anlaufstelle empfehlenswert, da sich die Mitarbeiter dort immer gut mit Angeboten in der direkten Umgebung auskennen. [weniger]

Detlef Staadt
Detlef Staadt,
Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut, tätig in eigener Praxis mit Kassenzulassung in Offenburg. Dozent und Supervisor in der Psychotherapeutenausbildung Würzburg. Psychodiabetologe am Klinik

Frage von KATI22:
Ich mache mir Sorgen um eine Freundin von mir: sie ist sehr ehrgeizig, arbeitet überdurchschnittlich viel und ist immer unterwegs. Obwohl sie noch jung ist und im Herbst ihr Masterstudium beginnen will, hat sie bereits Zukunftsängste und ist oft krank (Erkältungen etc). Können auch junge Menschen schon von einem Burn-Out betroffen sein? Was sind die ersten Schritte, dich ich tun kann, um sie auf ihren ungesunden Lebenswandel hinzuweisen?

Antwort von Detlef Staadt:
Vom Burn-Out-Syndrom kann jeder Mensch, vollkommen unabhängig vom Alter, betroffen sein. Das liegt darin, dass das Burn-Out-Syndrom nicht nur von äußeren Faktoren - wie beispielsweise dem ... [mehr]Vom Burn-Out-Syndrom kann jeder Mensch, vollkommen unabhängig vom Alter, betroffen sein. Das liegt darin, dass das Burn-Out-Syndrom nicht nur von äußeren Faktoren - wie beispielsweise dem Arbeitsplatz, der Schule oder dem Studium -, sondern vor allem auch von inneren Faktoren verursacht werden kann. Zu diesen Faktoren gehören etwa ein verzerrtes Selbstbild, ein niedriges Selbstwertgefühl, zu wenig Selbstbewusstsein oder auch ein schlechtes Zeitmanagement. Daher können auch sehr junge Menschen von einem Burn-out betroffen sein. Die Zukunftsängste Ihrer Freundin und die psychosomatischen Anteile - häufige Krankheiten - sind deutliche Hinweise auf das Burn-out-Syndrom. Da es chronisch werden kann, wenn es nicht behandelt wird, sollte man auch bei jungen Menschen möglichst schnell eine Psychotherapie einleiten, um das Thema zu erarbeiten und um eine individuelle Lösung zu entwickeln. [weniger]

Christoph Andersch
Christoph Andersch,
Experte für Berufsunfähigkeitsversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth

Frage von LN:
Gibt es bestimmte Klauseln, die eine Berufsunfähigkeitsversicherung enthalten muss, damit sie auch im Falle einer psychischen Erkrankung, wie z.B. Burnout, greift? Oder decken alle Berufsunfähigkeitsversicherungen diese Art von Erkrankungen automatisch mit ab?

Antwort von Christoph Andersch:
Psychische Erkrankungen sind - wie auch alle anderen Krankheiten, Unfälle und ähnliches - über eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abgesichert. Eine spezielle Klausel, um psychische Erkrankungen in den ... [mehr]Psychische Erkrankungen sind - wie auch alle anderen Krankheiten, Unfälle und ähnliches - über eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abgesichert. Eine spezielle Klausel, um psychische Erkrankungen in den Versicherungsschutz aufzunehmen, ist nicht erforderlich. [weniger]

Carmen Jux
Carmen Jux,
Fachärztin für Arbeitsmedizin u.a. mit der Zusatzausbildung Naturheilverfahren. Betriebsärztin bei der DKV Deutsche Krankenversicherung AG, Köln. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Verhaltensprävention

Frage von ANDREAS:
Kann ich meinen Job verlieren, wenn mein Arbeitgeber erfährt, dass ich unter Burn-out leide? Oder kann ich von ihm sogar Hilfe erwarten?

