29.08.2013:

Parodontitis

Auslöser für Herzkrankheiten, Diabetes und Krebs?

Geht eine Parodontitis, auch Parodontose genannt, aufs Herz? Gibt es einen Zusammenhang zwischen der chronischen Zahnfleischerkrankung und anderen häufigen Krankheiten wie Diabetes, Schlaganfall oder sogar Krebs?

Dass kranke Zähne den ganzen Menschen krank machen können, wird tatsächlich mittlerweile von zahlreichen Experten behauptet. Das Thema betrifft viele: Fast die Hälfte aller erwachsenen Bundesbürger hat aufgrund mangelnder Zahnhygiene zumindest eine leichte Parodontitis. Dabei rötet sich das Zahnfleisch, schwillt an und kann bluten. Zugleich bilden sich immer tiefere Zahnfleischtaschen. Unbehandelt zerstört diese chronische bakterielle Entzündung die zahntragenden Strukturen und führt zu Zahnverlust. Doch es geht noch weiter: Parodontitis-Bakterien können über das entzündete Zahnfleisch in den Blutkreislauf gelangen und so an anderen Stellen des Körpers schweren Schaden anrichten. Woran erkenne ich eine Parodontitis? Wie sieht die Behandlung aus? Wie kann man durch eine gute Zahnpflege und Prophylaxe vorbeugen? Wer übernimmt die Kosten für die Prophylaxe? Kann ich mir im Falle eines Falles moderne Zahnmedizin wie etwa hochwertigen Zahnersatz noch leisten? Lohnt sich der Abschluss einer Zahnzusatzversicherung?

Chat-Protokoll

Moderator:
Herzlich willkommen beim Chat zum Thema „Parodontitis". Wir freuen uns auf Ihre Fragen, wir sind bereit.

Dr. Sonja H. M. Derman
Dr. Sonja H. M. Derman,
Oberärztin Sektion Parodontologie am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Zahnerhaltung und Parodontologie an der Uniklinik Köln

Frage von S.BERGER AUS WEIMAR:
Kann man auch eine Parodontose auf der Zunge haben? Ich habe seit einigen Wochen immer wieder eine Entzündung auf der Zunge.

Antwort von Dr. Sonja H. M. Derman:
Nein. Entzündungen auf der Zunge haben meist andere Ursachen. Das kann an einer veränderten Ernährung - viel saure Früchte - oder scharfen Kanten von Zähnen beziehungsweise ... [mehr]Nein. Entzündungen auf der Zunge haben meist andere Ursachen. Das kann an einer veränderten Ernährung - viel saure Früchte - oder scharfen Kanten von Zähnen beziehungsweise Prothesen liegen. Ich würde den Zahnarzt aufsuchen, wenn wieder eine solche Entzündung auftritt, und ihm das zeigen und abklären lassen. [weniger]

Kristian Popovski
Kristian Popovski,
Leiter der parodontologischen Abteilung in der Zahnarztpraxis "topDentis Cologne"

Frage von S.SUBA:
Wie kann man Zahnfleischbluten stoppen?

Antwort von Kristian Popovski:
Stoppen kann man es nur, wenn man die Ursache behebt. Es kann eine reine Zahnfleischentzündung sein, die leicht zu therapieren ist. Es kann auch etwas Ernsteres ... [mehr]Stoppen kann man es nur, wenn man die Ursache behebt. Es kann eine reine Zahnfleischentzündung sein, die leicht zu therapieren ist. Es kann auch etwas Ernsteres sein. Sie sollten das von einem Zahnarzt abklären lassen. [weniger]

Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz
Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz,
Direktor Poliklinik f. Parodontologie, Zentr. d. Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde, J. W. Goethe-Uni Frankfurt/Main, Präsident d. Dt. Gesell. f. Parodontologie e.V. (DGParo)

Frage von B.FUCHS:
Ein kleines Stück von meinem Weisheitszahn ist abgebrochen, aber ich habe keine Schmerzen und keine Probleme damit. Ich will daher ungern an diesem Zahn eine Behandlung durchführen lassen, was mich wieder viel Geld kosten würde. Nun hat sich eine kleine Zahnfleischtasche gebildet. Können sich dabei Bakterien absetzen, die sogar ins Blut gelangen? Was raten Sie mir?

Antwort von Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz:
Aus einer entzündeten Zahnfleischtasche können Bakterien jederzeit ins Blut übertreten. Wenn es nur eine kleine Zahnfleischtasche ist, geht davon kein großes Risiko aus. Aufgrund Ihrer kurzen ... [mehr]Aus einer entzündeten Zahnfleischtasche können Bakterien jederzeit ins Blut übertreten. Wenn es nur eine kleine Zahnfleischtasche ist, geht davon kein großes Risiko aus. Aufgrund Ihrer kurzen Frage ist es schwer zu beurteilen, was bei Ihnen zu tun ist. Ich rate Ihnen, einen Zahnarzt aufzusuchen und Ihre Zähne untersuchen zu lassen. Der Zahnarzt wird Ihnen dann eine Empfehlung geben können. [weniger]

Daniela Gundermann
Daniela Gundermann,
Expertin für Zahnzusatzversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth

Frage von PANAMA:
Ich habe bisher noch keine Zahnzusatzversicherung, möchte aber nun eine abschließen, da mein Zahnarzt mir eine beginnende Parodontitis diagnostiziert hat und mit aufwändigen Behandlungen zu rechnen ist. Ich gehe davon aus, dass die Diagnose schon in meiner Patientenakte vermerkt ist, somit muss ich diese auch bei der Beantragung einer Zahnzusatzversicherung angeben, richtig?

Antwort von Daniela Gundermann:
Maßnahmen die vor Versicherungsbeginn angeraten wurden, können nicht erstattet werden. Sollte der Vertrag dennoch abgeschlossen werden, erhalten Sie Leistungen für Zahnerhalt-Maßnahmen wie beispielsweise Kunststoff-Füllungen oder Inlays, ... [mehr]Maßnahmen die vor Versicherungsbeginn angeraten wurden, können nicht erstattet werden. Sollte der Vertrag dennoch abgeschlossen werden, erhalten Sie Leistungen für Zahnerhalt-Maßnahmen wie beispielsweise Kunststoff-Füllungen oder Inlays, die nach Versicherungsbeginn angeraten wurden. [weniger]

Kristian Popovski
Kristian Popovski,
Leiter der parodontologischen Abteilung in der Zahnarztpraxis "topDentis Cologne"

Frage von 76-BäR:
Ich möchte mir eine Ultraschallzahnbürste anschaffen. Allerdings habe ich empfindliches Zahnfleisch, es brennt auch bei scharfen Mundspülungen und ich leide an einer beginnenden Paradontitis. Ist eine Ultraschallbürste das richtige für mich und welche Zahnpasta empfehlen sie?

Antwort von Kristian Popovski:
Die Ultraschall-Zahnbürste ist nicht für jeden Patienten geeignet, allerdings speziell bei Parodontitis durchaus zu empfehlen. Voraussetzung ist aber die richtige Handhabung. Ich kann ihnen nur raten, ... [mehr]Die Ultraschall-Zahnbürste ist nicht für jeden Patienten geeignet, allerdings speziell bei Parodontitis durchaus zu empfehlen. Voraussetzung ist aber die richtige Handhabung. Ich kann ihnen nur raten, Ihre Zahnbürste zur nächsten Zahnreinigung bei Ihrem Zahnarzt mitzunehmen und sich dies noch mal genau erklären zu lassen. Der Schall benötigt ein Medium wie Wasser, um gut übertragen zu werden. Daher sollten sie mit halb gefülltem Mund die Zahnbürste anwenden. Nur so kommt der Schall an die richtigen Stellen. Die meisten Kollegen werden Ihnen die Parodontax-Zahnpaste empfehlen. Der Geschmack ist allerdings gewöhnungsbedürftig. [weniger]

Dr. Sonja H. M. Derman
Dr. Sonja H. M. Derman,
Oberärztin Sektion Parodontologie am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Zahnerhaltung und Parodontologie an der Uniklinik Köln

Frage von LARISSA:
Hat Parodontitis etwas mit Mundgeruch zu tun?

Antwort von Dr. Sonja H. M. Derman:
Nicht immer. Mundgeruch kann viele Ursachen haben. Eine Parodontitis macht nicht zwingend Mundgeruch, aber viel Zahnbelag - eine Ursache für Parodontitis - kann natürlich riechen. Viele ... [mehr]Nicht immer. Mundgeruch kann viele Ursachen haben. Eine Parodontitis macht nicht zwingend Mundgeruch, aber viel Zahnbelag - eine Ursache für Parodontitis - kann natürlich riechen. Viele Patienten, die regelmäßig an Mundgeruch leiden, haben aber auch Magenprobleme. [weniger]

Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz
Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz,
Direktor Poliklinik f. Parodontologie, Zentr. d. Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde, J. W. Goethe-Uni Frankfurt/Main, Präsident d. Dt. Gesell. f. Parodontologie e.V. (DGParo)

Frage von R.WISE:
Ich habe demnächst eine Parodontosebehandlung vor mir. Mein Zahnarzt will das per Ultraschall machen, es sei unblutig und weniger schmerzend. Ist das richtig?

