Chat-Protokoll

15.11.2017:

Testosteron

Testosteron - wie wichtig ist das Männerhormon?

Wie wichtig ist das Männerhormon?

Das Sexualhormon Testosteron macht den Mann erst zum Mann: Es sorgt für die Entwicklung der Geschlechtsorgane, fördert Wachstum und Muskelmasse, macht die Stimme tief und lässt den Bart sprießen. Lebenslang wird es für die Spermienproduktion und eine gesunde Libido benötigt. Doch das Männerhormon hat noch weitere wichtige Aufgaben: Es verbessert Konzentration und Vitalität, beugt Schlafstörungen vor und hemmt die Anlagerung von ungesundem Bauchfett. Damit unterstützt es die Prävention gegen das gefährliche metabolische Syndrom, das zu Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall führen kann. Ein Testosteronmangel kann die Gesundheit daher erheblich beeinträchtigen. Und der ist nicht selten, denn etwa ab dem 40. Lebensjahr nimmt der Testosteronspiegel kontinuierlich ab. Woran Männer einen Testosteronmangel erkennen, wer besonders gefährdet ist und wann eine medikamentöse Behandlung angezeigt ist – diese und alle anderen Fragen rund um das Thema Männergesundheit werden hier am 15.11.17 beantwortet.

Die Experten

Prof. Dr. med. Frank Sommer
Prof. Dr. med. Frank Sommer,
Urologe, Androloge und Sportmediziner, weltweit einziger Universitätsprofessor für Männergesundheit, Hamburg
Dr. med. Uwe Höller M.Sc
Dr. med. Uwe Höller M.Sc,
Facharzt für Innere Medizin und Master of Science in Präventiver Medizin mit Privatpraxis mit Schwerpunkt Männergesundheit in Bergisch Gladbach.
Prof. Dr. Michael Zitzmann
Prof. Dr. Michael Zitzmann,
Endokrinologe, Androloge und Diabetologe am Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums Münster. Dort erforscht er die Zusammenhänge zwischen Fertilität, Genetik, Sexualhormonen und metabolischen Störungen.

Moderator:
Guten Tag und herzlich willkommen bei unserem aktuellen Chat zum Thema „Testosteron“ und Männergesundheit. Unsere Experten sind jetzt bis 18 Uhr für Sie da. Wir freuen uns auf eine rege Beteiligung und sind startbereit.

Prof. Dr. Michael Zitzmann
Prof. Dr. Michael Zitzmann,
Endokrinologe, Androloge und Diabetologe am Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums Münster. Dort erforscht er die Zusammenhänge zwischen Fertilität, Genetik, Sexualhormonen und metabolischen Störungen.

Frage von MUSIKER:
Ich merke seit geraumer Zeit, dass ich nicht mehr soviel Lust auf Sex habe wie früher. Meine Frau merkt das natürlich und bezieht es auf sich. Dabei liegt es bestimmt nicht an ihr. Sollte ich auch mal meine Hormone testen lassen? Ich dachte nämlich immer, meine Unlust kommt von zuviel Stress...

Antwort von Prof. Dr. Michael Zitzmann:
Selbstverständlich kann ein Libido-Verlust, wie Sie ihn schildern, durch zu viel Stress verursacht werden. Aber ein Testosteronmangel kann genau so gut die Ursache sein. Sie sollten Ihre Testosteronspiegel durch eine morgendliche Blutentnahme beim Andrologen messen lassen. Wenn diese Spiegel erniedrigt sind, könnte man auch an eine Testosteronersatztherapie denken, die Sie dann mit Ihrem Arzt planen müssten.

Prof. Dr. med. Frank Sommer
Prof. Dr. med. Frank Sommer,
Urologe, Androloge und Sportmediziner, weltweit einziger Universitätsprofessor für Männergesundheit, Hamburg

Frage von TORSTEN BELA:
Seit etwa zwei Jahren leide ich (61) zunehmend unter Antriebsschwäche und depressiven Verstimmungen. Mein Hausarzt erwägt eine Behandlung mit Antidepressiva. Jetzt habe ich aber über die Symptome eines Testosteronmangels gelesen und festgestellt, dass praktisch alle bei mir zutreffen. Sollte ich das nicht erst abklären lassen, bevor ich Antidepressiva einnehme?

Antwort von Prof. Dr. med. Frank Sommer:
Ja, das ist sinnvoll, wenn Sie Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Libidoreduktion, Erektionsschwäche oder eine Abnahme der Muskelkraft bei sich feststellen. Studien konnten zeigen, dass durch einen Testosteronmangel hervorgerufene depressive Verstimmungen sich unter einer hormonellen Therapie verbessern. Allerdings kann dies ein paar Monate dauern.

Dr. med. Uwe Höller M.Sc
Dr. med. Uwe Höller M.Sc,
Facharzt für Innere Medizin und Master of Science in Präventiver Medizin mit Privatpraxis mit Schwerpunkt Männergesundheit in Bergisch Gladbach.

Frage von SCHMIDT:
Nach einem Oberschenkelhalsbruch wurde bei mir (m, 77) eine fortgeschrittene Osteoporose festgestellt, gegen die ich jetzt Medikamente und Vitamin D bekomme. Jetzt habe ich gelesen, dass auch ein Testosteronmangel Osteoporose fördern kann. Hat es in meinem Alter noch Sinn, das zu testen und vielleicht Testosteron zu ergänzen?

Antwort von Dr. med. Uwe Höller M.Sc:
Osteoporose kann eine Folge von Testosteronmangel sein. Liegt ein Mangel vor, ist eine Testosteronbehandlung nach Ausschluss der Gegenanzeige "aktives Prostatakarzinom" unabhängig von Ihrem Alter indiziert. Die Nebenschilddrüse sollte überprüft werden, falls noch nicht geschehen.

Prof. Dr. med. Frank Sommer
Prof. Dr. med. Frank Sommer,
Urologe, Androloge und Sportmediziner, weltweit einziger Universitätsprofessor für Männergesundheit, Hamburg

Frage von FRANZ:
Bei einer OP - Schilddrüsenkarzinom - wurden mir die komplette Schilddrüse sowie die Calciumdrüse entfernt. Seitdem nehme ich L-Thyroxin im Wechsel 175g/150g. Desweiteren hatte ich eine Hydrocele, welche auch operativ entfernt wurde. Wo kann ich meinen Testosteronspiegel und den Hormonhaushalt zuverlässig überprüfen lassen?

Antwort von Prof. Dr. med. Frank Sommer:
Ich empfehle Ihnen, zu einer umfassenden hormonellen Untersuchung bei einem Facharzt für Endokrinologie zu gehen. Hier können dann entsprechende Laborparameter je nach den Symptomen, die Sie schildern, abgenommen werden. Entsprechend des Resultats werden Sie dann von Ihrem Arzt therapiert.

Prof. Dr. Michael Zitzmann
Prof. Dr. Michael Zitzmann,
Endokrinologe, Androloge und Diabetologe am Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums Münster. Dort erforscht er die Zusammenhänge zwischen Fertilität, Genetik, Sexualhormonen und metabolischen Störungen.

Frage von WULF BERGER:
Haben blutdrucksenkende Mittel einen Einfluss auf die Potenz?