Antwort von Carmen Jux:
Nein, sie können Ihren Job nicht verlieren, wenn der Arbeitgeber von Ihrer Erkrankung erfährt. Sie sollten jedoch im Einzelfall überlegen, ob es notwendig ist, dass der ... [mehr]Nein, sie können Ihren Job nicht verlieren, wenn der Arbeitgeber von Ihrer Erkrankung erfährt. Sie sollten jedoch im Einzelfall überlegen, ob es notwendig ist, dass der Arbeitgeber die genaue Diagnose kennt. Hierzu kann sie ihr zuständiger Betriebsarzt beraten. Lassen sie sich dort einen Termin in der Sprechstunde geben. Sollten sie diese Möglichkeit nicht haben, wenden Sie sich an Ihren Hausarzt. Manchmal ist es sinnvoll, dem Arbeitgeber zu signalisieren, dass eine Erkrankung vorliegt, um die man sich aktiv kümmert. Bei dieser Gelegenheit kann man dem Arbeitgeber mitteilen, mit welchen Einschränkungen die Krankheit vorübergehend verbunden ist. [weniger]

Dr. Morad Ghaemi
Dr. Morad Ghaemi,
Facharzt für Neurologie und Psychiatrie in einer Gemeinschaftspraxis in Bergheim bei Köln. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen u.a. in der Behandlung von Depressionen.

Frage von ANDI:
Ich wollte nach Auftreten meiner Burn-out-Erkrankung eine Klinik aufsuchen, wurde aber überall abgewiesen, da die Wartezeit bis zu 8 monate beträgt. Wie soll ich mich verhalten, wie kann ich schneller einen Klinikplatz bekommen ?

Antwort von Dr. Morad Ghaemi:
Sie sollten Ihren einweisenden Arzt darauf ansprechen. Wenn er den Eindruck hat, dass eine Behandlung dringend erforderlich ist, kann er selbst mit den entsprechenden Kliniken Kontakt ... [mehr]Sie sollten Ihren einweisenden Arzt darauf ansprechen. Wenn er den Eindruck hat, dass eine Behandlung dringend erforderlich ist, kann er selbst mit den entsprechenden Kliniken Kontakt aufnehmen. Das führt häufig zu einer schnelleren Aufnahme! [weniger]

PD Dr. Christine Rummel-Kluge
PD Dr. Christine Rummel-Kluge,
Geschäftsführerin der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Leipzig, und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie

Frage von RM:
Was ist denn eigentlich der Unterschied zwischen einer Depression und einem Burn-out?

Antwort von PD Dr. Christine Rummel-Kluge:
Das Krankheitsbild Burn-out ist nicht klar definiert, in den aktuellen Klassifikationssystemen gibt es nicht einmal eine Diagnose Burn-out. Oft steckt hinter dem Begriff Burn-out eine depressive ... [mehr]Das Krankheitsbild Burn-out ist nicht klar definiert, in den aktuellen Klassifikationssystemen gibt es nicht einmal eine Diagnose Burn-out. Oft steckt hinter dem Begriff Burn-out eine depressive Erkrankung. Bei vielen Menschen, die über Burn-out klagen, liegen die für die Diagnose einer Depression nötigen Krankheitsanzeichen vor, dazu gehört immer auch das Gefühl der Erschöpfung. Burn-out ist "kontextbezogen", tritt im Rahmen der Arbeit auf, eine Depression dagegen betrifft alle Lebensbereiche. [weniger]

Detlef Staadt
Detlef Staadt,
Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut, tätig in eigener Praxis mit Kassenzulassung in Offenburg. Dozent und Supervisor in der Psychotherapeutenausbildung Würzburg. Psychodiabetologe am Klinik