Antwort von Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz:
Die Reinigung der Zahnfleischtaschen mit Ultraschallgeräten ist üblich und bewährt. Wenn Sie allerdings Parodontitis haben, sind Ihre Zahnfleischtaschen entzündet. Deshalb haben Sie Zahnfleischbluten und es blutet, ... [mehr]Die Reinigung der Zahnfleischtaschen mit Ultraschallgeräten ist üblich und bewährt. Wenn Sie allerdings Parodontitis haben, sind Ihre Zahnfleischtaschen entzündet. Deshalb haben Sie Zahnfleischbluten und es blutet, wenn man Ihre Zahnfleischtaschen sondiert. Wenn man jetzt bei Ihnen mit einem Ultraschallgerät in die Zahnfleischtaschen geht, um diese sauber zu machen, gehe ich davon aus, dass es bluten wird. Das ist aber nicht schlimm. Die Entzündung muss weg. Dafür müssen die Taschen sauber gemacht werden. Die gründliche Reinigung der Zahnfleischtaschen ist generell unangenehm. Mit Ultraschall geht es meistens schneller, was ja schon ein Vorteil ist. In Frankfurt geben wir den Patienten immer eine lokale Betäubung für die aktive Parodontitistherapie. [weniger]

Dr. Sonja H. M. Derman
Dr. Sonja H. M. Derman,
Oberärztin Sektion Parodontologie am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Zahnerhaltung und Parodontologie an der Uniklinik Köln

Frage von L.BIBER:
Kann man durch die richtige Ernährung Parodontose verhindern oder eine vorhandene wieder reduzieren? Was darf man essen und was sollte man lieber lassen?

Antwort von Dr. Sonja H. M. Derman:
Durch die richtige Ernährung kann man Parodontitis nicht verhindern. Sie entsteht durch ein Ungleichgewicht zwischen Bakterien und der Körperabwehr. Eine ausgewogene Ernährung ist für den gesamten ... [mehr]Durch die richtige Ernährung kann man Parodontitis nicht verhindern. Sie entsteht durch ein Ungleichgewicht zwischen Bakterien und der Körperabwehr. Eine ausgewogene Ernährung ist für den gesamten Körper wichtig. Die beste Vorbeugung vor Parodontitis ist eine gute Mundhygiene, kombiniert mit regelmäßigen Kontrollen beim Zahnarzt und professionellen Zahnreinigungen. [weniger]

Kristian Popovski
Kristian Popovski,
Leiter der parodontologischen Abteilung in der Zahnarztpraxis "topDentis Cologne"

Frage von WILL-BEREIT:
Gibt es eine Zahnpasta, die besonders zu empfehlen ist bei Parodontose?

Antwort von Kristian Popovski:
Die meisten Zahnärzte würden Ihnen wahrscheinlich die Parodontax empfehlen, sie ist die bekannteste Zahnpaste in diesem Bereich. Meist sind die empfindlichen Zahnhälse das Problem. Es eignen ... [mehr]Die meisten Zahnärzte würden Ihnen wahrscheinlich die Parodontax empfehlen, sie ist die bekannteste Zahnpaste in diesem Bereich. Meist sind die empfindlichen Zahnhälse das Problem. Es eignen sich also meist alle Zahnpasten, die Zahnhalsempfindlichkeiten beheben. Wichtig ist der so genannte RDA-Wert, der leider nicht auf jeder Zahnpaste zu erkennen ist. Hohe RDA-Werte sind nicht zu empfehlen, weil sie zum Abtrag der Zahnsubstanz im Zahnhalsbereich führen. [weniger]

Daniela Gundermann
Daniela Gundermann,
Expertin für Zahnzusatzversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth

Frage von MARBURGER:
Ich frage mich, ob sich für mich als Kassenpatient der Abschluss einer Zahnzusatzversicherung überhaupt lohnt. Beispiel Parodontitis: Die einschlägige Behandlung würde doch komplett von meiner Kasse übernommen, oder nicht? Wozu brauche ich da noch eine Zusatzversicherung?

Antwort von Daniela Gundermann:
Von den Kassen wird nur die "klassische" Parodontitis-Therapie übernommen. Vor- und Nachbehandlungen mit professionellen Zahnreinigungen, Speicheltests, mikrobiologische Untersuchungen und knochenaufbauende Maßnahmen werden von den Kassen nicht ... [mehr]Von den Kassen wird nur die "klassische" Parodontitis-Therapie übernommen. Vor- und Nachbehandlungen mit professionellen Zahnreinigungen, Speicheltests, mikrobiologische Untersuchungen und knochenaufbauende Maßnahmen werden von den Kassen nicht erstattet. [weniger]

Dr. Sonja H. M. Derman
Dr. Sonja H. M. Derman,
Oberärztin Sektion Parodontologie am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Zahnerhaltung und Parodontologie an der Uniklinik Köln

Frage von MARIELL:
Wie kann man dem Fortschreiten einer Parodontitis Einhalt gebieten?

Antwort von Dr. Sonja H. M. Derman:
Mit einer auf Ihr individuelles Parodontitisrisiko zugeschnittenen Parodontitistherapie. Diese besteht klassisch aus drei Phasen: Bei der Vorbehandlung geht es um die Taschenmessung, Zahnreinigung und Optimierung der ... [mehr]Mit einer auf Ihr individuelles Parodontitisrisiko zugeschnittenen Parodontitistherapie. Diese besteht klassisch aus drei Phasen: Bei der Vorbehandlung geht es um die Taschenmessung, Zahnreinigung und Optimierung der eigenen Mundhygiene im Hinblick auf die veränderte Mundsituation. Die Therapiephase danach kann sich sehr unterschiedlich gestalten. Ziel ist die Reduktion der Taschentiefe auf unter vier Millimeter und eine entzündungsfreie Situation. In der Erhaltungsphase schließlich ist je nach individuellem Parodontitisrisiko zwei- bis viermal pro Jahr eine Taschenmessung und Zahnreinigung notwendig, beim Wiederauftreten von Taschen auch deren Therapie. Ziel der Therapie ist es, das Voranschreiten der Parodontitis zu stoppen, bzw. in einigen schweren Fällen zu verlangsamen. [weniger]

Kristian Popovski
Kristian Popovski,
Leiter der parodontologischen Abteilung in der Zahnarztpraxis "topDentis Cologne"

Frage von HANS R. WIESE:
Gibt es eine Zahncreme gegen Parodontitis?

Antwort von Kristian Popovski:
Gegen Parodontitis gibt es keine Zahncreme. Es gibt aber Pasten, die bei Parodontitis empfehlenswert sind. Eine ist beispielsweise die Parodontax, der Geschmack ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Wichtig ... [mehr]Gegen Parodontitis gibt es keine Zahncreme. Es gibt aber Pasten, die bei Parodontitis empfehlenswert sind. Eine ist beispielsweise die Parodontax, der Geschmack ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Wichtig ist der sogenannte RDA-Wert, er ist leider nicht auf jeder Paste ersichtlich. Je höher dieser Wert, desto abtragender am Zahnhals ist die Paste - und deshalb umso schlechter bei Parodontitis. [weniger]

Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz
Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz,
Direktor Poliklinik f. Parodontologie, Zentr. d. Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde, J. W. Goethe-Uni Frankfurt/Main, Präsident d. Dt. Gesell. f. Parodontologie e.V. (DGParo)

Frage von WERNER:
Bei einer Parodontitisbehandlung müssen die Zahntaschen von Zahnstein gereinigt werden. Wird das ohne Betäubung gemacht? Wie muss ich mir das vorstellen?