Antwort von Prof. Dr. Michael Zitzmann:
Ja, das kann der Fall sein. Bei Potenzproblemen sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Kardiologen eine andere, geeignetere Wirkstoffkombination finden. Zudem können Potenzprobleme auch durch andere Ursachen als Bluthochdruck ausgelöst werden. Dies können hohe Blutfette und hoher Blutzucker sein. Sie sollten sich in dieser Hinsicht einmal ausführlich untersuchen lassen.

Dr. med. Uwe Höller M.Sc
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Facharzt für Innere Medizin und Master of Science in Präventiver Medizin mit Privatpraxis mit Schwerpunkt Männergesundheit in Bergisch Gladbach.

Frage von MARIA W.:
Welche Arten der Lebensführung führen dazu, dass die Männergesundheit möglichst lange erhalten bleibt?

Antwort von Dr. med. Uwe Höller M.Sc:
Bewegung ist wichtig, unabhängig von der Intensität. Es kommt eher darauf an, regelmäßig moderaten Sport zu treiben, als einen Marathon unter vier Stunden zu laufen. Regelmäßige sexuelle Aktivität und eine stabile Zweierbeziehung verlängern ebenfalls das Männerleben. Für die Ernährung gilt: morgens Kohlenhydrate, abends Eiweiß, viel Gemüse, wenig Obst, möglichst helles Fleisch, zum Beispiel Geflügel, regelmäßige Mahlzeiten und ein- bis zweimal mal pro Woche "Dinner-Canceling". Regelmäßiger Schlaf und die Einhaltung von Arbeitspausen sind ebenfalls bedeutsam - also keine Arbeit mit nach Hause nehmen. Dazu einmal jährlich zum Check-up einschließlich der Bestimmung von PSA,Testosteron, Nüchtern-Insulin und Nüchtern-Blutzucker sowie der Schilddrüsenhormone. Das wäre schon eine gute Basis.

Prof. Dr. med. Frank Sommer
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Urologe, Androloge und Sportmediziner, weltweit einziger Universitätsprofessor für Männergesundheit, Hamburg

Frage von DESIREE:
Mein Vater hat seit ca. 8 Jahren Depressionen. Es kommt immer mal wieder, kann aber auch mehrere Monate gut sein, bevor wieder eine schlechte Phase kommt. Er bekommt dann Medikamente und wird krank geschrieben, hat auch schon eine Kur hinter sich. Man hat das nie eingehender untersucht, instabile Psychen liegen in der Familie, meine Oma hatte Schizophrenie. Könnte diese Depression aber auch am Testosteronmangel liegen? Mein Vater ist 62 Jahre alt ...

Antwort von Prof. Dr. med. Frank Sommer:
Ohne Frage ist es ratsam, ein Hormon-Profilbild, zu dem auch Testosteron gehört, bei Ihrem Vater durchzuführen. Sicherlich wird der betreuende Arzt die Diagnostik vorantreiben. Es klingt allerdings eher so, dass die Symptome Ihres Vater nicht hormonabhängig sind. Aber für solch eine Aussage ist eine weiterführende Untersuchung notwendig.

Prof. Dr. Michael Zitzmann
Prof. Dr. Michael Zitzmann,
Endokrinologe, Androloge und Diabetologe am Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums Münster. Dort erforscht er die Zusammenhänge zwischen Fertilität, Genetik, Sexualhormonen und metabolischen Störungen.

Frage von MICHAELA (53):
Mein Mann (56) ist in letzter Zeit so komisch aggressiv - kann das damit zusammenhängen, dass er Testosteron bekommt?

Antwort von Prof. Dr. Michael Zitzmann:
Testosterongaben können dazu führen, dass sich die Persönlichkeit ändert. Für eine Beziehung kann dies eine Belastung darstellen. Es ist die Frage, ob Ihr Mann vor der Testosterontherapie auch schon Tendenzen zur Aggression hatte, oder ob er in dieser Zeit eher ein passiver Mensch gewesen ist. In jedem Fall empfehle ich Ihnen, in dieser Situation auch eine Paartherapie durchzuführen. Die Gründe für die Testosterongabe sind mir ja nicht bekannt, darum kann ich nichts weiter dazu sagen.

Prof. Dr. med. Frank Sommer
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Urologe, Androloge und Sportmediziner, weltweit einziger Universitätsprofessor für Männergesundheit, Hamburg

Frage von WOLFGANG:
Ich fühle mich in letzer Zeit oft abgeschlagen und müde. Zugenommen habe ich auch. Ich habe mir allerdings nichts dabei gedacht, bis ich den Bericht gelesen habe. Sollte ich auch mal meine Hormone testen lasen? Und wie läuft ein solcher Test ab?

Antwort von Prof. Dr. med. Frank Sommer:
Es ist sicherlich eine gute Idee, die Hormone, insbesondere Testosteron, testen zu lassen. Ein Hormonmangel könnte Ihre Symptome erklären, aber Ihr behandelnder Arzt muss dieses feststellen. Am besten gehen Sie morgens zwischen 8 und 10 Uhr zu Ihrem Arzt und lassen Ihr Hormonprofil bestimmen. Anhand der Blutparameter und eines Gesprächs, dem gegebenenfalls körperliche Untersuchungen folgen, kann Ihr Arzt feststellen, ob Sie beispielsweise Testosteron benötigen oder eine andere Therapie.

Dr. med. Uwe Höller M.Sc
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Facharzt für Innere Medizin und Master of Science in Präventiver Medizin mit Privatpraxis mit Schwerpunkt Männergesundheit in Bergisch Gladbach.

Frage von MAUS:
Woran erkennen mein Mann und ich den Mangel und wie kann diesem ohne extreme "Chemie" entgegengewirkt werden?

Antwort von Dr. med. Uwe Höller M.Sc:
Schlafstörungen sind das Kardinalsymptom der Männer mit Testosteronmangel. Dazu kommen fehlender Antrieb, unklare Müdigkeit, sexuelle Unlust, Muskelmassenverlust, Gewichtszunahme vor allem im Bauchbereich, Fettstoffwechselstörungen oder eine diabetische Stoffwechsellage. Die Beseitigung einer Schlafapnoe zum Beispiel kann auch ohne extreme "Chemie" zu einer Verbesserung der Hormonspiegel führen. Gestatten Sie mir ein Wort zur "Chemie": Eine bioäquivalente und bioidentische Hormonersatztherapie bedeutet die Wiederherstellung eines normalen Zustandes mit Substanzen, die der Körper kennt, das ist keine "Chemie". Sie ist eher vergleichbar mit der Hormontherapie bei Schilddrüsenunterfunktion.

Prof. Dr. Michael Zitzmann
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Endokrinologe, Androloge und Diabetologe am Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums Münster. Dort erforscht er die Zusammenhänge zwischen Fertilität, Genetik, Sexualhormonen und metabolischen Störungen.

Frage von BINE J.:
Mein Partner hat seit fast einem Jahr Erektionsstörungen, was mich und unsere Beziehung sehr belastet. Er zieht sich immer mehr zurück. Was kann dahinter stecken? Könnte ihm Progesteron helfen? Und wie bringe ich ihn dazu, zum Arzt zu gehen? Mein Problem ist, dass mein Freund über die Sache eigentlich gar nicht reden will.