Frage von ZWIR:
Im Januar 2010 habe ich meinen Mann bewusstlos in der Wohnung gefunden, Hirnblutung,Koma. Er hat sich ins Leben zurück gekämpft, kann aber nicht sprechen und schreiben, ist rechtsseitig gelähmt. Er lebt im Pflegeheim und ich gehe in drei Schichten arbeiten. Ich besuche ihn täglich. Am Anfang bin ich noch regelmäßig zum Sport gegangen und hatte Kontakt mit Freunden, Bekannten und Familie. Jetzt bereitet es mir schon Mühe, nur meine Eltern anzurufen (Familie wohnt in 300 km Entfernung). Mein Tag muss immer gleich ablaufen. Sachen die meinen Mann betreffen, erledige ich immer sofort. Alles andere wird hinten angestellt. Ich denke zwar, das ist krank, aber ich bin nicht in der Lage, daran etwas zu ändern. Meine Ärztin meinte, ein Psychologe kann mir meine Probleme nicht nehmen. Sind das Anzeichen einer Depression? Meine Arbeitskollegen sind der einzige soziale Kontakt, wenn ich Urlaub habe, ist der Höhepunkt des Tages der Besuch meines Mannes. Soll ich mir Hilfe suchen?

Antwort von Detlef Staadt:
Ihre Schilderungen sind noch kein Anzeichen für eine Depression. Vielmehr wird deutlich, dass Sie wohl sehr "pflichtbewußt" alle Arbeiten erledigen, die Ihren Mann betreffen, den Sie ... [mehr]Ihre Schilderungen sind noch kein Anzeichen für eine Depression. Vielmehr wird deutlich, dass Sie wohl sehr "pflichtbewußt" alle Arbeiten erledigen, die Ihren Mann betreffen, den Sie ganz offensichtlich sehr lieben. Das ist ein Zeichen von Stärke! Aber bei aller Liebe, die Ihnen im Moment noch die Kraft gibt, alles zu bewältigen, dürfen Sie sich selbst auf keinen Fall vergessen. Die von Ihnen beschriebenen Dinge wie Sport und das Pflegen soziale Kontakte sollten Sie unbedingt weiter in Ihren Alltag integrieren. Das alles ist wichtig, um Ihnen die Möglichkeit zur Erholung zu geben, denn diese ist wiederum notwendig, damit Sie sich auch künftig um Ihren Mann kümmern können. Ansonsten droht Ihnen schon sehr bald eine große Erschöpfung, die in ein Burn-out-Syndrom münden könnte. Daraus könnte sich dann wiederum eine Depression entwickeln. Daher sollten Sie vorbeugen und auch zu sich selbst "lieb sein". Versuchen Sie deshalb, Angehörige und Freunde in die Pflege Ihres Mannes einzubinden. [weniger]

Carmen Jux
Carmen Jux,
Fachärztin für Arbeitsmedizin u.a. mit der Zusatzausbildung Naturheilverfahren. Betriebsärztin bei der DKV Deutsche Krankenversicherung AG, Köln. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Verhaltensprävention

Frage von ALEX3:
Ist es sinnvoll, meinem Arbeitgeber einen Burn-out zu melden ?

Antwort von Carmen Jux:
Sie müssen dem Arbeitgeber nicht die genaue Diagnose mitteilen. Manchmal ist es sinnvoll, dem Chef zu sagen, mit welchen Einschränkungen eine vorliegende Erkrankung momentan verbunden ist. ... [mehr]Sie müssen dem Arbeitgeber nicht die genaue Diagnose mitteilen. Manchmal ist es sinnvoll, dem Chef zu sagen, mit welchen Einschränkungen eine vorliegende Erkrankung momentan verbunden ist. So erreicht man in der Regel ein besseres Verständnis. [weniger]

Dr. Morad Ghaemi
Dr. Morad Ghaemi,
Facharzt für Neurologie und Psychiatrie in einer Gemeinschaftspraxis in Bergheim bei Köln. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen u.a. in der Behandlung von Depressionen.

Frage von MAX:
Durch welche verschiedenen Umstände kann ein Burn-out überhaupt entstehen?