Antwort von Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz:
Bei einer Parodontitisbehandlung werden Zahnstein und weiche bakterielle Beläge aus den Zahnfleischtaschen entfernt. Wenn das gründlich gemacht wird, ist es recht unangenehm oder auch schmerzhaft für ... [mehr]Bei einer Parodontitisbehandlung werden Zahnstein und weiche bakterielle Beläge aus den Zahnfleischtaschen entfernt. Wenn das gründlich gemacht wird, ist es recht unangenehm oder auch schmerzhaft für den Patienten. Deshalb wird die nichtchirurgische Parodontitisbehandlung bei uns in Frankfurt immer unter örtlicher Betäubung durchgeführt. [weniger]

Dr. Sonja H. M. Derman
Dr. Sonja H. M. Derman,
Oberärztin Sektion Parodontologie am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Zahnerhaltung und Parodontologie an der Uniklinik Köln

Frage von ENIBAS:
Ich habe seit Ostern 2012 im Oberkiefer links und rechts jeweils eine tiefe Zahntasche, die in unregelmäßigen Abständen abwechselnd wiederkommt. Mein Zahnarzt kann sich den Grund nicht genau erklären, da ich zweimal jährlich bei ihm eine Zahnreinigung durchführen lasse und die Zähne in Ordnung sind laut Röntgenbefund. Ich putze mindestens zweimal täglich die Zähne, verwende Dentalbürstchen für die Zwischenräume und Chlorhexamed vorwiegend nur abends seit Anfang diesen Jahres. Trotz allem kommen die starken Schmerzen immer wieder. Zuletzt Ende Juli im Urlaub auf Föhr am ersten Urlaubstag. Ich habe dort einen Zahnarzt aufgesucht, der mich zunächst geröntgt hat und mir dann erklärte, dass ich eine Knochentransplantation bräuchte. Die Kasse würde das nicht bezahlen und ich könnte mit etwa 1.000 Euro rechnen. Er wollte das noch am gleichen Tag erledigen, da es wohl nur 30 bis 45 Minuten dauern würde. Ich habe mich erstmal dagegen entschieden, weil es sicher unseren Jahresurlaub beeinträchtigt hätte und ich mich gerne vorher ausführlich informiere. Mein Zahnarzt hat mir mit Spülen der Zahntasche und Einbringen einer Salbe immer sofort helfen können. Die Schmerzen waren noch am selben Tag weg und die Zahntasche ging von 14 mm auf Normaltiefe zurück. Leider hat mein Zahnarzt noch Urlaub und da ich immer noch Schmerzen habe, die ich mit Paracetamol einigermaßen unterdrücke, muss ich wohl doch nochmal zu einem anderen Zahnarzt. Ist es möglich, dass mein Problem mit Stresssituationen zusammenhängt? Es ist jedesmal aufgetreten, wenn etwa die Brustkrebsdianose meiner Mutter, die Schlaganfälle meines Vaters oder der Prostatakrebs meines Schwiegervaters mich intensiv beschäftigt haben. Kann eine Allergie auch der Auslöser sein? Gibt es andere Therapien, auch solche, die ich selber bezahlen muss?

Antwort von Dr. Sonja H. M. Derman:
Es gibt zahnmedizinische Probleme, die in Stresssituationen verstärkt werden. Bei Stress wird das Immunsystem geschwächt und häufig "beißt" man dann nachts mehr auf den Zähnen herum, ... [mehr]Es gibt zahnmedizinische Probleme, die in Stresssituationen verstärkt werden. Bei Stress wird das Immunsystem geschwächt und häufig "beißt" man dann nachts mehr auf den Zähnen herum, was auch zu Problemen und Schmerzen führen kann. Ich kann Ihnen keinen genauen Rat beziehungsweise keine genaue Diagnose geben, da mir dafür trotz Ihrer detaillierten Ausführungen noch Informationen wie das Röntgenbild oder der eigene klinische Eindruck fehlen. Eine Allergie ist unwahrscheinlich. Die Therapie und deren Kosten sind von der abschließenden Diagnose abhängig. Eine wichtige Information wäre zum Beispiel auch, ob der Zahn noch "lebt" - wurzeltote Zähne können auch zu Zahnfleischtaschen führen. [weniger]

Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz
Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz,
Direktor Poliklinik f. Parodontologie, Zentr. d. Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde, J. W. Goethe-Uni Frankfurt/Main, Präsident d. Dt. Gesell. f. Parodontologie e.V. (DGParo)

Frage von BLUNA5:
Ich habe eine schwere Parodontitis-Behandlung hinter mir und soll in den nächsten Wochen noch zwei Implantate bekommen. Raten Sie mir zu einer Wartezeit, bis man damit beginnt? Das Zahnfleisch sollte sich in meinen Augen doch erst einmal gut erholen.

Antwort von Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz:
Am besten ist es, wenn die Parodontitis ausgeheilt ist, bevor Implantate gesetzt werden. Ob sie ausgeheilt ist, kann man erst wissen, wenn sechs Wochen bis drei ... [mehr]Am besten ist es, wenn die Parodontitis ausgeheilt ist, bevor Implantate gesetzt werden. Ob sie ausgeheilt ist, kann man erst wissen, wenn sechs Wochen bis drei Monate nach der Behandlung die Zahnfleischtaschen nachgemessen wurden. Je nach Implantationstechnik - geschlossene oder offene Einheilung - können die Implantate aber auch vorher gesetzt werden, das geschieht bei der geschlossenen Einheilung. Allerdings sollte die Freilegung erst dann erfolgen, wenn die tiefen Zahnfleischtaschen beseitigt wurden. Wenn Sie mit Ihrer aktuellen Kausituation gut klar kommen, sehe ich keinen Anlass zur Eile. [weniger]

Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz
Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz,
Direktor Poliklinik f. Parodontologie, Zentr. d. Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde, J. W. Goethe-Uni Frankfurt/Main, Präsident d. Dt. Gesell. f. Parodontologie e.V. (DGParo)

Frage von LO-SI-123:
Ich war letztens beim Zahnarzt und dort wurde festgestellt, dass mein unterer Schneidezahn wackelt. Ich bin 25 Jahre alt. Mein Zahnarzt ist sich nicht sicher, ob es eventuell die Weisheitszähne sind, die schieben, oder Parodontitis. Was denken Sie, können Weisheitszähne so arg schieben, dass ein anderer Zahn zu wackeln beginnt?

Antwort von Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz:
Erhöhte Beweglichkeit von Zähnen kann viele Gründe haben. So kann eine Zahnfehlstellung dazu führen, dass der Gegenzahn zu viel Kraft beim Zusammenbeißen ausübt und den Zahn ... [mehr]Erhöhte Beweglichkeit von Zähnen kann viele Gründe haben. So kann eine Zahnfehlstellung dazu führen, dass der Gegenzahn zu viel Kraft beim Zusammenbeißen ausübt und den Zahn lockert. Eine Zahnfehlstellung kann durch den Druck der Weisheitszähne ausgelöst werden. Aber auch Parodontitis kann durch Knochenabbau zu erhöhter Zahnbeweglichkeit führen. Parodontitis ist bei jungen Menschen selten, aber bei einem von 1.000 Menschen tritt in Europa die sogenannte aggressive Parodontitis auf, die insbesondere die Schneidezähne und die 1. Molaren - also die großen Backenzähne - befällt und schon während der Pubertät beginnt. Das Messen der Zahnfleischtaschentiefen und gegebenenfalls ein Röntgenbild können helfen, die Parodontitis auszuschließen. [weniger]

Daniela Gundermann
Daniela Gundermann,
Expertin für Zahnzusatzversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth

Frage von GRüNWEISS:
Kürzlich wollte ich eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, das gestaltete sich wegen der Gesundheitsfragen aber schwierig. Muss ich mit solchen Gesundheitsfragen auch rechnen, wenn ich eine Zahnzusatzversicherung abschließen will?

Antwort von Daniela Gundermann:
Bei uns werden keine Gesundheitsfragen gestellt.

Dr. Sonja H. M. Derman
Dr. Sonja H. M. Derman,
Oberärztin Sektion Parodontologie am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Zahnerhaltung und Parodontologie an der Uniklinik Köln

Frage von GABY MüLLER:
Muss ich mir Sorgen machen, wenn ich nur hin und wieder entzündetes Zahnfleisch habe, was nach wenigen Tagen von alleine wieder verschwindet?

Antwort von Dr. Sonja H. M. Derman:
Auch wenn das Zahnfleischbluten immer wieder von alleine wieder verschwindet, würde ich einen Zahnarzt aufsuchen, der ganz schnell und schmerzhaft unterscheiden kann, ob es sich um ... [mehr]Auch wenn das Zahnfleischbluten immer wieder von alleine wieder verschwindet, würde ich einen Zahnarzt aufsuchen, der ganz schnell und schmerzhaft unterscheiden kann, ob es sich um eine oberflächliche Zahnfleischentzündung - also eine Gingivitis - oder eine tiefere Zahnbettentzündung - die Parodontitis - handelt. [weniger]

Dr. Sonja H. M. Derman
Dr. Sonja H. M. Derman,
Oberärztin Sektion Parodontologie am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Zahnerhaltung und Parodontologie an der Uniklinik Köln

Frage von HERZILEIN:
In den Drogerien gibt es eine große Auswahl an Zahnpflegeprodukten, da weiß man gar nicht, was man nehmen soll. Was empfehlen Sie für die tägliche Mundpflege?