Antwort von Prof. Dr. Michael Zitzmann:
Die Gabe von Progesteron beim Mann führt dazu, dass die Hormonachsen herunterreguliert werden, und dann entsteht noch weniger Testosteron. Viel mehr ist die Gabe von Testosteron bei einem nachgewiesen Mangel an diesem Hormon indiziert. Die Beschwerden, die Sie schildern, deuten durchaus darauf hin, dass ein Testosteronmangel bestehen könnte. Sie sollten den Spiegel bei einem Andrologen bestimmen lassen. Erektionsprobleme können aber auch ganz andere Ursachen haben, dazu gehören auch ein Diabetes mellitus und Schäden am Herz-Kreislaufsystem. Ihr Partner sollte sich auch in dieser Hinsicht von Fachärzten (Diabetologe, Kardiologe) untersuchen lassen.

Prof. Dr. med. Frank Sommer
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Urologe, Androloge und Sportmediziner, weltweit einziger Universitätsprofessor für Männergesundheit, Hamburg

Frage von JOACHIM (70):
Natürlich merke ich jetzt manchmal die Zeichen des Alters, bin schon mal schneller kaputt oder mir sind gewisse Dinge zu anstrengend. Sex ist mir nicht mehr so wichtig. Sollte ich jetzt vorsichtshalber einen Test machen lassen, um den Testosteronspiegel zu überprüfen?

Antwort von Prof. Dr. med. Frank Sommer:
Es könnte sein, dass Sie einen Testosteronmangel haben. Aber für Ihre Symptome können auch andere Ursachen verantwortlich sein. Bitte stellen Sie sich bei dem Arzt Ihres Vertrauens vor, um Ihre Symptome abklären zu lassen. Normalerweise erfolgt ein spezielles Gespräch, eine körperliche Untersuchung und eine Blutabnahme. Und gegebenenfalls wird Ihr Arzt weitere (apparative) Untersuchungen veranlassen. Nach gestellter Diagnose kann dann die gezielte Therapie erfolgen.

Dr. med. Uwe Höller M.Sc
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Facharzt für Innere Medizin und Master of Science in Präventiver Medizin mit Privatpraxis mit Schwerpunkt Männergesundheit in Bergisch Gladbach.

Frage von SPAHR-W.:
Bei mir liegt vermutlich ein Testosteronmangel vor. Ich habe gelesen, dass eine Testosterontherapie Risiken birgt. Was ist die optimale Dosis, um diese Risiken möglichst gering zu halten und welche Art der Behandlung würden Sie mir empfehlen?

Antwort von Dr. med. Uwe Höller M.Sc:
Eine kontrollierte Testosterontherapie ist recht wenig risikobehaftet. Der optimale Dosisbereich ist individuell unterschiedlich, sodass man auf Laborkontrollen angewiesen ist. Für eine besonders risikoarme Behandlung sollten die Testosteronspiegel in den mittleren Normbereich angehoben werden. Dafür muss bei Gelen die Dosis angepasst werden, zum Beispiel auf zwei bis drei Hübe Testosteron-Gel aus einem Dosierspender täglich. Bei Testosteronspritzen reguliert man die Dosis durch die Häufigkeit der Injektionen. Ich würde eine Behandlung mit Gel vorziehen, da so individueller und feiner dosiert werden kann.

Prof. Dr. Michael Zitzmann
Prof. Dr. Michael Zitzmann,
Endokrinologe, Androloge und Diabetologe am Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums Münster. Dort erforscht er die Zusammenhänge zwischen Fertilität, Genetik, Sexualhormonen und metabolischen Störungen.

Frage von HOBBIT:
Ich (29) bin für einen Mann recht klein und auch schmal gebaut. Kann das an den Hormonen liegen und könnte eine Testosterontherapie mir helfen, einen kräftigeren Körperbau zu bekommen?

Antwort von Prof. Dr. Michael Zitzmann:
Der Körperbau ist mit Sicherheit erblich bedingt. Ein Wachstum durch Testosterongabe ist hier nicht möglich. Aber durch Sport und eine vernünftige Ernährung können Sie auch bei geringer Körpergröße einen muskulösen Körper entwickeln und mehr Selbstvertrauen und Sicherheit gewinnen. Eine Testosterongabe ohne einen Mangel an diesem Hormon ist nicht regelrecht.

Prof. Dr. med. Frank Sommer
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Urologe, Androloge und Sportmediziner, weltweit einziger Universitätsprofessor für Männergesundheit, Hamburg

Frage von OLGA:
Mein Mann hat immer weniger Lust auf Sex. Er sagt, das liege am beruflichen Stress. Er sei im Kopf nicht frei. Ich denke eher, dass ein Testosteronmangel dahinter stecken könnte. Doch wie finden wir das heraus? Ist ein Hormonstatus wirklich aussagekräftig? Und wie steuert man gegebenenfalls dagegen?

Antwort von Prof. Dr. med. Frank Sommer:
Es muss ein Arztbesuch erfolgen. Hierbei sind ein längeres Gespräch, eine körperliche Untersuchung und natürlich die Bestimmung von Blutparametern ganz wichtig. Gegebenenfalls erfolgen dann noch weitere Untersuchungen. Beim Arzt kann festgestellt werden, ob ein Testosteronmangel mit entsprechenden Symptomen vorliegt. Falls das gegeben ist und nichts dagegen spricht, kann eine entsprechende Therapie erfolgen. Länger bestehender Stress kann auch dazu führen, dass die Testosteronproduktion vermindert wird.

Moderator:
Liebe User, heute werden wirklich viele Fragen gestellt. Dieser Chat ist moderiert. Das heißt, alle Fragen gehen zunächst an den Moderator, der sie nach Sichtung an die Experten zur Beantwortung weiterleitet. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass vorrangig die Fragen beantwortet werden, die für möglichst viele User interessant sind.

Dr. med. Uwe Höller M.Sc
Dr. med. Uwe Höller M.Sc,
Facharzt für Innere Medizin und Master of Science in Präventiver Medizin mit Privatpraxis mit Schwerpunkt Männergesundheit in Bergisch Gladbach.

Frage von ANDR EAS:
Kann man etwas tun, um den Testosteronabbau zu bremsen bzw. ihm vorzubeugen? Auf was sollte man achten?

Antwort von Dr. med. Uwe Höller M.Sc:
Ja, kann man. Alkohol kann die Testosteronproduktion ebenso herunterfahren wie ein unbehandelter Bluthochdruck. Die Aktivierung des Renin-Angiotensin-Systems sorgt über den AT1-Rezeptor für eine Reduktion der Testosteronproduktion im Hoden. Der Hochdruck sollte dann konsequenterweise mit AT-1-Blockern behandelt werden, diese enden immer auf "-sartan". Im Fettgewebe wird Testosteron in Estradiol umgewandelt, und dieser Prozess führt zum "Bierbauch" und zum "Bierbusen". Das dazugehörige Enzym ist die Aromatase. Kreuzblütler wie Broccoli sind natürliche Aromatasehemmer, Haferflocken senken die Konzentration des Transportproteins SHBG und Grapefruitsaft hemmt Cytochrom P450 3A4, das ebenfalls Testosteron abbaut. Empfehlung: regelm. moderater Sport, regelm. entspannter Sex, kein Bier, wenig Gesamtalkohol und die o.g. Nahrungsmittel in den Speiseplan einbauen

Prof. Dr. med. Frank Sommer
Prof. Dr. med. Frank Sommer,
Urologe, Androloge und Sportmediziner, weltweit einziger Universitätsprofessor für Männergesundheit, Hamburg

Frage von MATTHIAS:
Bei mir wurde kürzlich ein Testosteronwert von 6,9 ng/l gemessen. Ist das ok oder zu wenig? Ich bin 53.