Antwort von Dr. Morad Ghaemi:
Entscheidend sind berufliche, private und persönliche Faktoren. Hinsichtlich des Berufs ist dies vor allem eine ständige und starke Überforderung, mangelnde Wertschätzung und/oder Streit mit den Kollegen. ... [mehr]Entscheidend sind berufliche, private und persönliche Faktoren. Hinsichtlich des Berufs ist dies vor allem eine ständige und starke Überforderung, mangelnde Wertschätzung und/oder Streit mit den Kollegen. Im privaten Bereich können natürlich Ehe- oder Partnerschaftsprobleme ein wichtiger Faktor sein. Im umgekehrten Fall kann ein positiver familiärer Rückhalt Probleme mit der Arbeit dagegen gut kompensieren. Nicht zuletzt spielt natürlich die persönliche Konstitution eine ganz entscheidende Rolle. Hierbei gibt es biographische, aber auch genetische Faktoren, die über die individuelle Resistenz gegenüber Stress und damit dem Risiko, von einem Burn-out betroffen zu sein, mit entscheiden. [weniger]

Christoph Andersch
Christoph Andersch,
Experte für Berufsunfähigkeitsversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth

Frage von TOM:
Die Ergo Direkt Versicherungen sind ja nicht der einzige Anbieter für Berufsunfähigkeitsversicherungen. Wie kann ich als Laie das Angebot auf dem Markt sondieren?

Antwort von Christoph Andersch:
Geeignet dafür sind Internetrecherchen über Vergleichsportale oder Publikationen unabhängiger Stellen wie beispielsweise "Finanztest". Bei einem Vergleich sollten Sie auf sehr gute Testergebnisse achten!

Carmen Jux
Carmen Jux,
Fachärztin für Arbeitsmedizin u.a. mit der Zusatzausbildung Naturheilverfahren. Betriebsärztin bei der DKV Deutsche Krankenversicherung AG, Köln. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Verhaltensprävention

Frage von TOM:
Wer kann in einem Betrieb ohne Betriebsrat die Aufgabe des Supervisors übernehmen? Sind hierfür Zusatzqualifikationen nötig?

Antwort von Carmen Jux:
In der Regel gibt es dafür einen Betriebsarzt und in großen Betrieben manchmal auch eine Sozialbetreuerin. Sehr große Betriebe leisten sich auch externe Coaches für die ... [mehr]In der Regel gibt es dafür einen Betriebsarzt und in großen Betrieben manchmal auch eine Sozialbetreuerin. Sehr große Betriebe leisten sich auch externe Coaches für die Supervision. [weniger]

Dr. Morad Ghaemi
Dr. Morad Ghaemi,
Facharzt für Neurologie und Psychiatrie in einer Gemeinschaftspraxis in Bergheim bei Köln. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen u.a. in der Behandlung von Depressionen.

Frage von BRUNO:
Ist es sinnvoll, meinen Freunden von meinen Burn-out-Problemen zu berichten ?

Antwort von Dr. Morad Ghaemi:
Engen, ausgewählten Freunden sollten Sie durchaus von Ihren Problemen berichten. Ich halte es allerdings nicht für sinnvoll, einen zu großen Kreis von Personen einzubeziehen. Die belastende ... [mehr]Engen, ausgewählten Freunden sollten Sie durchaus von Ihren Problemen berichten. Ich halte es allerdings nicht für sinnvoll, einen zu großen Kreis von Personen einzubeziehen. Die belastende Thematik nimmt dann zu viel Raum im Privatleben ein, durch zu viele unterschiedliche Ratschläge kann man unter Umständen eher noch weiter verunsichert werden. [weniger]

Detlef Staadt
Detlef Staadt,
Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut, tätig in eigener Praxis mit Kassenzulassung in Offenburg. Dozent und Supervisor in der Psychotherapeutenausbildung Würzburg. Psychodiabetologe am Klinik

Frage von MICHA:
Wie gehe ich als Angehöriger damit um, wenn ein Familienmitglied unter einem Burn-out leidet?