Antwort von Dr. Sonja H. M. Derman:
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Wichtig ist, dass Fluorid in der Zahnpasta ist. Wichtig ist auch, dass man die Zahnzwischenräume täglich reinigt - mit Zahnseide, ... [mehr]Das lässt sich nicht pauschal sagen. Wichtig ist, dass Fluorid in der Zahnpasta ist. Wichtig ist auch, dass man die Zahnzwischenräume täglich reinigt - mit Zahnseide, wenn die Zwischenräume eng sind, oder mit Zahnzwischenraumbürstchen. Eine Mundspüllösung ersetzt nicht das Zähneputzen, und nur wenige Präparate haben eine Wirkstoffkombination, die nachgewiesen Zahnfleischentzündungen reduzieren kann. Ihr Zahnarzt oder seine Prophylaxehelferin können Ihnen Empfehlungen geben, die auf Ihre individuelle Mundsituation zugeschnitten sind. Wenn jemand mehr Probleme mit Parodontitis hat, empfehlen wir ihm andere Präparate als einem Patienten mit viel Karies oder mit empfindlichen Zähnen. [weniger]

Kristian Popovski
Kristian Popovski,
Leiter der parodontologischen Abteilung in der Zahnarztpraxis "topDentis Cologne"

Frage von FRAU SCHMIDT:
Ich habe neulich gehört, dass man einer Parodontitis mit Xylitol vorbeugen kann, man soll damit den Mund spülen. Was halten Sie davon? Würden Sie es auch empfehlen?

Antwort von Kristian Popovski:
Mit diesem Mittel zu spülen, damit sie keine Parodontitis bekommen, halte ich für falsch. Richtig ist, dass Bakterien Zucker benötigen. Daher würde Xylit als Ersatz für ... [mehr]Mit diesem Mittel zu spülen, damit sie keine Parodontitis bekommen, halte ich für falsch. Richtig ist, dass Bakterien Zucker benötigen. Daher würde Xylit als Ersatz für Zucker, etwa bei Getränken und Nahrungsmitteln, Sinn machen, allerdings bezogen auf Karies. Den Bezug zur Parodontitis sehe ich dagegen nicht. Viel wichtiger ist eine gute Mundhygiene, regelmäßige Kontrollen und Zahnreinigungen durch den Zahnarzt. [weniger]

Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz
Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz,
Direktor Poliklinik f. Parodontologie, Zentr. d. Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde, J. W. Goethe-Uni Frankfurt/Main, Präsident d. Dt. Gesell. f. Parodontologie e.V. (DGParo)

Frage von FRäULEIN WUNDER:
Ich habe gelesen, dass sich durch eine unbehandelte Parodontitis der Blutzuckerspiegel erhöhen kann. Können Sie das bestätigen?

Antwort von Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz:
Eine schwere unbehandelte Parodontitis programmiert den Körper praktisch auf Entzündung. Chronische Entzündungen erhöhen das Risiko für Typ-2-Diabetes. Das ist die Zuckerkrankheit, die durch Übergewicht, Bewegungsmangel und ... [mehr]Eine schwere unbehandelte Parodontitis programmiert den Körper praktisch auf Entzündung. Chronische Entzündungen erhöhen das Risiko für Typ-2-Diabetes. Das ist die Zuckerkrankheit, die durch Übergewicht, Bewegungsmangel und Ernährungsgewohnheiten bedingt ist. Wenn man Diabetes hat, ist der Blutzuckerspiegel erhöht. Das heißt, das es für jeden Diabetiker von besonderem Interesse ist, eine bestehende Parodontitis behandeln zu lassen. Außerdem ist davon auszugehen, dass ein Patient mit schwerer unbehandelter Parodontitis ein höheres Risiko hat, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. [weniger]

Kristian Popovski
Kristian Popovski,
Leiter der parodontologischen Abteilung in der Zahnarztpraxis "topDentis Cologne"

Frage von HERMANN:
Ich hab schon seit einiger Zeit auf der rechten Seite wundes Zahnfleisch. Jedesmal wenn ich die Zähne putze, reißt es wieder auf und blutet. Was raten Sie mir, könnte das Parodontitis sein?

Antwort von Kristian Popovski:
Eventuell könnte es tatsächlich eine Parodontitis sein. Das Aufreißen des Zahnfleisches ist mit Sicherheit kein gutes Zeichen. Vielleicht putzen Sie aber auch nur zu kräftig. Sie ... [mehr]Eventuell könnte es tatsächlich eine Parodontitis sein. Das Aufreißen des Zahnfleisches ist mit Sicherheit kein gutes Zeichen. Vielleicht putzen Sie aber auch nur zu kräftig. Sie sollten damit einmal zu einem Zahnarzt gehen. [weniger]

Daniela Gundermann
Daniela Gundermann,
Expertin für Zahnzusatzversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth

Frage von HATTRICK:
Man sollte ja eigentlich alles tun, um Krankheiten wie eine Parodontitis zu vermeiden. Was zahlt denn eine Zahnuzusatzversicherung alles in Sachen Prophylaxe, was die Krankenkasse üblicherweise nicht übernimmt?

Antwort von Daniela Gundermann:
Bei einer Zusatzversicherung wird das normale Entfernen des Zahnsteins erstattet, mit Kürretagen, Air-Flow-Maßnahmen und Fluorid-Behandlungen. Sie erhalten neben den Leistungen für eine professionelle Zahnreinigung auch ... [mehr]Bei einer Zusatzversicherung wird das normale Entfernen des Zahnsteins erstattet, mit Kürretagen, Air-Flow-Maßnahmen und Fluorid-Behandlungen. Sie erhalten neben den Leistungen für eine professionelle Zahnreinigung auch Leistungen für einen Speicheltest, mikrobiologische Untersuchungen oder knochenaufbauende Maßnahmen. [weniger]

Dr. Sonja H. M. Derman
Dr. Sonja H. M. Derman,
Oberärztin Sektion Parodontologie am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Zahnerhaltung und Parodontologie an der Uniklinik Köln

Frage von LEMER SIGMUND:
Ich gehe regelmäßig zum Zahnarzt und lasse jedes Jahre eine fachmännische Zahnreinigung durchführen. Nun habe ich den Zahnarzt gewechselt und der sagte mir, ich habe Parodontitis. Wie kann das sein?

Antwort von Dr. Sonja H. M. Derman:
Hat Ihr ehemaliger Zahnarzt denn einmal die Zahnfleischtaschen gemessen? Die jährlichen Zahnreinigungen bedeuten nicht zwangsläufig, dass sich keine Parodontitis ausbilden kann. Wichtig ist da vor allem ... [mehr]Hat Ihr ehemaliger Zahnarzt denn einmal die Zahnfleischtaschen gemessen? Die jährlichen Zahnreinigungen bedeuten nicht zwangsläufig, dass sich keine Parodontitis ausbilden kann. Wichtig ist da vor allem die Kontinuität der häuslichen Mundhygiene. Fragen Sie Ihren neuen Zahnarzt, wie "schlimm" die Parodontitis ist. Möglicherweise hat Ihr "alter" Zahnarzt die Situation beobachtet, gesehen, dass es in den letzten Jahren immer gleich geblieben ist und deshalb noch nichts weiteres unternommen. [weniger]

Kristian Popovski
Kristian Popovski,
Leiter der parodontologischen Abteilung in der Zahnarztpraxis "topDentis Cologne"

Frage von MAYER:
Ich habe immer wieder Zahnfleischbluten, was aber nach einiger Zeit von selbst verschwindet. Könnte das Parodontitis sein?

Antwort von Kristian Popovski:
Ja, dies könnte eine Parodontitis sein. Allerdings ist das Zahnfleischbluten auch kein klares Indiz. Bitte konsultieren sie Ihren Zahnarzt und lassen Ihn sich das einmal ansehen. ... [mehr]Ja, dies könnte eine Parodontitis sein. Allerdings ist das Zahnfleischbluten auch kein klares Indiz. Bitte konsultieren sie Ihren Zahnarzt und lassen Ihn sich das einmal ansehen. Vielleicht haben sie auch "nur" eine Zahnfleischentzündung. Das ist dann relativ schnell in den Griff zu bekommen. Sollte es doch eine Parodontitis sein, wird Ihnen der Zahnarzt auch weiterhelfen können. [weniger]

Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz
Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz,
Direktor Poliklinik f. Parodontologie, Zentr. d. Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde, J. W. Goethe-Uni Frankfurt/Main, Präsident d. Dt. Gesell. f. Parodontologie e.V. (DGParo)

Frage von SONNENSCHEIN:
Wie beurteilen Sie den ergänzenden Einsatz einer Munddusche, zweimal täglich dauerhaft neben der elektrischen Schallzahnbuerste. Stichworte: bessere Erreichbarkeit hinterer Zahnregionen gegenüber Zahnseide, Durchgang auch bei eng stehenden Zähnen, keine Verletzungsgefahr des Zahnfleisches durch Faden. Kontra: Einspülen von Essensresten und Bakterien in Zahntaschen / Blutkreislauf? Und zweite Frage: Wie ist der vom Zahnarzt empfohlene unbegrenzte Einsatz von Listerine Zahn & Zahnfleischschutz Mundspülung (grünes Etikett) einzustufen? Parallel-Produkt desselben Herstellers mit rotem Etikett und roter Flüssigkeit soll nur sechs Wochen verwendet werden, sonst Zahnfärbungen möglich. Persönliche Umstände: Alter 62 Jahre; kürzlich erste PZR +Paradontitis-Behandlung durchgeführt.