Antwort von Prof. Dr. med. Frank Sommer:
Der internationale Grenzwert liegt bei unter 3,5 ng/l. Aber das freie, biologisch aktive Testosteron ist wichtig. Falls Sie Symptome haben, wie beispielsweise Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schlafstörungen, Libido-Verlust und/oder Errektionsstörungen, sollten Sie das freie biologisch aktive Testosteron bestimmen lassen. Hierzu muss ihr behandelnder Arzt den Gesamttestosteron-, Albumin- und den SHBG-Wert testen. Hieraus kann er dann ihr freies, biologisch aktives Testosteron errechnen und sehen, ob Sie einen entsprechenden Mangel haben.

Prof. Dr. Michael Zitzmann
Prof. Dr. Michael Zitzmann,
Endokrinologe, Androloge und Diabetologe am Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums Münster. Dort erforscht er die Zusammenhänge zwischen Fertilität, Genetik, Sexualhormonen und metabolischen Störungen.

Frage von WULF:
Ich leide seit einiger Zeit unter Schwitzen und Hitzewallungen. Kann daran ein Testosteronmangel schuld sein?

Antwort von Prof. Dr. Michael Zitzmann:
Auf jeden Fall kann ein Testosteronmangel an solchen Problemen beim Mann schuld sein. Es gilt dann allerdings, nicht nur den Testosteronspiegel, sondern auch die Steuerungshormone aus der Hirnanhangdrüse zu bestimmen. Und man sollte nicht vergessen, dass auch Schilddrüsenstörungen solche Beschwerden verursachen können.

Dr. med. Uwe Höller M.Sc
Dr. med. Uwe Höller M.Sc,
Facharzt für Innere Medizin und Master of Science in Präventiver Medizin mit Privatpraxis mit Schwerpunkt Männergesundheit in Bergisch Gladbach.

Frage von LUCIA:
Ich mache mir Sorgen, weil mein Mann gesundheitliche Probleme hat, vor allem Bluthochdruck und Gichtanfälle. Er ist 57 Jahre alt und nimmt immer mehr zu. Er denkt aber nicht daran, mehr Sport zu treiben und gesünder zu leben. Er besteht darauf, jeden Tag Fleisch oder Wurst zu essen. Wie kann ich meinen Mann unterstützen, seine Lebensweise zu ändern? Auf was sollte ich bei der Ernährung achten, wenn ich einkaufe und koche?

Antwort von Dr. med. Uwe Höller M.Sc:
Niemand kann irgendjemand zu irgend etwas bringen. Die Erkenntnis muss von selbst kommen und sich daraus ein Antrieb entwickeln. Sonst kaufen Sie "gesund" ein und ihr Mann isst heimlich Currywurst und Pommes. Da hilft der mahnende Finger oder der vernünftige Appell in aller Regel nichts. Sie können Ihrem Mann vielleicht helfen, indem Sie ihm signalisieren, dass Sie ihn unterstützen, wenn ER das will. Zum Beispiel: "Du wirst mit mir darin übereinstimmen, dass Deine Ernährung alles andere als günstig für Dich ist. Ich will Dir da nicht reinreden, aber wenn ich Dir etwas anderes kochen soll, lass es mich wissen." Hinter jeder psychischen Reaktion steht ein biologisches Substrat. Es gibt Stoffwechselprozesse, die den Betroffenen dazu zwingen, bestimmte Nahrungsmittel zu konsumieren. Eine Ursache kann ein Testosteronmangel sein. Männer sind medizinischen Maßnahmen in aller Regel zugänglicher, wenn man etwas messen kann.

Prof. Dr. med. Frank Sommer
Prof. Dr. med. Frank Sommer,
Urologe, Androloge und Sportmediziner, weltweit einziger Universitätsprofessor für Männergesundheit, Hamburg

Frage von PETRUS:
Ich habe gelesen, dass Übergewicht ein Anzeichen für Testosteronmangel sein kann. Ist es anders herum auch so, dass Übergewicht den Testosteronspiegel senkt? Ich bin 63 und bekomme mein Gewicht (fast 100 kg) seit Jahren nicht in den Griff. Seit einiger Zeit habe ich Probleme mit der Libido und bin insgesamt weniger belastbar. Ich muss also etwas tun. Reicht es, wenn ich abnehme? D.h. steigt der Testosteronspiegel dann automatisch wieder? Oder sollte ich mich mit Testosteron behandeln lassen?

Antwort von Prof. Dr. med. Frank Sommer:
Es könnte sein, dass Sie sich bei einer Reduktion Ihres Bauchumfanges wieder besser fühlen. Das "gefährliche" Bauchfett kann Testosteron in weibliche Hormone verstoffwechseln, daher würde auch Ihr Testosteronspiegel im Blut sinken. Wenn Sie weniger von diesem gefährlichen Bauchfett haben, hätten Sie wahrscheinlich höhere Testosteronwerte im Blut. Manche Männer schaffen es aber nicht, aus eigenem Antrieb den Bauchumfang zu reduzieren, da ihr Testosteronwert zu niedrig ist, um beispielsweise körperlich aktiv zu werden. Es kann deshalb hilfreich sein, bei diagnostiziertem Testosteronmangel für einen definierten Zeitraum dem Körper Testosteron von außen zuzuführen. Dann kommt man in die Gänge, baut Muskeln auf, nimmt an Körperfett ab und kann irgendwann versuchen, ohne das zugeführte Testosteron ein zufriedenes Leben zu führen.

Prof. Dr. Michael Zitzmann
Prof. Dr. Michael Zitzmann,
Endokrinologe, Androloge und Diabetologe am Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums Münster. Dort erforscht er die Zusammenhänge zwischen Fertilität, Genetik, Sexualhormonen und metabolischen Störungen.

Frage von WALTER S.:
Ich benutze seit einem Monat ein Testosteron-Gel, fühle mich seitdem auch viel besser und habe wieder Lust auf Sex. Aber jetzt hat meine Frau Angst, Testosteron „abzukriegen“, wenn wir Hautkontakt haben. Besteht da eine Gefahr, und wie gehe ich am besten damit um?

Antwort von Prof. Dr. Michael Zitzmann:
Im Prinzip ist eine Übertragung tatsächlich möglich. Daher sollte man das Gel besser morgens auftragen und abends duschen. Dann ist eine Übertragung bei Körperkontakt praktisch ausgeschlossen.

Dr. med. Uwe Höller M.Sc
Dr. med. Uwe Höller M.Sc,
Facharzt für Innere Medizin und Master of Science in Präventiver Medizin mit Privatpraxis mit Schwerpunkt Männergesundheit in Bergisch Gladbach.

Frage von JULIUS_L:
Ich bin 69 Jahre alt und herzkrank. Kann ich trotzdem Testosteron einnehmen?