Antwort von Detlef Staadt:
Ein Burn-Out-Syndrom kann tatsächlich jeden Menschen treffen. Daher ist es ratsam und sinnvoll, dass Sie Ihren Verwandten nicht einfach als "krank" oder gar "behindert" betrachten. Das ... [mehr]Ein Burn-Out-Syndrom kann tatsächlich jeden Menschen treffen. Daher ist es ratsam und sinnvoll, dass Sie Ihren Verwandten nicht einfach als "krank" oder gar "behindert" betrachten. Das könnte den Stress weiter verstärken. Bleiben Sie daher gelassen und versuchen Sie dann mit ihm gemeinsam herauszufinden, was genau die Ursachen für sein Burn-Out-Syndrom sein könnten. Der Ursprung liegt oftmals darin, dass Menschen zu ehrgeizig, zu perfektionistisch oder übereifrig sind. In der Gesellschaft werden diese Einstellungen und Verhaltensweisen allerdings oft sehr positiv gesehen, was dann in einem Teufelskreis das Burn-Out-Syndrom leider weiter verstärkt. Daher sollten Sie alle Faktoren - also auch scheinbar positive - als Ursachen für den Burn-out Ihres Angehörigen in Betracht ziehen. Hilfreich ist hierzu auch das so genannte Maslach-Burnout-Inventar, das sie per Suchmaschine im Internet finden können. [weniger]

Carmen Jux
Carmen Jux,
Fachärztin für Arbeitsmedizin u.a. mit der Zusatzausbildung Naturheilverfahren. Betriebsärztin bei der DKV Deutsche Krankenversicherung AG, Köln. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Verhaltensprävention

Frage von JWRB:
Kann ein Burn-out ambulant behandelt werden oder ist immer ein Klinikaufenthalt nötig?

Antwort von Carmen Jux:
Je nach Schwere des Krankheitsbildes erfolgt eine ambulante oder stationäre Behandlung. Es ist nicht zwingend ein Klinikaufenthalt erforderlich. Sehr häufig findet eine Behandlung auch in einer ... [mehr]Je nach Schwere des Krankheitsbildes erfolgt eine ambulante oder stationäre Behandlung. Es ist nicht zwingend ein Klinikaufenthalt erforderlich. Sehr häufig findet eine Behandlung auch in einer Tagesklinik statt. Hier sollte man dem Rat des behandelnden Facharztes vertrauen, der Ihnen die geeignete Behandlungsmöglichkeit empfehlen wird. [weniger]

Dr. Morad Ghaemi
Dr. Morad Ghaemi,
Facharzt für Neurologie und Psychiatrie in einer Gemeinschaftspraxis in Bergheim bei Köln. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen u.a. in der Behandlung von Depressionen.

Frage von SWMO:
Gibt es Tests, mit deren Hilfe ich selbst feststellen kann, ob ich an einem Burn-out leide?

Antwort von Dr. Morad Ghaemi:
Es gibt allenfalls einige Hinweise auf ein Burn-out Syndrom. Diese sind allerdings sehr unspezifisch und können auch Folge einer anderen psychischen Erkrankung wie beispielsweise einer Depression ... [mehr]Es gibt allenfalls einige Hinweise auf ein Burn-out Syndrom. Diese sind allerdings sehr unspezifisch und können auch Folge einer anderen psychischen Erkrankung wie beispielsweise einer Depression sein. Insofern sollten Sie, wenn Sie bei sich den Verdacht auf ein Burn-out Syndrom haben, zunächst Ihren Hausarzt darauf ansprechen. Dieser wird Sie dann gegebenenfalls an einen Facharzt für Psychiatrie oder einen Psychotherapeuten weiterleiten. Die im Internet teilweise zu findenden "Tests" auf das Vorliegen eines Burn-out-Syndroms sind in aller Regel nicht besonders zuverlässig. [weniger]

Moderator:
Liebe Leser, wir danken Ihnen für die Teilnahme. Leider konnten wir heute nicht alle Fragen beantworten, wir hoffen aber, dass Sie Ihre Frage oder zumindest eine ähnliche beantwortet vorgefunden haben. Für heute verabschieden wir uns von Ihnen und wünschen einen schönen Abend. Bis zum nächsten Mal.