Antwort von Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz:
Aus meiner Sicht sind Mundduschen komplett verzichtbar. Sie sind keinesfalls ein Ersatz für Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten. Nutzen Sie die Zeit, die Sie durch Verzicht auf die ... [mehr]Aus meiner Sicht sind Mundduschen komplett verzichtbar. Sie sind keinesfalls ein Ersatz für Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten. Nutzen Sie die Zeit, die Sie durch Verzicht auf die Munddusche sparen, lieber für den Gebrauch von Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten. Es gibt keine verlässlichen Hinweise darauf, dass Mundduschen einen Reinigungseffekt auf bakterielle Zahnbeläge haben. Der Druck, der für die Entfernung der klebrigen Zahnbeläge - den sogenannten bakteriellen Biofilm nötig wäre, würde Ihr Zahnfleisch unter Umständen verletzten. Für Zahnseide und Zahnzwischenraumbürsten ist eine effektive Reinigungswirkung gut dokumentiert. [weniger]

Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz
Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz,
Direktor Poliklinik f. Parodontologie, Zentr. d. Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde, J. W. Goethe-Uni Frankfurt/Main, Präsident d. Dt. Gesell. f. Parodontologie e.V. (DGParo)

Frage von SIMONE:
Ist Zahnfleischbluten bei Kindern (6 Jahre) schlimm? Mein Sohn kann ja noch keine Parodontitis haben, oder?

Antwort von Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz:
Gerade in der Phase des Wechselgebisses - also zwischen sechs und neun Jahren - entstehen viele Nischen, in denen sich bakterielle Beläge absetzen können und die ... [mehr]Gerade in der Phase des Wechselgebisses - also zwischen sechs und neun Jahren - entstehen viele Nischen, in denen sich bakterielle Beläge absetzen können und die schwer zu reinigen sind. Diese bakteriellen Zahnbeläge lösen Zahnfleischentzündungen aus, die sich als Zahnfleischbluten äußern. Wahrscheinlich hat Ihr Sohn nur eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis). Sie sollten die Mundhygiene Ihres Sohnes verbessern, dann sollte das Bluten verschwinden. Parodontitis bei Kindern ist sehr selten, aber möglich. Letztlich kann nur eine zahnärztliche Untersuchung Ihre Frage erschöpfend beantworten. [weniger]

Daniela Gundermann
Daniela Gundermann,
Expertin für Zahnzusatzversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth

Frage von SLAM DUNK:
Mein Zahnarzt hat mir für eine Parodontitis-Behandlung schon einen Heil- und Kostenplan vorgelegt. Kann ich jetzt noch eine Zahnzusatzversicherung abschließen? Lohnt es sich, eventuell danach eine Zusatzversicherung abzuschließen oder bekomme ich die gar nicht mehr wegen der Vorerkrankung jetzt?

Antwort von Daniela Gundermann:
Maßnahmen, die vor Versicherungsbeginn angeraten sind, werden von Zusatzversicherungen nicht mehr erstattet.

Moderator:
Liebe Leser, dieser Chat zum Thema "Parodontitis" ist moderiert: Alle Fragen werden zunächst an einen Moderator geschickt, der je nach Teilnehmerzahl alle oder die interessantesten Fragen zur Beantwortung frei stellt. Bitte haben Sie Verständnis, dass bei großem Andrang zunächst Fragen beantwortet werden, die für die Mehrzahl der Teilnehmer relevant sind.

Kristian Popovski
Kristian Popovski,
Leiter der parodontologischen Abteilung in der Zahnarztpraxis "topDentis Cologne"

Frage von LUZI:
Meine Zähne sind äußert kälteempfindlich. Kann es sein, dass ich eine Parodontitis habe? Bin allerdings erst 20 Jahre alt und putze täglich meine Zähne.

Antwort von Kristian Popovski:
Ja, möglich ist es, dass Sie eine Parodontitis haben. Allein die empfindlichen Zahnhälse sind aber kein klares Indiz dafür. Diese können auch auf anderem Wege entstanden ... [mehr]Ja, möglich ist es, dass Sie eine Parodontitis haben. Allein die empfindlichen Zahnhälse sind aber kein klares Indiz dafür. Diese können auch auf anderem Wege entstanden sein. Ich kann Ihnen nur empfehlen, sich mit Ihrem Zahnarzt darüber zu unterhalten. Dieser kann relativ schnell und klar eine Diagnose stellen. Sollte es keine Parodontitis sein, kann er Ihnen mit Sicherheit auch bei den Empfindlichkeiten helfen. [weniger]

Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz
Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz,
Direktor Poliklinik f. Parodontologie, Zentr. d. Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde, J. W. Goethe-Uni Frankfurt/Main, Präsident d. Dt. Gesell. f. Parodontologie e.V. (DGParo)

Frage von B. SCHWEIGERT:
Es gibt zahnärztliche Tageskliniken, die versprechen eine Parodontitisbehandlung an nur einem Tag. Ist das möglich und was halten Sie davon?

Antwort von Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz:
Eine systematische Parodontitistherapie erstreckt sich über mehrere Monate und endet eigentlich nie, solange ein Patient Zähne hat. Nach der Diagnose muss zuerst die Ursache der Erkrankung, ... [mehr]Eine systematische Parodontitistherapie erstreckt sich über mehrere Monate und endet eigentlich nie, solange ein Patient Zähne hat. Nach der Diagnose muss zuerst die Ursache der Erkrankung, also die bakteriellen Zahnbeläge, beseitigt werden. Dazu wird die häusliche Mundhygiene verbessert. Dann werden die Zahnfleischtaschen ab 3,5 Millimetern gereinigt. Das kann in einer, zwei oder in drei bis vier Sitzungen erfolgen. Nach sechs Wochen bis drei Monaten werden die Zahnfleischtaschen nachgemessen und es wird geprüft, ob alles in Ordnung ist. Sind einzelne Taschen nicht verschwunden, müssen diese operiert werden. Danach beginnt die parodontale Nachsorgebehandlung. Nur mit dieser Nachsorge kann Parodontitis langfristig beherrscht werden. Etwa zweimal im Jahr werden Mundhygiene und Zahnfleischtaschen kontrolliert, die Zähne gereinigt und einzelne Taschen gegebenenfalls nachgereinigt. [weniger]

Daniela Gundermann
Daniela Gundermann,
Expertin für Zahnzusatzversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth

Frage von SAUBERMANN:
Wie oft soll man denn zur professionellen Zahnreinigung gehen und bezahlt meine Zahnzusatzversicherung die Reinigung überhaupt zweimal im Jahr?

Antwort von Daniela Gundermann:
Sie sollten zweimal im Jahr zu einer professionellen Zahnreinigung gehen. Sollten Sie eine Parodontitis haben, kann eine Zahnreinigung auch häufiger von Ihrem Zahnarzt empfohlen werden. Zusatzversicherungen ... [mehr]Sie sollten zweimal im Jahr zu einer professionellen Zahnreinigung gehen. Sollten Sie eine Parodontitis haben, kann eine Zahnreinigung auch häufiger von Ihrem Zahnarzt empfohlen werden. Zusatzversicherungen übernehmen in der Regel die entsprechenden Kosten. [weniger]

Dr. Sonja H. M. Derman
Dr. Sonja H. M. Derman,
Oberärztin Sektion Parodontologie am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Zahnerhaltung und Parodontologie an der Uniklinik Köln

Frage von BEA TE:
Kann mann den auch bei der Ernährung mit an seine Zähne denken? Welche Lebensmittel schützen die Zähne und haben wenig bis keine Säure. Gibt es sonst etwas in Sachen Ernährung zu beachten?