Antwort von Dr. med. Uwe Höller M.Sc:
Ja, aber Sie sollten es nicht einnehmen, sondern als Gel auftragen oder sich injizieren lassen. Voraussetzung ist der Nachweis eines Testosteronmangels mit entsprechenden Symptomen, das Alter spielt keine Rolle. Testosteron kann zu einer Erhöhung des Blutdrucks führen, daher sind regelmäßige Blutdruckkontrollen notwendig. Gegebenenfalls kann die Anpassung einer bestehenden Blutdruckmedikation notwendig sein. Testosteron schützt die Gefäße und wirkt muskelaufbauend, eine Überprüfung der Testosteronspiegel morgens nüchtern und eine Überprüfung der Behandlungsindikation sollten auf jeden Fall erfolgen. Sprechen Sie Ihren Hausarzt darauf an.

Prof. Dr. med. Frank Sommer
Prof. Dr. med. Frank Sommer,
Urologe, Androloge und Sportmediziner, weltweit einziger Universitätsprofessor für Männergesundheit, Hamburg

Frage von AMETEK:
Ich habe schon länger Schlafstörungen, mein Bauchfett bekomme ich auch nicht in den Griff, Stimmungsschwankungen und leichte Erinnerungslücken sind auch vorhanden. Nur mit der Potenz habe ich keine Probleme, das klappt noch lang und regelmäßig. Kann es trotzdem sein, dass ich Testosteronmangel habe, weil ich die anderen Symptome habe?

Antwort von Prof. Dr. med. Frank Sommer:
Ja, es kann durchaus sein, dass Sie einen Testosteronmangel haben. Ich empfehle Ihnen, zu dem Arzt Ihres Vertrauens zu gehen.

Prof. Dr. Michael Zitzmann
Prof. Dr. Michael Zitzmann,
Endokrinologe, Androloge und Diabetologe am Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums Münster. Dort erforscht er die Zusammenhänge zwischen Fertilität, Genetik, Sexualhormonen und metabolischen Störungen.

Frage von FRITZ H.:
Was kann man denn tun, um diesem metabolischen Syndrom vorzubeugen?

Antwort von Prof. Dr. Michael Zitzmann:
Das Metabolische Syndrom hat mehrere Komponenten, nämlich Übergewicht, hohe Blutfette und hohen Blutzucker. Ein Sportprogramm, das Ihnen Spaß macht und eine Diät, bei der abends weniger Kohlenhydrate aufgenommen werden, können hier sehr hilfreich sein. Da ein Testosteronmangel zur Entwicklung eines Metabolischen Syndroms beiträgt, sollten Sie den Testosteronspiegel bei einem Andrologen bestimmen lassen.

Dr. med. Uwe Höller M.Sc
Dr. med. Uwe Höller M.Sc,
Facharzt für Innere Medizin und Master of Science in Präventiver Medizin mit Privatpraxis mit Schwerpunkt Männergesundheit in Bergisch Gladbach.

Frage von WUNSCHKIND:
Seit bei mir ein altersbedingter Hypogonadismus festgestellt wurde, bekomme ich ein Testosteron-Gel, mit dessen Wirkung ich sehr zufrieden bin. Aber wie lange kann ich das eigentlich anwenden?

Antwort von Dr. med. Uwe Höller M.Sc:
Die empfohlene Anwendungsdauer für Testosteron-Gel liegt zwischen neun und 24 Monaten, danach sollte ein Auslassversuch gemacht werden. Der Zeitraum ist darin begründet, dass die volle Wirkung erst nach neun Monaten eintritt. Je nach Alter ist es aber durchaus vertretbar, die Behandlung unter kontrollierten Bedingungen auch über längere Zeiträume fortzusetzen.

Dr. med. Uwe Höller M.Sc
Dr. med. Uwe Höller M.Sc,
Facharzt für Innere Medizin und Master of Science in Präventiver Medizin mit Privatpraxis mit Schwerpunkt Männergesundheit in Bergisch Gladbach.

Frage von MüLLER-WEGNER:
Bei mir wurde kürzlich ein Testosteronmangel festgestellt, und der Arzt hat mir die Behandlung mit einem Hormon-Gel empfohlen. Nun möchten meine Frau (36) und ich (45) aber noch ein Kind haben, und ich habe Angst, durch die Behandlung unfruchtbar zu werden, wie man es ja häufig von Bodybuildern hört. Was raten Sie mir?

Antwort von Dr. med. Uwe Höller M.Sc:
Unter der Behandlung mit Testosteron sinkt ein wesentliches Hormon für die Spermienbildung ab. So werden weniger Spermien produziert, man wird partiell unfruchtbar. Mit Absetzen des Testosteron-Gels normalisieren sich die Hormonspiegel allerdings innerhalb von einigen Monaten wieder. Bodybuilder verwenden oft Testosterondosierungen, die weit über das normale Maß hinausgehen. Das kann zu einer dramatischen Verkleinerung der Hoden und zu Unfruchtbarkeit führen. Bei einer Testosteron-Ersatztherapie innerhalb der natürlichen Grenzen besteht diese Gefahr nicht.

Prof. Dr. med. Frank Sommer
Prof. Dr. med. Frank Sommer,
Urologe, Androloge und Sportmediziner, weltweit einziger Universitätsprofessor für Männergesundheit, Hamburg

Frage von NICLAS:
Ich bin erst 24 und habe einen Testosteronwert von nur 2,1 ng/ml mit entsprechenden Symptomen wie mangelnder Libido, Müdigkeit und Leistungsschwäche. Die Diagnose meines Urologen war primärer Hypogonadismus. Muss ich jetzt lebenslang Testosteron zuführen?

Antwort von Prof. Dr. med. Frank Sommer:
Grundsätzlich sollte man die Ursache kennen. Beispielsweise, ob Sie ein sogenanntes Klinefelter-Syndrom, also eine Störung der Geschlechtschromosomen haben, oder einmal eine Entzündung der Hoden mit Schädigung des Hodengewebes hatten. Wenn dies und auch die Kinderwunschfrage abgeklärt ist, ist es wahrscheinlich, dass Sie lebenslang Testosteron zuführen müssen. Sie werden dann eine Dosis erhalten, mit der Ihr Testosteronspiegel wieder im Normbereich liegt und Sie sich gut fühlen.

Prof. Dr. Michael Zitzmann
Prof. Dr. Michael Zitzmann,
Endokrinologe, Androloge und Diabetologe am Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums Münster. Dort erforscht er die Zusammenhänge zwischen Fertilität, Genetik, Sexualhormonen und metabolischen Störungen.

Frage von MICKY:
Ich bin 65, war immer sehr sportlich und bin immer noch sehr muskulös. Aber ich bekomme mein Übergewicht nicht in den Griff. Ich fahre Rad und jogge zweimal die Woche. Das Joggen macht mir mit meinen 110 Kilo (1,80 groß) inzwischen nicht mehr wirklich Spaß. Was sollte ich bei der Ernährung beachten - ich verzichte inzwischen grundsätzlich auf das Mittagessen - oder woran kann es sonst noch liegen, dass ich nicht abnehme?

Antwort von Prof. Dr. Michael Zitzmann:
Bei einer Gewichtszunahme liegt es immer an einem Ungleichgewicht zwischen verbrauchten und zugeführten Kalorien. Natürlich ist das Weglassen des Mittagessens hilfreich, aber Sie sollten darauf achten, besonders abends, nicht zu viele Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Generell ist es auch möglich, dass ein Testosteronmangel dazu beiträgt, dass weniger Kalorien verbrannt werden, und sich Bauchfett bildet. Ich empfehle Ihnen daher eine Bestimmung des Testosteronspiegels, um Ihre Situation besser beurteilen zu können.