Antwort von Dr. Sonja H. M. Derman:
Alle sauren Lebensmittel können die Zähne schädigen - das hängt aber vor allem von der Häufigkeit und der Dauer des Konsums ab. Wichtiger als eine "zahnschonende" ... [mehr]Alle sauren Lebensmittel können die Zähne schädigen - das hängt aber vor allem von der Häufigkeit und der Dauer des Konsums ab. Wichtiger als eine "zahnschonende" Diät ist die häusliche Mundhygiene. Wenn Sie aber den "Säureangriff" auf die Zähne minimieren wollen, kauen Sie nach dem Genuss sehr saurer Nahrungsmittel ein zuckerfreies Kaugummi. Der dabei produzierte Speichel puffert die Säuren ab. Die Thematik wird in der Werbung gerade etwas hochgekocht, trifft aber für die meisten Patienten in dieser Dramatik gar nicht zu. Wenn Sie nicht gerade den ganzen Tag nur Obst essen und mit Zitronenlimonade hinunterspülen, müssen Sie sich eigentlich keine Gedanken machen. Wenn Sie aber sehr unsicher sind, können sie ein Ernährungsprotokoll erstellen und alles aufschreiben, was Sie am Tag essen und trinken - und dann mit Ihrem Zahnarzt besprechen. [weniger]

Kristian Popovski
Kristian Popovski,
Leiter der parodontologischen Abteilung in der Zahnarztpraxis "topDentis Cologne"

Frage von SAMI:
Ich habe einen sehr sehr starken Zahnfleischrückgang. Meine Zahnärztin sagt, ich soll nicht so viel Kaugummi essen, dabei tue ich das gar nicht im Übermaß. Kann es da einen Zusammenhang geben? Meine Eckzähne liegen schon ziemlich frei, ich bin erst 17.

Antwort von Kristian Popovski:
Dieser Zusammenhang ist mir nicht bekannt. Tendenziell würde ich aber sagen, dass Kaugummikauen keinen Einfluss auf eine Parodontitis hat, weder positiv noch negativ. Ich würde Sie bitten, ... [mehr]Dieser Zusammenhang ist mir nicht bekannt. Tendenziell würde ich aber sagen, dass Kaugummikauen keinen Einfluss auf eine Parodontitis hat, weder positiv noch negativ. Ich würde Sie bitten, von Ihrem Recht auf eine Zweitmeinung Gebrauch zu machen und einen versierten Kollegen - möglichst einen Parodontologen - aufzusuchen. Eigentlich sind Sie zu jung für einen solchen Befund. Eventuell hatten Sie eine kieferothopädische Behandlung. Diese kann die Eckzähne auch schon mal entblößen. [weniger]

Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz
Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz,
Direktor Poliklinik f. Parodontologie, Zentr. d. Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde, J. W. Goethe-Uni Frankfurt/Main, Präsident d. Dt. Gesell. f. Parodontologie e.V. (DGParo)

Frage von SCHNEL:
Meine Parodontitis-Behandlung ist sei 6 Monaten abgeschlossen und nun habe ich seit zwei Wochen immer wieder Zahnfleischbluten. Was soll ich tun? Könnte das eine erneute Parodontitis sein, ich hoffe nicht?

Antwort von Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz:
Eine Parodontitisbehandlung ist nie abgeschlossen. Parodontitis ist eine chronische Erkrankung, die durch bakterielle Beläge und die entzündliche Reaktion des Körpers, des Zahnfleisches verursacht wird. Wenn nach ... [mehr]Eine Parodontitisbehandlung ist nie abgeschlossen. Parodontitis ist eine chronische Erkrankung, die durch bakterielle Beläge und die entzündliche Reaktion des Körpers, des Zahnfleisches verursacht wird. Wenn nach dem aktiven Teil der Parodontitisbehandlung - also der Reinigung der Zahnfleischtaschen - bakterielle Beläge die Zähne wieder besiedeln, kommt es wieder zu Entzündung und deshalb zum Zahnfleischbluten. Ich vermute, dass Sie bei Ihrer häuslichen Mundhygiene etwas nachgelassen haben. Das passiert ganz unmerklich, bis es dann wieder zu Zahnfleischbluten kommt. Nach aktiver Parodontitisbehandlung muss die Nachsorgebehandlung folgen. Im Abstand von drei bis sechs Monaten werden die Mundhygiene kontrolliert und die Zähne professionell gereinigt. Ein- zweimal pro Jahr werden die Zahnfleischtaschen nachgemessen und gegebenenfalls werden neu entstehende Taschen behandelt beziehungsweise nachgereinigt. [weniger]

Dr. Sonja H. M. Derman
Dr. Sonja H. M. Derman,
Oberärztin Sektion Parodontologie am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Zahnerhaltung und Parodontologie an der Uniklinik Köln

Frage von LUABE:
Gibt es einen Unterschied zwischen Parodontose und Parodontitis?

Antwort von Dr. Sonja H. M. Derman:
Parodontose ist der Begriff, den die Patienten kennen und den die Werbung verwendet. Aber streng genommen ist er falsch. Eine Parodontose wäre ein Rückgang des Zahnhalteapparates ... [mehr]Parodontose ist der Begriff, den die Patienten kennen und den die Werbung verwendet. Aber streng genommen ist er falsch. Eine Parodontose wäre ein Rückgang des Zahnhalteapparates ohne Grund. Und das stimmt einfach nicht - denn es ist eine Entzündung. Parodontitis ist der stattdessen richtige Begriff: Es handelt sich um eine Entzündung des Zahnhalteapparates, die diesen schädigt und reduziert. [weniger]

Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz
Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz,
Direktor Poliklinik f. Parodontologie, Zentr. d. Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde, J. W. Goethe-Uni Frankfurt/Main, Präsident d. Dt. Gesell. f. Parodontologie e.V. (DGParo)

Frage von TOMMY:
Ich möchte gerne wissen, ob eine Parodontitis übertragbar ist. Bei meiner Freundin wurde kürzlich eine beginnende Parodontitis festgestellt und jetzt frage ich mich, ob diese durch Küssen auch auf mich übertragen werden kann.

Antwort von Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz:
Das Risiko, dass eine Parodontitis durch enge soziale Kontakte wie beispielsweise Küssen übertragen wird, ist extrem gering. Es gibt seltene Formen - die sogenannte aggressive Parodontitis ... [mehr]Das Risiko, dass eine Parodontitis durch enge soziale Kontakte wie beispielsweise Küssen übertragen wird, ist extrem gering. Es gibt seltene Formen - die sogenannte aggressive Parodontitis -, die mit speziellen Bakterien einhergehen, die übertragen werden können. Die beginnende Parodontitis Ihrer Freundin erscheint mir da unverdächtig. Lassen Sie sich nicht vom Küssen abhalten. Mit effektiver individueller Mundhygiene und regelmäßigen zahnärztlichen Kontrollen kann Ihnen praktisch nichts passieren. [weniger]

Daniela Gundermann
Daniela Gundermann,
Expertin für Zahnzusatzversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth

Frage von TRIPLE:
Ich war lange nicht beim Zahnarzt, habe auch keine Beschwerden, weil ich meine Zähne gut pflege. Ich bin 28 Jahre alt und möchte auf Nummer sicher gehen, wenn ich jetzt zum Zahnarzt gehe und deshalb im Vorfeld eine Zahnzusatzversicherung abschließen. Ich befürchte aber, dass es da wie bei anderen Versicherungen Wartezeiten gibt, dass ich also eine mögliche Behandlung gar nicht bezahlt bekomme? Ist das so?

Antwort von Daniela Gundermann:
Sich vorab durch eine Zahnzusatzversicherung abzusichern, ist sinnvoll. Sollten die Maßnahmen allerdings vor Versicherungsbeginn angeraten werden, kann keine Erstattung erfolgen.

Kristian Popovski
Kristian Popovski,
Leiter der parodontologischen Abteilung in der Zahnarztpraxis "topDentis Cologne"

Frage von KURT-M:
Gibt es denn eine Zahncreme, die eine Parodontitis aufhalten kann? Oder gibt es eine bestimmte Zahncreme, die Sie Ihren Patienten empfehlen?

Antwort von Kristian Popovski:
Grundsätzlich kann eine Zahnpaste keine Parodontitis aufhalten. Häufig kommt sie nicht einmal dorthin, wo die Bakterien sich etabliert haben, nämlich unter das Zahnfleisch. Die Zahncreme kann ... [mehr]Grundsätzlich kann eine Zahnpaste keine Parodontitis aufhalten. Häufig kommt sie nicht einmal dorthin, wo die Bakterien sich etabliert haben, nämlich unter das Zahnfleisch. Die Zahncreme kann aber die entblößten Zahnhälse vor Abtrag schützen. Der sogenannte RDA-Wert ist hier ausschlaggebend. Leider steht er nicht auf jeder Zahnpaste. Je geringer dieser Wert, desto besser. Wir empfehlen beispielsweise gerne die Parodontax. [weniger]

Dr. Sonja H. M. Derman
Dr. Sonja H. M. Derman,
Oberärztin Sektion Parodontologie am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Zahnerhaltung und Parodontologie an der Uniklinik Köln

Frage von MAIER ISABELL:
Ich habe im Februar mit dem Rauchen aufgehört, nach mehr als 25 Jahren, und leide seitdem an Entzündungen im Mund. Das sind Bläschen, offene weiße Stellen auf der Zunge und an der Wangeninnenseite, dazu kommt fürchterliches Zahnfleischbluten. Ich musste bis vor kurzem auch Eisentabletten einnehmen, da mein Eisenwert bei 5 lag, jetzt liegt er wieder an der Untergrenze von 20. Liegen die Probleme vielleicht am Eisenmangel oder am Rauchen?

Antwort von Dr. Sonja H. M. Derman:
Das lässt sich nicht so einfach beantworten. Wenn Sie lange geraucht haben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie an einer Parodontitis leiden. Diese ist "maskiert", wenn ... [mehr]Das lässt sich nicht so einfach beantworten. Wenn Sie lange geraucht haben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie an einer Parodontitis leiden. Diese ist "maskiert", wenn man raucht, da die kleinen Blutgefäße zusammengezogen sind und das Zahnfleisch immer blass ist. Hört man mit dem Rauchen auf, werden die Blutgefäße wieder normal und die versteckte Entzündung zeigt sich mit massivem Zahnfleischbluten. Die Bläschen und offenen weißen Stellen auf der Zunge und Wangeninnenseite sind definitiv keine Parodontitis. Sie sollten Ihren Zahnarzt aufsuchen und ihm das zeigen. Es kann sich dabei um eine Mundschleimhauterkrankung handeln. Diese kann viele Ursachen haben, dass die Ursache das Aufhören mit dem Rauchen ist, scheint mir allerdings unwahrscheinlich. Der Eisenwert an sich hat keinen Einfluss auf die Schleimhaut, allerdings sollte man der Ursache des Eisenmangels auf den Grund gehen, da sich viele Veränderungen im Körper auch im Mund zeigen können. [weniger]

Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz
Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz,
Direktor Poliklinik f. Parodontologie, Zentr. d. Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde, J. W. Goethe-Uni Frankfurt/Main, Präsident d. Dt. Gesell. f. Parodontologie e.V. (DGParo)

Frage von SUSANNE B.:
Ich war gestern beim Zahnarzt und der sagt, ich hätte Parodontose und 4 bis 5 Millimeter große Zahnfleischtaschen. Nun will der Zahnarzt Chips einbauen, was muss ich mir denn darunter verstellen?

Antwort von Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz:
Wenn Sie vier bis fünf Millimeter tiefe Zahnfleischtaschen haben, wäre es sinnvoll, eine systematische Parodontitistherapie durchzuführen: Mundhygienekontrolle und -verbesserung, Reinigen der Zahnfleischtaschen und anschließend regelmäßige Nachsorge, ... [mehr]Wenn Sie vier bis fünf Millimeter tiefe Zahnfleischtaschen haben, wäre es sinnvoll, eine systematische Parodontitistherapie durchzuführen: Mundhygienekontrolle und -verbesserung, Reinigen der Zahnfleischtaschen und anschließend regelmäßige Nachsorge, zumeist zweimal pro Jahr. Vermutlich denkt der Kollege an einen Medikamententräger für ein gegen Bakterien wirksames Medikament, einen sogenannten PerioChip. Dieser Chip ist für vier Millimeter tiefe Taschen zu groß und passt in fünf Millimeter tiefe Taschen gerade hinein. Vermutlich reicht es bei Ihnen, wenn die Zahnfleischtaschen nur mechanisch gereinigt werden. [weniger]

Daniela Gundermann
Daniela Gundermann,
Expertin für Zahnzusatzversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth

Frage von NORDLICHT:
Nach meinen Informationen muss die Taschentiefe bei einer Parodontitis mindestens 3,5 mm betragen, damit die gesetzliche Kasse die Behandlungskosten übernimmt. Allerdings ist die Erkrankung in diesem Stadium ja bereits stark fortgeschritten, was die Heilung erschwert. Wenn keine Zahnzusatzversicherung vorhanden ist, müssen die vorherigen Behandlungskosten ja vom Patienten selber getragen werden. Wie hoch könnte dieser Eigenanteil ohne Zusatzversicherung denn liegen?

Antwort von Daniela Gundermann:
Die Kosten bei einer Parodontitis-Behandlung können sehr unterschiedlich sein, je nach Schweregrad der Erkrankung. Eine Sitzung der sogenannten unterstützenden Parodontitis kann etwa 150 Euro kosten.

Kristian Popovski
Kristian Popovski,
Leiter der parodontologischen Abteilung in der Zahnarztpraxis "topDentis Cologne"

Frage von BERLINERIN:
Bei mir wurde eine Parodontitis festgestellt, die muss demnächst behandelt werden. Ich bin allerdings eine Angstpatientin und bekomme jetzt schon Panik, wenn ich an den Termin denke. Was kann mir helfen?

Antwort von Kristian Popovski:
Wir behandeln in unserer Praxis ausschließlich Angstpatienten. Die Hauptbehandlung der Parodontitis ist eigentlich nicht unangenehm. Sie werden ausgiebig betäubt und die Schmerzen und Beschwerden nach der ... [mehr]Wir behandeln in unserer Praxis ausschließlich Angstpatienten. Die Hauptbehandlung der Parodontitis ist eigentlich nicht unangenehm. Sie werden ausgiebig betäubt und die Schmerzen und Beschwerden nach der Behandlung sind aufgrund moderne Behandlungsmethoden wie etwa dem Piezo-Ultraschall fast gänzlich verschwunden. Das Unangenehmste dürften die Betäubungen sein. Wir nutzen in unserer Praxis vor den Betäubungen gerne eine sogenannte Oberflächen-Betäubung, damit die Patienten die Stiche nicht spüren. Das entspannt unsere Patienten meist. Fragen Sie Ihren Behandler doch vorher einmal nach solchen Methoden. Sie sind leider keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen, aber auch nicht teuer. [weniger]

Dr. Sonja H. M. Derman
Dr. Sonja H. M. Derman,
Oberärztin Sektion Parodontologie am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Zahnerhaltung und Parodontologie an der Uniklinik Köln

Frage von NICK:
Ab wann spricht man von Parodontitis und wann muss eine Parodontitis behandelt werden? Kann man bei den ersten Anzeichen gleich eine Komplettbehandlung durchführen lassen? Fällt das noch unter "Vorsorge"?

Antwort von Dr. Sonja H. M. Derman:
Eine Parodontitis ist so definiert, dass die Zahnfleischtaschen größer als 3,5 Millimeter sind. Schon bei den ersten Anzeichen sollte eine systematische Therapie erfolgen, damit die Erkrankung ... [mehr]Eine Parodontitis ist so definiert, dass die Zahnfleischtaschen größer als 3,5 Millimeter sind. Schon bei den ersten Anzeichen sollte eine systematische Therapie erfolgen, damit die Erkrankung gestoppt werden kann und keine weiteren Schäden entstehen. Das fällt nicht mehr unter die Vorsorge. Die "Komplettbehandlung" umfasst meist drei Phasen: die Vorbehandlung mit Zahnreinigungen, dann die Therapiephase, die Erhaltungstherapie mit zwei- bis viermal pro Jahr Taschenmessung und Zahnreinigung und gegebenenfalls einer Nachbehandlung von einzelnen Taschen. [weniger]

Kristian Popovski
Kristian Popovski,
Leiter der parodontologischen Abteilung in der Zahnarztpraxis "topDentis Cologne"

Frage von WIESE:
Ich leide unter Parodontitis und bin starker Raucher, könnte das auch ein Problem sein?

Antwort von Kristian Popovski:
Ursache einer Parodontitis ist immer eine bakterielle Plaque. Diese reicht aber meist nicht aus, um eine Parodontitis zu bekommen. Meist ist es ein weiterer, sogenannter CO-Faktor, ... [mehr]Ursache einer Parodontitis ist immer eine bakterielle Plaque. Diese reicht aber meist nicht aus, um eine Parodontitis zu bekommen. Meist ist es ein weiterer, sogenannter CO-Faktor, der die Parodontitis auslöst. Ganz oben auf dieser Liste steht, neben Stress und genetischen Faktoren, das Rauchen! [weniger]

Dr. Sonja H. M. Derman
Dr. Sonja H. M. Derman,
Oberärztin Sektion Parodontologie am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Zahnerhaltung und Parodontologie an der Uniklinik Köln

Frage von ROLAND W.:
Ein Freund sagte mir, man kann eine Parodontitis auch per Laser behandeln. Es sei weniger schmerzhaft. Stimmt das?