Prof. Dr. med. Frank Sommer
Prof. Dr. med. Frank Sommer,
Urologe, Androloge und Sportmediziner, weltweit einziger Universitätsprofessor für Männergesundheit, Hamburg

Frage von MB:
Ich bin 56 und leide seit einiger Zeit unter einer geringen Libido. Auch meine Muskeln sind trotz regelmäßigem Training zurückgegangen. Könnte eine Testosterontherapie mir helfen? Meine Frau sagt, ich müsse nur mit dem Rauchen aufhören.

Antwort von Prof. Dr. med. Frank Sommer:
Vor einer Therapie steht immer die Diagnose. Gehen Sie zu einem Arzt Ihres Vertrauens und lassen sich untersuchen. Die Libidoreduktion und die Abnahme der Muskelmasse können Zeichen für einen Testosteronmangel sein. Und auch das Rauchen kann natürlich einen Einfluss darauf haben. Aber erst eine genaue Anamnese und Untersuchung zeigt, wie die Symptome am besten zu behandeln sind.

Dr. med. Uwe Höller M.Sc
Dr. med. Uwe Höller M.Sc,
Facharzt für Innere Medizin und Master of Science in Präventiver Medizin mit Privatpraxis mit Schwerpunkt Männergesundheit in Bergisch Gladbach.

Frage von LAUBER:
Ist es sinnvoll, ab einem bestimmten Alter seinen Testosteronwert regelmäßig checken zu lassen?

Antwort von Dr. med. Uwe Höller M.Sc:
Im Mittel sinken die individuellen Testosteronspiegel von Männern über die Jahrzehnte nicht ab, bei manchen allerdings deutlich. Das Absinken ist weniger mit dem Alter assoziiert als mit erworbenen Risikofaktoren wie etwa Dauerstress, Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes. Die Fachgesellschaften für Männergesundheit raten deshalb, den ersten Test möglichst früh, mit etwa 25 Jahren, machen zu lassen, um die individuellen Schwankungen über die Jahre erfassen zu können. Bei Vorliegen der genannten Risikofaktoren empfehle ich altersunabhängig jährliche Kontrollen.

Prof. Dr. Michael Zitzmann
Prof. Dr. Michael Zitzmann,
Endokrinologe, Androloge und Diabetologe am Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums Münster. Dort erforscht er die Zusammenhänge zwischen Fertilität, Genetik, Sexualhormonen und metabolischen Störungen.

Frage von KAI-UWE:
Ist das Nachlassen der Testosteronproduktion im Alter nicht etwas ganz Natürliches, das eigentlich gar nicht behandelt werden muss? Oder wann ist eine Behandlung nötig?

Antwort von Prof. Dr. Michael Zitzmann:
Ein zu starkes Nachlassen der Testosteronproduktion mit zunehmendem Alter ist ein Prozess, der nicht bei allen Männern auftritt, sondern hauptsächlich bei denen mit Übergewicht. Eine Behandlung von niedrigen Testosteronspiegeln ist dann nötig, wenn diese auch Symptome auslösen. Reine Laborwerte sollte man nicht behandeln.

Prof. Dr. med. Frank Sommer
Prof. Dr. med. Frank Sommer,
Urologe, Androloge und Sportmediziner, weltweit einziger Universitätsprofessor für Männergesundheit, Hamburg

Frage von MüLLER:
Welche Nebenwirkungen kann eine Testosterontherapie haben? Wie kritisch ist eine Hormonbehandlung für mich als Mann?

Antwort von Prof. Dr. med. Frank Sommer:
Jedes Medikament mit einer Wirkung kann auch Nebenwirkungen haben. Die Körperbehaarung kann zunehmen. Bei einigen Patienten steigt auch die Zahl der roten Blutkörperchen, wobei Ihr Arzt dies regelmäßig überprüfen würde. Andere Männer berichten über eine Gewichtszunahme durch wachsende Muskulatur oder die Ansammlung von Wasser. Auch Akne kann auftreten. Wichtig ist, dass man unter einer Testosterontherapie regelmäßig Brust und Prostata untersuchen lässt. Es kann hier nicht nur zu gutartigen Vergrößerungen kommen, sondern bereits bestehende Tumorzellen können zu weiterem Wachstum angeregt werden. Auch die Familienplanung sollte geklärt sein, denn von außen zugeführtes Testosteron verringert die Qualität und Anzahl der Spermien.

Dr. med. Uwe Höller M.Sc
Dr. med. Uwe Höller M.Sc,
Facharzt für Innere Medizin und Master of Science in Präventiver Medizin mit Privatpraxis mit Schwerpunkt Männergesundheit in Bergisch Gladbach.

Frage von KLAUS:
Stimmt es, dass man mit Sport seinen Testosteronwert steigern kann? Welche Sportarten sind zu empfehlen?

Antwort von Dr. med. Uwe Höller M.Sc:
Die Testosteronproduktion wird von zwei Faktoren reguliert: der körperlichen Aktivität und der Gewinnersituation während eines Wettkampfs. Eine aktuelle Studie hat ergeben, dass allein die stärkere körperliche Aktivität übergewichtiger Männer, auch ohne Wettkampf, zu einem deutlichen Anstieg der Testosteronspiegel führte. Ich empfehle Sportarten mit vielen wechselseitigen Fußbewegungen wie Fitness-Gymnastik, Laufen, aber auch Kraftausdauertraining.

Prof. Dr. Michael Zitzmann
Prof. Dr. Michael Zitzmann,
Endokrinologe, Androloge und Diabetologe am Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums Münster. Dort erforscht er die Zusammenhänge zwischen Fertilität, Genetik, Sexualhormonen und metabolischen Störungen.

Frage von S. BRUNNER:
Bei mir (43) wurde vor vier Jahren ein Hoden wegen Krebs entfernt. Habe ich jetzt ein höheres Risiko für einen Testosteronmangel und was kann ich dagegen tun?

Antwort von Prof. Dr. Michael Zitzmann:
Tatsächlich ist mit nur einem Hoden das Risiko für einen Testosteronmangel erhöht. Hier sollte man vor allem auf Symptome wie Libidoverlust und Antriebslosigkeit sowie einen Verlust der Muskelmasse achten. Männer, die einen Hoden durch Krebs verloren haben, sollten im Rahmen der Nachkontrollen grundsätzlich auch ihren Testosteronspiegel bestimmen lassen.

Moderator:
Vielen Dank für die rege Beteiligung. Unsere Experten beeilen sich sehr und antworten so schnell wie möglich.

Prof. Dr. med. Frank Sommer
Prof. Dr. med. Frank Sommer,
Urologe, Androloge und Sportmediziner, weltweit einziger Universitätsprofessor für Männergesundheit, Hamburg

Frage von MAIKE K.:
Mein Mann und ich haben eigentlich viel Spaß miteinander. Seit einiger Zeit hat mein Mann aber immer weniger Lust auf Sex, was mich verunsichert. Ich glaube, dass mein Mann zum Arzt gehen sollte, um sich durchchecken zu lassen. Mein Mann ist 58 und hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, kommt fast nicht mehr dazu, Sport zu treiben. Er wird immer müder, antriebsloser, schlechter gelaunt. Er lässt darüber aber nicht mit sich reden. Haben Sie einen Tipp, wie ich das Thema ansprechen könnte?

Antwort von Prof. Dr. med. Frank Sommer:
Ich schlage vor, dass Sie ansprechen, dass seine Lebensqualität durch einen Arztbesuch verbessert werden kann - das sollte eigentlich Ansporn genug sein. Ein weiterer Punkt ist, dass sich durch den Arztbesuch sein gesundheitlicher Zustand verbessert beziehungsweise über einen längeren Zeitraum auf einem guten Niveau gehalten werden kann.

Dr. med. Uwe Höller M.Sc
Dr. med. Uwe Höller M.Sc,
Facharzt für Innere Medizin und Master of Science in Präventiver Medizin mit Privatpraxis mit Schwerpunkt Männergesundheit in Bergisch Gladbach.

Frage von PETER (61):
Kann Testosteronmangel eigentlich auch lebensgefährlich sein?

Antwort von Dr. med. Uwe Höller M.Sc:
Akut ist ein Testosteronmangel nicht lebensgefährlich. Wenn Sie aber bedenken, dass ein langjähriger Testosteronmangel zu Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Prostatakrebs, Depressionen und Schlafstörungen mit entsprechender Tagesmüdigkeit führen kann, dann wird es am Ende doch "lebensgefährlich". Mit 61 hatte man genug Zeit, um eines oder mehrere der genannten Probleme zu entwickeln. Bei Vorliegen eines Testosteronmangels sollte nach diesen Erkrankungen geforscht werden.

Prof. Dr. Michael Zitzmann
Prof. Dr. Michael Zitzmann,
Endokrinologe, Androloge und Diabetologe am Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums Münster. Dort erforscht er die Zusammenhänge zwischen Fertilität, Genetik, Sexualhormonen und metabolischen Störungen.

Frage von DANIEL:
Ich fühle mich in letzter Zeit ziemlich abgeschlagen und müde, dazu schlafe ich auch nicht so gut. Ich habe das immer auf den Stress geschoben, denn ich arbeite sehr viel, noch dazu die Kinder und es ist immer was los. Kann es aber auch an Testosteronmangel liegen, dass ich mich so fühle? Soll ich mal zum Arzt gehen?

Antwort von Prof. Dr. Michael Zitzmann:
Die geschilderten Beschwerden können sehr viele Ursachen haben, sicherlich den beschriebenen Stress oder auch Schilddrüsenprobleme. Sie haben aber auch recht, ein Testosteronmangel kann solche Beschwerden ebenfalls hervorrufen. Sie sollten zur Bestimmung des Testosteronspiegels einen Andrologen aufsuchen und eventuell ist dann bei einem Testosteronmangel und den von Ihnen genannten Symptomen eine entsprechende Ersatztherapie hilfreich.

Prof. Dr. med. Frank Sommer
Prof. Dr. med. Frank Sommer,
Urologe, Androloge und Sportmediziner, weltweit einziger Universitätsprofessor für Männergesundheit, Hamburg

Frage von MAX:
Was ist zu tun, wenn man einen Testosteronmangel hat?

Antwort von Prof. Dr. med. Frank Sommer:
Ich gehe davon aus, dass Ihr Testosteronmangel von einem Arzt diagnostiziert worden ist. Je nach Ursache wird Ihr behandelnder Arzt verschiedene therapeutische Optionen nennen. Beispielsweise ist es in manchen Fällen möglich, durch gezielte körperliche Aktivität und eine spezielle Ernährungsumstellung den Testosteronspiegel wieder anzuheben. Manchmal kann man das nur dann erfolgreich umsetzen, wenn man für einen definierten Zeitpunkt Testosteron zur Antriebssteigerung erhält. In anderen Fällen kann es auch sein, dass Sie eine lebenslange Testosterontherapie benötigen. Der Arzt, der Sie betreut, wird wissen, was für Sie die richtige Behandlung ist.

Dr. med. Uwe Höller M.Sc
Dr. med. Uwe Höller M.Sc,
Facharzt für Innere Medizin und Master of Science in Präventiver Medizin mit Privatpraxis mit Schwerpunkt Männergesundheit in Bergisch Gladbach.

Frage von NEPOMUK:
Ich bin 61 und habe eigentlich immer ein schönes Sexleben mit meiner Frau gehabt. Aber seit einiger Zeit fehlt mir irgendwie die Lust, und auch mit der Erektion klappt es nicht immer. Ist das in meinem Alter einfach normal oder kann man da etwas machen?

Antwort von Dr. med. Uwe Höller M.Sc:
Erektionsstörungen und Libidoverlust bei Männern sind nicht normal, unabhängig vom Alter. Mit 61 ist es möglich, dass Sie schon das ein oder andere Medikament einnehmen, zum Beispiel gegen Bluthochdruck, Cholesterin oder Zucker. Diese Mittel können sich nachteilig auf die Libido auswirken. Die oben genannten Erkrankungen können aber auch für sich genommen zu Hormonmangelzuständen führen, die sich in den von Ihnen geschilderten Symptomen äußern können. Ich empfehle Ihnen, zur Klärung einen versierten Internisten aufzusuchen, das kann auch Ihr Hausarzt sein. In Sonderheit ginge es um: Ausschluss von Schlafapnoe, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Übergewicht. Dazu Bestimmung der Schilddrüsenparameter, von Testosteron, Prolaktin, PSA und Nüchtern-Insulin.

Prof. Dr. med. Frank Sommer
Prof. Dr. med. Frank Sommer,
Urologe, Androloge und Sportmediziner, weltweit einziger Universitätsprofessor für Männergesundheit, Hamburg

Frage von HEINZ:
Wie kann man denn einen Testosteronmangel feststellen? Ich schlafe seit einiger Zeit schlecht und habe auch zugenommen. Kann das damit zusammenhängen?

Antwort von Prof. Dr. med. Frank Sommer:
Einen Testosteronmangel kann man nur durch eine Blutabnahme und durch ein spezifisches Gespräch bei einem Arzt, beispielsweise bei einem Urologen oder Endokrinologen, feststellen. Die von Ihnen beschriebenen Symptome können auf einen Testosteronmangel hinweisen, aber Ihr Arzt muss hier die Diagnose stellen, weil auch andere Ursachen in Frage kommen.

Prof. Dr. Michael Zitzmann
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Endokrinologe, Androloge und Diabetologe am Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums Münster. Dort erforscht er die Zusammenhänge zwischen Fertilität, Genetik, Sexualhormonen und metabolischen Störungen.

Frage von HELMI:
Mich würde interessieren, ob ich Testosteron einnehmen kann, auch wenn ich Bluthochdruck und Gicht habe. Wahrscheinlich hängt beides mit meinem Übergewicht zusammen. Bringt Testosteron eigentlich was, wenn ich (Mann, 59 Jahre) abnehmen muss? Sport mache ich nicht so gerne. Außerdem sitze ich viel im Büro am Schreibtisch, habe privat wenig Zeit und bin oft am Abend oder Wochenende zu müde.

Antwort von Prof. Dr. Michael Zitzmann:
Testosteron sollte ein Mann nur nehmen, wenn auch ein Mangel an diesem Hormon nachgewiesen wurde. Daher sollten Sie Ihre Testosteronspiegel bei einem Andrologen messen lassen. Ihre Beschwerden deuten durchaus darauf hin, dass Sie einen solchen Mangel haben. Aber ohne diesen Blutwert kann man Ihnen keine Therapie empfehlen. Grundsätzlich ist es natürlich wichtig, dass man seinen Lebensstil ändert, wenn man Gewicht verlieren will. Das heißt, Sie müssen sich einen Sport suchen, der auch Ihnen abends noch viel Spaß bringt. und nach Möglichkeit sollten Sie auch ihre Ernährung umstellen.