Antwort von Dr. Sonja H. M. Derman:
Laser können in der Parodontitistherapie zur Bearbeitung der Wurzeloberfläche eingesetzt werden. In den vorhandenen Untersuchungen sind die Behandlungsergebnisse nach der Therapie gleich, egal ob der Laser ... [mehr]Laser können in der Parodontitistherapie zur Bearbeitung der Wurzeloberfläche eingesetzt werden. In den vorhandenen Untersuchungen sind die Behandlungsergebnisse nach der Therapie gleich, egal ob der Laser verwendet oder eine normale Parodontitistherapie durchgeführt wurde. Zu dem Schmerzaufkommen kann ich Ihnen keine Auskunft geben. Die Schmerzen nach einer Parodontitistherapie äußern sich meistens als Empfindlichkeit der Zähne. Diese verschwinden in der Regel nach wenigen Tagen wieder. [weniger]

Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz
Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz,
Direktor Poliklinik f. Parodontologie, Zentr. d. Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde, J. W. Goethe-Uni Frankfurt/Main, Präsident d. Dt. Gesell. f. Parodontologie e.V. (DGParo)

Frage von LAURA B.:
Hallo, ich bin schwanger in der 22. Woche und habe seit einiger Zeit Zahnfleischbluten. Der Zahnarzt sagt, das sei in meinem Zustand normal, ist es das?

Antwort von Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz:
Es gibt die sogenannte Schwangerschaftsgingivitis. Durch die Hormonumstellung in der Schwangerschaft wird die Empfindlichkeit des Zahnfleisches für bakterielle Zahnbeläge (Plaque) erhöht. Ich empfehle Ihnen eine professionelle ... [mehr]Es gibt die sogenannte Schwangerschaftsgingivitis. Durch die Hormonumstellung in der Schwangerschaft wird die Empfindlichkeit des Zahnfleisches für bakterielle Zahnbeläge (Plaque) erhöht. Ich empfehle Ihnen eine professionelle Zahnreinigung. Dabei wird kontrolliert, wie effektiv Sie aktuell die Zähne putzen. Das kann in der Schwangerschaft durch Würgereiz eingeschränkt sein. Dann werden alle bakteriellen Zahnbeläge und somit der Grund für die Entzündung und das Zahnfleischbluten beseitigt. Leider bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen diese Prophylaxemaßnahmen in der Regel nicht. [weniger]

Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz
Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz,
Direktor Poliklinik f. Parodontologie, Zentr. d. Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde, J. W. Goethe-Uni Frankfurt/Main, Präsident d. Dt. Gesell. f. Parodontologie e.V. (DGParo)

Frage von DER KLEINE KüRBIS:
Mein Zahnfleisch schwindet, was kann ich tun, wer hilft mir? Meine 3 letzten Zahnärzte - alles ausgewiesene Parodontologen - haben nur das Interesse gehabt, ihre Helferinnen für kostenpflichtige professionelle Zahnreinigungen einzusetzen, die mein Zahnfleisch weiter geschädigt haben. Und die Zahnärzte haben ein Röntgenbild angefertigt, um den Kieferknochenschwund zu betrachten, geholfen hat es aber auch nicht. Gibt es Ärzte, zum Beispiel Hautärzte, die die Mundflora oder den Speichel prüfen oder die häufig unterstellten Entzündungsbakterien suchen und identifizieren statt pauschal Chlorhexamed zu empfehlen?

Antwort von Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz:
Der Begriff "Parodontologe" ist nicht geschützt. Ich empfehle Ihnen nach folgenden Kollegen zu suchen: einen Fachzahnarzt für Parodontologie oder einen DGParo-Spezialisten für Parodontologie. Diese beiden Bezeichnungen ... [mehr]Der Begriff "Parodontologe" ist nicht geschützt. Ich empfehle Ihnen nach folgenden Kollegen zu suchen: einen Fachzahnarzt für Parodontologie oder einen DGParo-Spezialisten für Parodontologie. Diese beiden Bezeichnungen sind geschützt und garantieren, dass der Kollege eine zumeist dreijährige Ausbildung auf dem Fachgebiet Parodontologie absolviert hat. Sie können diese Kollegen auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DGParo; www.dgparo.de) unter "Spezialistensuche" finden. [weniger]

Kristian Popovski
Kristian Popovski,
Leiter der parodontologischen Abteilung in der Zahnarztpraxis "topDentis Cologne"

Frage von ANITA-77:
Gibt es spezielle Mundspülungen oder Zahncremes, die Parodontitis vorbeugen? Mein Zahnarzt sagt zwar, dass bei mir alles in Ordnung sei momentan, ich sei aber eine Risikopatientin und soll stark auf meine Mundpflege achten - was ich auch tue.

Antwort von Kristian Popovski:
Vorbeugende Maßnahmen sind eine regelmäßige Kontrolle und Zahnreinigungen bei Ihrem Zahnarzt. Auch die häusliche Benutzung der richtigen Zahnbürste - nämlich einer weichen Bürste, die Zahnputztechnik und ... [mehr]Vorbeugende Maßnahmen sind eine regelmäßige Kontrolle und Zahnreinigungen bei Ihrem Zahnarzt. Auch die häusliche Benutzung der richtigen Zahnbürste - nämlich einer weichen Bürste, die Zahnputztechnik und somit eine optimale Mundpflege sind das A und O. Ausgangspunkt einer jeden Parodontitis ist die bakterielle Plaque, die sich zu jedem Zeitpunkt in Ihrem Mund bildet. Das regelmäßige und gründliche Entfernen der Plaque durch dreimal tägliches Putzen ist der Schlüssel zum Erfolg. Hilfsmittel wie die Zahnseide sind dafür unerlässlich. Dass Sie ein Risikopatient sind, ist erst einmal nicht schlimm, solange sie wissen, worin Ihr Risiko ist, und sie versuchen, es zu minimieren. Risiken sind eine schlechte Mundhygiene, Stress, Rauchen, Alkohol, einige Medikamente und selbst eine Schwangerschaft, da das Immunsystem einem dann manchmal einen Streich spielt. Genetische Aspekte sind leider nicht zu ändern. [weniger]

Dr. Sonja H. M. Derman
Dr. Sonja H. M. Derman,
Oberärztin Sektion Parodontologie am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Zahnerhaltung und Parodontologie an der Uniklinik Köln

Frage von FRAU MILAG:
Welche Krankheiten können noch entstehen, wenn man an einer Parodontitis leidet? Ich habe von Diabetes gehört.

Antwort von Dr. Sonja H. M. Derman:
Diabetes entsteht nicht durch Parodontitis! Es gibt aber viele Erkrankungen, die in einer Wechselbeziehung mit Parodontitis stehen. Ein schlecht eingestellter Diabetiker hat ein höheres Risiko, an ... [mehr]Diabetes entsteht nicht durch Parodontitis! Es gibt aber viele Erkrankungen, die in einer Wechselbeziehung mit Parodontitis stehen. Ein schlecht eingestellter Diabetiker hat ein höheres Risiko, an Parodontitis zu erkranken, da sein Immunsystem geschwächt ist. Es gibt auch Hinweise dafür, dass eine aktive Parodontitis sich negativ auf die Blutzuckerkontrolle eines Diabetikers auswirken kann. Grob gesagt nehmen alle Erkrankungen, die das Immunsystem beeinträchtigen, einen Einfluss auf Parodontitis: so auch zum Beispiel Rheuma. Außerdem sollten Patienten mit Herzerkrankungen besonders auf ihre Mundgesundheit achten, da Parodontitiskeime über das Blut zum Herzen "verschleppt" werden können. [weniger]

Kristian Popovski
Kristian Popovski,
Leiter der parodontologischen Abteilung in der Zahnarztpraxis "topDentis Cologne"

Frage von SUMA:
Ich putze meine Zähne immer gründlich mit Zahnbürste, Zahnseide und Mundspülung, doch jetzt habe ich auf einmal Zahnfleischbluten. Ist das ein erster Ansatz für Parodontitis?

Antwort von Kristian Popovski:
Die Ursachen sind vielfältig. Alleiniges Zahnfleischbluten ist kein klares Indiz für eine Parodontitis. Es könnte auch nur eine harmlose Zahnfleischentzündung sein. Sie sollten sich das aber ... [mehr]Die Ursachen sind vielfältig. Alleiniges Zahnfleischbluten ist kein klares Indiz für eine Parodontitis. Es könnte auch nur eine harmlose Zahnfleischentzündung sein. Sie sollten sich das aber unbedingt von einem Zahnarzt anschauen lassen. Ausgeschlossen ist eine Parodontitis nicht. Der Zahnarzt kann sicher eine genaue Diagnose erstellen. [weniger]

Moderator:
Liebe Leser, wir danken Ihnen für die Teilnahme an unserem Chat zum Thema Parodontitis. Leider konnten wir heute nicht alle Fragen beantworten, wir hoffen aber, dass Sie Ihre Frage oder zumindest eine ähnliche beantwortet vorgefunden haben. Für heute verabschieden wir uns von Ihnen und wünschen einen schönen Abend. Bis zum nächsten Mal.