Prof. Dr. med. Frank Sommer
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Urologe, Androloge und Sportmediziner, weltweit einziger Universitätsprofessor für Männergesundheit, Hamburg

Frage von ROLAND_B:
Ich bin 49 Jahre alt und merke in den letzten Monaten immer mehr, dass ich weniger Lust auf Sex mit meiner Frau habe. Sie beschwert sich nicht, aber ich frage mich, woran das liegt, denn bisher hatten wir immer ein reges Sexualleben und ich verstehe die Veränderung nicht ...

Antwort von Prof. Dr. med. Frank Sommer:
Haben Sie grundsätzlich festgestellt, dass Ihre sexuelle Lust (Libido) abgenommen hat? Wenn Sie dieses bejahen und noch andere Symptome wie beispielsweise Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Schlafstörungen oder Zunahme des Bauchfettes haben, sollten Sie sich an den Arzt Ihres Vertrauens wenden, um einen Testosteronmangel auszuschließen.

Dr. med. Uwe Höller M.Sc
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Frage von 123:
An was merkt man, dass man einen Testosteronmangel hat?

Antwort von Dr. med. Uwe Höller M.Sc:
Schlafstörungen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, depressive Stimmung, sozial inadäquates Verhalten, Gereiztheit, Muskelmassenverlust, sexuelle Unlust, Erektionsstörungen und Gewichtszunahme sind die häufigsten Symptome.

Prof. Dr. Michael Zitzmann
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Frage von ANDIII:
Ich bin 46 Jahre alt und verliere mehr und mehr Haare, es ist schon ziemlich licht. Kann das auch mit einem Hormonmangel zusammenhängen? Und kann man den Hormonhaushalt wieder regulieren?

Antwort von Prof. Dr. Michael Zitzmann:
Der Haarverlust beim Mann ist ganz sicher im Zusammenhang mit dem zunehmenden Alter zu sehen. Es ist eher ein Zeichen für normale Testosteronspiegel, wenn das passiert.

Prof. Dr. med. Frank Sommer
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Frage von LOUIS:
Gibt es ein Blutdruckmittel, welches gleichzeitig die Potenz fördert?

Antwort von Prof. Dr. med. Frank Sommer:
Die meisten Blutdruckmittel haben einen negativen Einfluss auf die Sexualität. Es gibt aber einige wenige blutdrucksenkende Mittel, die keinen negativen Einfluss haben oder in Studien sogar eher einen positiven Einfluss auf die Potenz gezeigt haben. Bitte sprechen Sie diesbezüglich Ihren Arzt an.

Dr. med. Uwe Höller M.Sc
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Frage von GABY:
Ich bin 37, mein Lebensgefährte 55 Jahre alt. Ich möchte mehr Sex als er, er hat nicht so oft Lust. Kann das auch mit einem Testosteronmangel zu tun haben? Es war ja nicht immer so...

Antwort von Dr. med. Uwe Höller M.Sc:
Ja, Libidoverlust ist ein Symptom des Testosteronmangels bei Männern und Frauen. Sehr häufig spielen auch andere (Stoffwechsel-)Erkrankungen eine Rolle, zum Beispiel Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht. Eine Schlafapnoe sollte ausgeschlossen werden, da sich jede Form der chronischen Stressbelastung nachteilig auf die Libido auswirken kann. Letztendlich spielt auch eine Rolle, wie Sie als Paar mit der Situation umgehen. An Laboruntersuchungen halte ich Prolaktin, Testosteron, Nüchtern-Insulin, Nüchtern-Blutzucker, Cholesterin und Triglyceride zunächst für ausreichend.

Prof. Dr. Michael Zitzmann
Prof. Dr. Michael Zitzmann,
Endokrinologe, Androloge und Diabetologe am Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums Münster. Dort erforscht er die Zusammenhänge zwischen Fertilität, Genetik, Sexualhormonen und metabolischen Störungen.

Frage von WEBER:
Ich habe sehr moderaten Bluthochdruck und nehme ein Mittel dagegen, welches meine Potenz hemmt. Welches Mittel würden Sie mir empfehlen?

Antwort von Prof. Dr. Michael Zitzmann:
Manche Blutdruckmedikamente können die Potenz negativ beeinflussen. Eine Substanzgruppe, die hier sehr wenig Nebenwirkungen hat, sind die At1-Blocker. Bei Potenzproblemen sollten Sie auch andere Risikofaktoren wie hohe Blutfett- oder Blutzuckerwerte von Ihrem Facharzt abklären lassen.

Prof. Dr. med. Frank Sommer
Prof. Dr. med. Frank Sommer,
Urologe, Androloge und Sportmediziner, weltweit einziger Universitätsprofessor für Männergesundheit, Hamburg

Frage von CHRISTOPH AUS A.:
Wie läuft denn so ein Hormontest ab? Und was passiert, wenn man wirklich einen Mangel feststellt?

Antwort von Prof. Dr. med. Frank Sommer:
Gehen Sie am besten zu einem Arzt, hier erfolgt eine entsprechende Blutabnahme und ein gezieltes Gespräch. Wenn man einen Mangel feststellt, erfolgt die Therapie ursachenabhängig. In manchen Fällen reicht sogar nur eine Lebensstilveränderung aus, in anderen Fällen müssen ein Leben lang Hormone von außen zugeführt werden. Das wird Ihr Arzt, je nach Ursache, mit Ihnen besprechen.

Dr. med. Uwe Höller M.Sc
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Facharzt für Innere Medizin und Master of Science in Präventiver Medizin mit Privatpraxis mit Schwerpunkt Männergesundheit in Bergisch Gladbach.

Frage von BILLY JEAN:
Mein Mann fühlt sich in letzter Zeit nicht gut... fühlt sich oft müde und ist gereizt. Soll er auch mal einen Hormontest machen? Vielleicht ist es auch die Schilddrüse?

Antwort von Dr. med. Uwe Höller M.Sc:
Ja. Gereiztheit, sozial inadäquates Verhalten, Müdigkeit und Schlafstörungen sind Symptome eines Testosteronmangels. Testosteron gehört wie Progesteron und Estradiol zu den Neurosteroiden, wirkt also im Gehirn auf unsere Stimmung. Der "Hauptregler" sind die Schilddrüsenhormone, von daher haben Sie recht, auch diese testen zu lassen. Aus meiner Sicht ist der Ausschluss einer Schlafstörung, nicht nur einer Schlafapnoe, wichtig für die weitere Diagnostik. Zu dieser sollten neben Testosteron auch Prolaktin, PSA, Progesteron (wirkt angstlösend und schlafanbahnend) und Cortisol gehören.

Moderator:
Liebe User, unser Chat zum Thema „Testosteron“ ist jetzt zu Ende. Wir danken Ihnen herzlich für die vielen interessanten Fragen und hoffen, dass Sie befriedigende Antworten erhalten haben. Wenn Sie bei einem unserer nächsten Chats wieder hereinschauen, würden wir uns sehr freuen. Auf Wiedersehen und einen schönen Feierabend!